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Freitodbegleitungen in der Schweiz 1998-2024

In der Schweiz bestehen mehrere Organisationen, die von Hilfesuchenden für eine Freitodbegleitung ansprechbar sind. Bekannt sind Organisationen wie EXIT (Deutschsprachige Schweiz) und EXIT A.D.M.D. (in Genf für die französische Schweiz) sowie Dignitas. Hinsichtlich weiterer Organisationen klärt sich die Situation. Der Anteil der Freitodbegleitungen an allen Verstorbenen (2024) beträgt 2,4 Prozent.

1. EXIT und Dignitas
2. Weitere Organisationen
3. Gesamtzahlen Freitodbegleitungen
4. EXIT (Basel)
5. EXIT (Genf)
6. Dignitas
7. Mitglieder
8. Kosten

In den Kantonen der Schweiz ist die ärztliche Freitodbegleitung nicht strafbar. In Deutschland wird dafür gemeinhin der Begriff „Sterbehilfe“ verwendet. Seit 1918 ist der begleitete Suizid in der Schweiz legalisiert. In Art. 115 des Schweizerischen Strafgesetzbuches heißt es dazu: „Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord. Wer aus selbstsüchtigen Beweggründen jemanden zum Selbstmorde verleitet oder ihm dazu Hilfe leistet, wird, wenn der Selbstmord ausgeführt oder versucht wurde, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.“

Drei der Organisationen – die beiden EXIT-Verbände und Dignitas – sind transparent.

1. EXIT und DIGNITAS

EXIT (Deutsche Schweiz) Vereinigung für humanes Sterben: Im Frühling 1982 gegründet, hat die Vereinigung 2024 (Jahresende) 181.647 Mitglieder in der deutschsprachigen Schweiz und im Tessin. In einer Selbstdarstellung „30 Jahre Exit“ wird ausführlich die Gründungsgeschichte dargestellt. EXIT (Deutsche Schweiz) publiziert leicht zu findende Jahresberichte.

EXIT A.D.M.D. (Romanische Schweiz): Zeitgleich, 1982, mit der Organisation in der Deutschen Schweiz gegründet, sind die Mitglieder ebenfalls nur Personen der Schweizer Wohnbevölkerung. Ende 2024 waren es 38.362 Mitglieder. Exit-Roman hat die Jahresberichte ebenfalls veröffentlicht: 2024, mit früheren Daten.

Dignitas: Im Mai 1998 auf der Forch (bei Zürich) gegründet, mit einer deutschen Sektion (seit September 2005) in Hannover. Ziel ist u. a. auch Menschen, die nicht in der Schweiz leben, eine Freitodbegleitung zu ermöglichen. Mitglieder (31.12.2024): 14.996 aus 65 Ländern. Für Dignitas sind Statistiken hier verfügbar.

2. Weitere Organisationen

Im fowid-Bericht zu den Freitodbegleitungen bis 2021 wurden noch drei weitere Organisationen ausführlicher zitiert, die hier nur kurz genannt werden sollen.

Lifecircle/Eternal Spirit wurde von der Ärztin Dr. Erika Preisig 2011 gegründet. Eine Freitodbegleitung durch Eternal SPIRIT ist nur für Mitglieder von lifecircle möglich. Die Informationspolitik ist sehr zurückhaltend. Gegen Ende 2022 gab Frau Preisig bekannt, dass sie in Pension geht: „Es werden keine neuen Patienten in der Praxis aufgenommen. Eine neue Mitgliedschaft im Verein lifecircle ist nicht mehr möglich, bestehende Mitglieder werden weiterhin betreut.“

Eine Abspaltung von Eternal Spirit ist die Organisation „Pegasos - Verein für Freitodbegleitung“, die 2019 gegründet wurde. Pegasos ist intransparent und sorgt medial für Schlagzeilen: „Sterbe-Tourismus in Basel: Behörden tappen im Dunkeln“.

