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24. August 2006

Der Statistik Beobachter (5)

Immr wieder ist zu bemerken, dass quantitative Merkmale (z.B. Zahlen) mit qualitativen Bewertungen, Zuweisungen oder Interpretationen verbunden werden.
Durch die Nicht-Beachtung der Unterschiedlichkeit läuft der Interpret jedoch entweder Gefahr, sich ein falsches Bild von der Realität zu machen oder seine Interpretationen befinden sich schon im Geltungsbereich von Propaganda.

Das sei an einem aktuellen Beispiel erläutert.

In der Nordelbischen Kirche steigt - wie auch anderswo - 2005 die Zahl der Konfirmanden.  Dieses Ansteigen wird nun nicht nur als als positiver "Trend" sondern auch inhaltlich interpretiert. "Wurden 1999 noch rund 21.000 Mädchen und Jungen eingesegnet, so waren es 2004 genau 24.375, sagte (der Beauftragte für die Konfirmandenarbeit Pastor) Langbein." Und: "Da der Konfirmanden-Unterricht und die feierliche Einsegnung bei jungen Menschen offenbar hoch im Kurs stehen, sieht der Theologe eine 'enorme missionarische Chance' für Kirche und christlichen Glauben."

Von 1999 auf 2004 ist es demnach ein Anstieg der Anzahl um rund 16 %.

Stellt man nun - als Test-Einwand - die Zeitreihe der Geburten daneben und geht in die Jahre zurück (14 Jahre) in denen die Konfirmanden geboren wurden, so steigt die Zahl der Geburten in Deutschland  von 1985 bis 1990  von 586.155 Geburten auf 727.199.

Das ist ein Anstieg um rund 24 %. 

Mit anderen Worten: Der Anstieg der Zahl der Konfirmanden liegt unter dem Anstieg der Geburtenzahl im rückbezüglichen Zeitraum. In dieser Hinsicht wäre es dann kein "positiver Trend", sondern - im vordergründigen Anstieg der Zahlen  - eine faktische Verringerung des Anteils. Dazu würde dann allerdings keine zukunftsfrohe Interpretation mehr passen.

Ob dieser Zusammenhang besteht, wird sich darin zeigen, ob (und dass) 2006 die Zahl der Konfirmanden wieder geringer geworden ist, da auch die Geburtenziffern sich seit 1992 wieder verringern. 2007 / 2008 werden wir es wissen.

 

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