Kurz vor "Weihnachten" 2007 überraschte die Bertelsmann-Stiftung die deutsche Öffentlichkeit mit der Veröffentlichung der Ergebnisse einer weltweit angelegten sehr aufwändigen empirischen Studie, deren Ergebnisse für Deutschland verhießen: 70 % der Bundesbürger sind religiös und jeder fünfte sei sogar hoch-religiös. Das überraschte.
Eine einfache Untersuchung, wie dieses Ergebnis zustande gekommen war, erbrachte erst einmal ein schlichtes: "Nein."
Die Erklärung, wie dieses Ergebnis zustande kam ist sehr einfach. Die Befragten waren nach der Intensität ihrer "religiösen Praxis" in fünf verschiedenen Dimensionen gefragt worden (Intellekt: Wie oft über Religion nachdenken / Ideologie: Wie stark glauben Sie an Gott bzw. Göttliches / Öffentliche Praxis: Gottesdienstbesuch / Private Praxis: Wie oft beten bzw. meditieren Sie / Erfahrung: Gefühl, das Gott eingreift bzw. Gefühl mit allem Eins zu sein). Wer nie / gar nicht angab bekam für die Frage 1 Punkt, selten / wenig = 2 Punkte, bis sehr oft / sehr = 5 Punkte. So weit, so korrekt.
Nun wurden die erreichten Punktzahlen, die als Indikator für die Intensität einer Religiosität eingesetzt wurden, aber nicht in vier Gruppen unterteilt: 5-10 / 11-15 / 16-20 / 21-25 Punkte und entsprechend in: nicht religiös / wenig religiös / eher religiös / religiös – so wie es beispielsweise für die ALLBUS-Studien geschieht –, sondern es wurden nur drei Gruppen gebildet: 5 -10, 11-19 und 20-25 Punkte mit der Bewertung: nicht religiös, religiös, hoch religös.
Das heißt, 75 % der Antwortmöglichkeiten wurden als "religiös" deklariert. In dieser Hinsicht ist der festgestellte Anteil von 70 % unter der Erwartung. Die ALLBUS-Daten von 2002 stellten fest, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung sich überwiegend als religiös versteht, während die andere Hälfte (48 %) sich als nicht religiös versteht. Gruppiert man diese ALLBUS-Daten entsprechend dem Religionsmonitor in drei Gruppen, ergibt sich prozentual das gleiche Ergebnis: 28-52-18 im Religionsmonitor und 26-56-18 im ALLBUS. Also nichts Neues.
Es ist beachtlich, wie die Bertelsmann-Stiftung viel Geld in eine weltweite und differenzierte Studie investiert, deren Ergebnisse dann jedoch propagandistisch – alle großen deutschen Tageszeitungen brachten diese "Ergebnisse" des Religionsmonitors in großer Aufmachung – verzerrt und damit schlicht verfälscht werden.