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Boom von Erwachsenentaufen?

Fowid-Statistikbeobachter: Das Thema eines Booms von Erwachsenentaufen (vor allem in Frankreich) zieht seine medialen Kreise und gerät in Widerspruch: Einerseits bekräftigt der Vatikan diese Feststellung – anlässlich der PR-Vorbereitung der aktuellen Papstreise nach Frankreich -, andererseits stellt das Schweizerisches Pastoralsoziologische Institut (SPI) fest, dass diese Aussage, statistisch gesehen, keine große Bedeutung hat.

Kathpress meldet (am 19.09.2026): „Wenige Tage vor dem Besuch von Papst Leo XIV. in Frankreich hat der Vatikan die Berichte über steigende Zahlen von Erwachsenentaufen in dem Land bestätigt. Vatikansprecher Matteo Bruni nannte am Freitag vor Journalisten die Zahl von 13.000 Erwachsenen, die sich in Frankreich hätten taufen lassen. Dies sei bemerkenswert, weil es sich um eine bewusste Entscheidung für den christlichen Glauben und nicht um eine bloße Weitergabe handle.
Bei der Frankreichreise des Papstes vom 25. bis 28. September ist eine eigene Begegnung mit erwachsenen Neugetauften und Taufbewerbern vorgesehen. Laut den statistischen Daten, die den mitreisenden Journalisten am Freitag präsentiert wurden, stieg die Zahl der Getauften in Frankreich nach einem mehrjährigen Tiefststand von 173.300 im Jahr 2020 auf 186.165 im Jahr 2024. Die Zahlen für 2025 sind noch nicht endgültig erfasst.“

Diese Berichtserstattung greifen auch andere Medien auf, so die Internetseite schweizheute.ch: „Mehr Erwachsenentaufen“, mit einer entsprechenden Grafik:

Das SPI hat sich ebenfalls dieser Frage gewidmet und (zeitgleich) am 18. 09.2026 eine Analyse dazu vorgelegt: „Kirchen zwischen Erosion und Gestaltwandel. 1. Erwachsenentaufen – ein neuer Boom des Glaubens?“ Darin heißt es: „Angesichts der zahlreichen Medienberichte zum Thema Erwachsenentaufen in den letzten Jahren könnte man nun sagen: «Jetzt kommt die Wende.»
Der mediale Befund berichtet von explosionsartig steigenden Zahlen katholischer Erwachsenentaufen, insbesondere in Frankreich. In der Deutung dieser Nachrichten wird zuweilen gar der Eindruck der Wende zu einer religiös-spirituellen und kulturell-konservativen Traditionsorientierung erweckt, die insbesondere von jungen Männern getragen werde. Deren Kirchen- und Gesellschaftsbild, insbesondere auch bei Genderfragen, sei rückwärtsgewandt. Die Zahlen in der Schweiz und auch in Frankreich, das bei Erwachsenentaufen in Europa immer als Vorreiter beschrieben wird, belegen diese Vermutungen aber nicht.“

Es folgt die bereits gezeigte Grafik, allerdings korrekt mit der Angbe der Prozentanteile der Erwachsenentaufen:

„2025 betrug die Zahl der katholischen Erwachsenentaufen (18+) in der Schweiz 339 Personen, was für die Dauer der Kirchenstatistik eine Höchstzahl darstellt. Insgesamt ist die geringe Zahl statistisch aber nur wenig aussagekräftig.“
„Angesichts der Gesamtzahlen lässt sich also kein Trend zu einer neuen Verkirchlichung säkularer Jugendlicher oder Erwachsener ablesen.
Was sich aber zeigen lässt ist, dass bei insgesamt sinkenden Taufzahlen der Anteil der Erwachsenentaufen an allen Taufen zunimmt. 2025 betrug der Anteil 2.6 %.“

„Pastoralsoziologische Einordnung und Seitenblicke nach Frankreich.
In Frankreich, einem säkularer geprägten Land als es die Schweiz ist, wird von einem sehr starken Anstieg der Taufen im Jugend- und im jungen Erwachsenenalter berichtet. Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings ein Bild, das dem der Schweiz ähnelt:
Der grösste Trend auch in Frankreich liegt im Rückgang der Taufen insgesamt. Die Zahl der Taufen in Frankreich hat sich zwischen 2000 und 2023 mehr als halbiert, (…) Dazu kommt eine schon ältere Entwicklung der Aufschiebung des Taufalters. Kindertaufen verlagern sich langsam ins Jugend- oder ins junge Erwachsenenalter.“

„Dass es mehrheitlich um ein späteres Taufalter geht, wird darin sichtbar, dass nur ein kleinerer Teil der erwachsenen Täuflinge aus gänzlich kirchenfernen Familien stammt. Bei der Mehrheit der Erwachsenentaufen handelt es sich um Menschen aus katholischen Familien, in denen die Kindertaufe verschoben oder die Entscheidung über eine Taufe in die Hände der erwachsen werdenden Kinder gelegt wurde.
Die grosse Mehrheit der Neugetauften im Jugend- und Erwachsenenalter in Frankreich ist weiblichen Geschlechts (knapp zwei Drittel) eine Minderheit (gut ein Drittel) männlichen Geschlechts.“

„Statistisch können wir also weder von einer Art «Erweckungsbewegung» in Frankreich sprechen –noch von einer Umkehr der typischen Geschlechterverteilung bei der Kirchlichkeit der jungen Generation.“

(CF)