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Kirchenmitglieder in den Bundesländern, 2001-2018

Das Staat-Kirche-Verhältnis wird in Deutschland weitgehend auf der Ebene der Bundesländer verhandelt, da der Bund für Kirche als Kultur/Kultus nur in wenigen Themen eine Zuständigkeit besitzt. Insofern ist es angebracht, sich die Situation der beiden maßgeblichen großen „Amtskirchen“ in den Bundesländern anzusehen.

Allgemeiner Überblick

Auch wenn die Tendenz der Verringerung der Anzahl der Kirchenmitglieder in allen Bundesländern gleichermaßen vorhanden ist, sind die Unterschiede zwischen den westlichen und den östlichen Bundesländern beträchtlich.

Alle westdeutschen Flächenländer (d. h. ohne die ‚Stadtstaaten‘ Berlin, Hamburg und Bremen) haben 2018 noch eine amtskirchliche Mehrheit. Die Verringerung der Prozentanteile von 2001 bis 2018 ist durchgehend um die 13 Prozentpunkte, mit dem Spitzenwert in Bayern mit rund 16 Prozentpunkten Verringerung. Aber auch in den östlichen Bundesländern geht diese Verringerung der Anzahl der Kirchenmitglieder stetig weiter, wenn auch nur im einstelligen Bereich zwischen 5 bis 7 Prozentpunkten.

In der Reihung nach der Höhe der Anteile der beiden großen Amtskirchen (mit dem Saarland an der Spitze) und der Unterteilung in Römisch-katholisch sowie EKD-Evangelisch ist bemerkenswert, dass die dominierenden Religionsgemeinschaften ein größeres Verringerungspotential haben, als bei den bereits eher marginalen kleineren Gruppen. Das gilt sowohl bei katholischer Dominanz (im Saarland und in Bayern) wie bei evangelischer Dominanz (in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen), deren Anteile sich alle über 10-Prozentpunkte verringern. In den Bundesländern ohne eine ausgeprägte Dominanz (wie in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen) verlaufen die Verringerungen ähnlich zueinander im mittleren einstelligen Bereich. Die ‚Standhaftigkeit‘ kleinerer Anteile wird vor allem bei den römischen Katholiken deutlich, die in den ausgeprägten Diaspora-Situationen im Norden und Osten Deutschlands ihre Anteile relativ stabil halten können.

In der Übersicht zu den durchschnittlichen ‚Verlustquoten‘ pro Jahr im Zeitraum von 2001 bis 2018 werden diese Verteilungen ebenfalls deutlich. Bei einer durchschnittlichen Gesamt-Verringerungsquote der Kirchenmitglieder in Deutschland von 0,66 Prozentpunkten im Jahr haben alle westdeutschen Länder (außer Hamburg und Berlin) eine höhere Verringerungsquote (mit den Spitzenreiter Bayern und Bremen), und alle ostdeutschen Länder (sowie Hamburg und Berlin) eine unterdurchschnittliche Verringerungsquote.

Diese Verteilungen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die EKD-Evangelischen höhere Verringerungsquoten haben als die römischen Katholiken. In den 16 Bundesländern haben die EKD-Evangelischen in der Zeit von 2001 bis 2018 in 14 Bundesländern eine höhere Verringerungsprozentzahl als die Katholiken. Die Ausnahmen – mit höherer Verringerung der Katholiken – sind das Saarland und Sachsen-Anhalt.

Das zeigt sich auch in der Grafik über die jährlichen Veränderungsraten gegenüber dem Vorjahr in ganz Deutschland. Die Gesamttendenz ist (vgl. auch Tabelle 17.2.), dass sich die Verringerungsraten verstärken.

50 Prozent Prognose

In der Theorie des Staatskirchenrechts ist die 50-Prozent-Marke wesentlich, da ein geringerer Anteil bedeutet, dass es nicht mehr ‚normal‘ ist, Kirchenmitglied zu sein und die Kirchen selber – zusammen – nicht mehr die Mehrheit des ‚Üblichen‘ stellen.

Acht der 16 Bundesländer haben bereits Ende 2019 keine Mehrheit der Mitglieder der Amtskirchen. Neben den fünf östlichen Ländern und dem Bundesland Berlin – bei denen nicht bekannt ist, wann sie diesen Anteil unterschritten haben – sind es Hamburg (1995) und Bremen (2014). Ende 2020 wird voraussichtlich auch in Schleswig-Holstein die Mehrheit der beiden großen Kirchen beendet sein. Da auch in allen anderen Bundesländern die Rückgänge voran gehen, wird in Deutschland insgesamt voraussichtlich bzw. spätestens 2025 diese Mehrheit Geschichte sein.

Für sieben Bundesländer wird es noch dauern, bis dort die 50-Prozent-Marke voraussichtlich bzw. spätestens unterschritten wird: Hessen (2027), Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (Mitte der 2030-Jahre), Rheinland Pfalz (2042) und schließlich das Saarland (2052).

Die einzelnen Bundesländer

(CF)