Mehr als ein Drittel (35 %) der erwachsenen Kirchenmitglieder in Deutschland würden heute "wahrscheinlich nicht" (20 %) bzw. "sicher nicht“ (15 %) Mitglied ihrer Kirche werden, wenn sie nicht schon als Kind getauft worden wären. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) hervor. 36 Prozent der Kirchenmitglieder antworteten auf die Frage, ob sie heute freiwillig in die Kirche eintreten würden, mit einem klaren "sicher", ein Viertel der Befragten (26 %) mit einem zurückhaltenderen "wahrscheinlich".
Schon 2002 hatte eine Allbus-Studie ermittelt, dass nur noch 35,5 Prozent der katholischen und 23,3 Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder eine der Grundbedingungen des christlichen Glaubens erfüllen, nämlich an einen persönlichen Gott zu glauben. Warum dennoch so viele Menschen ihren Status als Kirchenmitglied aufrecht erhalten, ist nach Auffassung von Carsten Frerk, Projektleiter von fowid, noch weitgehend ungeklärt. Einer der Gründe für die formale Aufrechterhaltung der Kirchenmitgliedschaft trotz alternativer Weltanschauung könnte seiner Meinung nach darin bestehen, dass ein nicht geringer Anteil der Menschen in Deutschland „zwangskonfessionalisiert“ sei.
Unter dem Begriff „Zwangskonfessionalisierte“ fasst fowid all jene kirchenkritischen Menschen, die nur deshalb Kirchenmitglieder bleiben, weil sie befürchten müssen, dass ein Kirchenaustritt für sie mit schwerwiegenden beruflichen oder sozialen Nachteilen verbunden sein könnte. Dies trifft, so erklärte Frerk auf einer Pressekonferenz in Berlin, insbesondere auf Personen zu, die im sozialen, pädagogischen oder medizinischen Bereich tätig sind. In diesem Marktsegment haben sich die konfessionellen Träger im Laufe der letzten Jahrzehnte stark ausbreiten können. Für Menschen, die in diesem Sektor bereits arbeiten oder künftig arbeiten wollen, sei die Angst vor dem Kirchenaustritt nicht völlig unbegründet, meint Frerk. Immerhin seien Caritas und Diakonisches Werk die größten nicht-staatlichen Arbeitgeber Europas.
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