Auf dem Politikfeld der gesetzlichen Regelung der Sterbehilfe in Deutschland vergreift sich die Deutsche Hospiz Stiftung in der Wahl ihrer Mittel, um ihre Sichtweisen mehrheitsfähig darzustellen.
Die Deutsche Hospiz Stiftung (Dortmund) stellt sich selber als "Anwältin der Schwerstkranken und Sterbenden" dar - als ob sie die einzige Organisation sei, die Interessen von Schwerstkranken und Sterbenden wahrnehmen würde.
Sie bezeichenet sich als "gemeinnützig und unabhängig". Warum verschweigt sie, dass sie von den katholischen Maltesern gegründet wurde und deren Weltanschauung zur Grundlage hat. Was ist verschweigenswert, wenn man eine Weltanschauung nicht offen vertritt?
Der Ansatzpunkt ist im Oktober 2005 die selbst formulierte Frage: "Was denken die Deutschen wirklich über Sterbehilfe?" Dazu wird festgestellt: "Auch aktuelle Umfragen scheinen eine Tendenz zur Zustimmung der aktiven Sterbehilfe in der Bevölkerung abzubilden."
Mit diesem Ansatz, die "wirklichen" Denkweisen und die nur scheinbare Zustimmung der Bevölkerung als unzutreffend zu beweisen, wird eine Umfrage formuliert, deren Frage lautet:
"Zur Beantwortung der Frage möchte ich Ihnen kurz die Begriffe Palliativ-Medizin, Hospizarbeit und aktive Sterbehilfe erläutern. Unter Palliativmedizin und Hospizarbeit versteht man eine moderne Schmerztherapie kombiniert mit seelsorgerischer und sozialer Begleitung von Schwerstkranken. Ärztliche Erfahrungen auf diesem Gebiet haben gezeigt, dass so, unter Wahrung des Selbstbestimmungsrechtes des Patienten, eine hohe Lebensqualität bis zuletzt gesichert werden kann. Der natürliche Sterbeprozess wird weder künstlich verlängert noch verkürzt. Unter aktiver Sterbehilfe versteht man die Tötung eines Menschen auf dessen Verlangen oder auch ohne dessen Zustimmung. Wenn Sie das wissen, befürworten Sie dann bei Schwerstkranken und Sterbenden den kombinierten Einsatz von Palliativmedizin und Hospizarbeit oder sind Sie eher für aktive Sterbehilfe?"
Bei dieser Fragestellung, die die eigene Position vergleichsweise lang beschreibt, die Sterbehilfe dagegen auf die aktive Sterbehilfe verkürzt und dabei die aktive Sterbehilfe auch als "Tötung eines Menschen ohne dessen Zustimmung" sachlich falsch darstellt, sind entsprechende Ergebnissse zu erwarten.
56% der Befragten sind - unter diesen (falschen) Alternativen, verständlicherweise - für den Einsatz der Palliativmedizin und Hospizarbeit, und 35% für die aktive Sterbehilfe.
Um dieses Ergebniss noch einmal inhaltlich auszubauen, wird zudem eine "Einschätzung nach Wahlverhalten" dargestellt, wobei die Wähler der rechten Parteien (Republikaner und DVU) nur zu 5% für Palliativmedizin und Hospizarbeit, dagegen zu 95% für aktive Sterbehilfe in der Darstellung der Hospiz Stiftung seien.
In normalen Umfragen - deren Datenbasis im Übrigen nicht mitgeteilt wird - sind von 1.000 Befragten maximal 20 bis 30 Befragte Anhänger rechter Parteien. Diese geringe Anzahl hat keinerlei Signifikanz für weitere Auswertungen.
Dass die deutsche Hospizstiftung sich sowohl in der Fragestellung grob vergreift und dann zusätzlich methodisch unseriöse Auswertungen publiziert, passt leider zu ihrer Auffassung, dass selbstbestimmte aktive Sterbehilfe "Euthanasie" sei, d.h. die Befürworter dieser Selbstbestimmtheit des Menschen bis zum Lebensende in die Nähe oder sogar explizit damit als Nationalsozialisten brandmarken will.
Die Deutsche Hospiz Stiftung sollte es sich angelegen sein lassen, auf einen derart offensichtlich unseriösen Einsatz von empirischen Umfragen zu verzichten, wenn sie die Seriosität ihres Anliegens nicht beschädigen will.