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13. Dezember 2005

Kürzungen im Sozialbereich provozieren Kirchenaustritte

(Hamburg) Die zur Zeit viel diskutierten Kürzungen im Sozialetat der Kirchen könnten eine nachhaltige Verstärkung der Kirchenaustritte zur Folge haben. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid, Sitz: Hamburg) durchführte. Der Umfrage zufolge würde etwa die Hälfte  der Kirchenmitglieder (47 Prozent) aus der Kirche austreten, „falls nur wenig oder gar nichts aus der Kirchensteuer für soziale Werke verwendet würde“. Besonders besorgniserregend dürfte für Kirchenvertreter sein, dass gerade die Jüngeren (61 Prozent der 14-29 Jährigen und 56 Prozent der 30-44 Jährigen) einen Austritt erwägen, falls sich herausstellen sollte, dass die Kirchen sich nicht ausreichend mit eigenen Mitteln auf sozialem Gebiet engagieren. Die Daten der repräsentativen Umfrage sind auf der Website der Forschungsgruppe www.fowid.de öffentlich zugänglich.

Carsten Frerk, Projektleiter von fowid, erklärte in Hamburg, dass die Ergebnisse der Umfrage „bereits in der jetzigen Situation höchst brisant für die Kirchen“ seien. Der promovierte Sozialwissenschaftler verwies dabei auf seine umfangreichen Studien zur kirchlichen Sozialarbeit, die er 2005 in Buchform vorgelegt hat („Caritas und Diakonie in Deutschland“, Alibri Verlag). Seinen Recherchen zufolge geben die Kirchen nur 1,9 Prozent ihrer jährlichen Gesamteinnahmen für karitative Dienste aus. Da nur 44 Prozent dieser Einnahmen aus dem Kirchensteueraufkommen stammen, kommt Frerk zu dem Ergebnis, „dass nur 0,8 Prozent der Aufwendungen von Caritas und Diakonie  aus Kirchensteuern finanziet werden. Eine Zahl, die möglicherweise viele Kirchenmitglieder zum Austritt motivieren würde.“

Ein Großteil der kirchlichen Einrichtungen (beispielsweise Krankenhäuser, Altenheime, Sozialstationen, Werkstätten für Behinderte, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen) werden ohne einen einzigen Cent Zuschuss aus Kirchenmitteln finanziert. Kirchengelder in nennenswertem Umfang fließen nach Frerks Angaben allein in die Verbandsarbeit, in kirchliche Beratungsinstitutionen sowie in Kindertageseinrichtungen. Dass die Kirchen gerade in den beiden letztgenannten Bereichen Kürzungen erwägen, könne sich für sie leicht als Bumerang erweisen. Für den Staat hingegen, erläuterte Frerk, wäre selbst ein vollständiger Rückzug der Kirchen aus dem Sozialsektor kein unlösbares Problem. Sofern die Kirchen im Gegenzug auf ihre „verfassungsmäßig ohnehin bedenklichen Privilegien“ verzichten würden, könne „der Staat sogar Jahr für Jahr mehrere Milliarden Euro einsparen“.

Die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland wurde 2005 von der Giordano Bruno Stiftung ins Leben gerufen und im November im Bundespresseamt offiziell vorgestellt. fowid verfolgt das Ziel, umfassende empirische Daten zu Weltanschauungsfragen zu erheben, auszuwerten und öffentlich zugänglich zu machen.  

Datenquelle: fowid-Umfrage "Kirchenaustritt bei fehlendem sozialem Engagement"

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