Hinsichtlich der Frage einer generellen Säkularisierung – die auch die formellen Mitglieder der Religionsgesellschaften (Kirchen) nicht verschont – wird die formale Zugehörigkeit zu einer Kirche immer weniger aussagefähig. Insofern wäre es aufschlussreicher, wenn inhaltliche Kriterien erhoben und verwendet werden würden.
Eine Übersicht über Religionszugehörigkeiten und Gottesglaube zeigt die Unterschiede sehr deutlich. Im ALLBUS 2002 wurden vier Aussagen vorgelegt und die Befragten sollten ihre Zustimmung äußern. Ein Viertel (25 %) stimmte mit einem "Gottesglauben" überein und ebenfalls ein Viertel (26 %) lehnte einen irgendwie gearteten Glauben ab ("Gottlose" oder Atheisten). Die größte Gruppe (34 %) stimmte darin überein, dass es irgendein höheres Wesen oder eine geistige Macht geben würde ("Transzendenzglauben") und 15 % waren sich unsicher, was richtig sei.
Diese Zuordnungen und Verteilungen beschreiben die religiöse Landschaft in Deutschland sehr viel genauer, als nur das Auszählen der Mitgliedschaften und Nicht-Mitgliedschaft in Religionsgesellschaften, denn auch unter den Nicht-Mitgliedern einer Religionsgesellschaft ("Konfessionsfreie") befinden sich 4 % der "Konfessionslosen", die dennoch an einen persönlichen Gott und 18 %, die an irgendeine höhere Macht glauben.
Diese inhaltlichen Klärungen sind zudem für alle Religionsgemeinschaften notwendig (wie dem Islam), die eine formelle Mitgliedschaft gar nicht kennen.