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21. August 2007

Neurotheologie?

Der Ordinarius für Psychiatrie an der Universtät Ulm, Manfred Spitzer, erläutert in seinem Beitrag zur "Neurotheologie?" Aspekte des Verhältnisses zwischen Religion und (Neuro-)Wissenschaft.

Einerseits ausgehend von der Tatsache, dass rund 85 % aller Menschen als religiös zu betrachten sind - im Sinne der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft -, ist andererseits immer wieder festgestellt worden, dass die Gläubigen nur selten sehr gut über ihren Glauben informiert sind.

Hinsichtlich der Frage: "Gott im Gehirn?" sind die Feststellungen eindeutig: Die Visionen der Hildegard von Bingen beruhen wohl auf Migräne und Paulus hatte wohl eine dissoziative Störung oder ein Krampfleiden. Vorgeblich religiöse Erlebnisse und Visionen ("Heiliger Geist") sind – auch aktuell im Laborversuch – als beschreibbare Vorgänge in kognitiven Arealen des Gehirns zu lokalisieren. Auch traditionell als sehr "subjektiv" empfundene Erlebnisse lassen sich heute objektiv darstellen. Doch was folgert daraus?

Man darf in der Hirnforschung das Erklären nicht mit Hinwegerklären verwechseln. "Im Gehirn findet man den blauen Himmel ebenso wenig wie die Rose – oder Gott. Daraus folgt nicht, dass Rosen bzw. Gott nicht existieren. "Die Abwesenheit des Beweises ist nicht das Gleiche wie der Beweis der Abwesenheit. Ebenso wie nur der Dumme glauben kann, dass Wissenschaft durch Glauben ersetzt werden kann, kann auch nur der Dumme glauben, dass Wissenschaft den Glauben ersetzen kann."

Der Umgang zwischen Wissenschaft und Religion ist klar abgesteckt und keineswegs tolerant. Wenn die Neurowissenschaften eine Brücke schlagen könnten wäre das ein Erfolg.

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