Ex International wurde 1996 auf Anregung des Arztes Julius Hackethal durch den Schweizer Pastor Rolf Sigg gegründet, der zuvor EXIT mitbegründet hatte. Weitere Informationen sind – außer Mailadresse und Telefonnummern in Bern - aktuell nicht bekannt.

3. Gesamtzahlen

Die Daten zu Freitodbegleitung/Assistiertem Suizid werden jährlich publiziert. Nach den amtlichen Zahlen des Bundesamtes für Statistik für die Jahre 2003-2023 hat sich die Anzahl auch 2023 wiederum (kontinuierlich) erhöht. (s. Tabelle 1 im Anschluss des Textes.)

Nach Angaben des Schweizer Bundesamt für Statistik (Assistierter Suizid-2003-2019) steigt die Anzahl der Freitodbegleitungen seit 1999 an, aber es ist keine durchgehende Stetigkeit eines immer größeren Anstiegs der assistierten Suizide feststellbar. Die Spannweite der Veränderungen der Freitodbegleitungen gegenüber dem Vorjahr geht von minus 3,8 Prozent (2016) bis plus 52,0 Prozent (2003). Der Anteil der Freitodbegleitungen an allen Verstorbenen des Jahres steigt langsam an und beläuft sich 2024 auf 2,4 Prozent aller Verstorbenen.

Die bisher genannten Zahlen erfassen nur die Schweizer Wohnbevölkerung. Erfasst man alle veröffentlichten Zahlen von Organisationen in der Schweiz zu den Freitodbegleitungen, so zeigt sich, dass die Anzahl höher liegt: 2019 sind es 1.196 Personen, die in der Schweiz lebten, aber 1.470 Freitodbegleitungen durch EXIT und DIGNITAS. (s. Tabelle 2) Die Zahlenangaben zwischen den Organisationen und dem Bundesamt für Statistik sind dabei nicht stimmig. Eine detaillierte Abklärung der Differenzen war nicht möglich.

Das verweist auch darauf, dass die Freitodbegleitungen in der Schweiz kein „Import-Thema“ sind, da von den 2.087 Menschen, die sich 2023 für eine Freitodbegleitung in der Schweiz entschieden haben, 14 Prozent Ausländer sind. Dieser Anteil steigt nicht, sondern variiert seit 2010 um die 21 Prozent, mit einer Spannweite von 14,8 (2013) bis 27,2 Prozent (2012), mit sinkender Tendenz.

4. EXIT (Basel)

Nach dem Exit Jahresbericht 2024 sind es 1.549 Akteneröffnungen und 1.235 Freitodbegleitungen (s. Tabelle 3). Für 2024 bedeutet es, das von den Akteneröffnungen (= Anträgen) rund ein Fünftel (= 21,3 Prozent) nicht zu einer Freitodbegleitung führen.

Das Verhältnis von Männern zu Frauen besteht in der Größenordnung von ca. 40 Prozent Männern zu 60 Prozent Frauen und das Durchschnittsalter bewegt sich um 80 Jahre.

Sterbeort

Der Großteil der Freitodbegleitungen (rund 96 Prozent) durch EXIT (Deutsche Schweiz) findet in der eigenen Wohnung oder im eigenen Zimmer eines Alters- oder Pflegeheimes statt (s. Tabelle 4). Nur in den 33 Fällen, dass ein Heim seinen Bewohnern keine Freitodbegleitung gestattete, stellte EXIT sein Sterbezimmer zur Verfügung.

5. EXIT (Genf)

EXIT (Suisse romande) hat (2024) 572 Freitodbegleitungen durchgeführt. (s. Tabelle 5).

6. Dignitas

Aus 36 Ländern reisten Menschen 2024 in die Schweiz, um sich von Dignitas in den selbstbestimmten Freitod begleiten zu lassen. In einer Gesamtübersicht über 26 Jahre (1998 – 2024) sind es seit 1998 insgesamt 4.196 Menschen. (s. Tabelle 6)

7. Mitglieder

Ebenso international kommen die 14.996 Mitglieder von Dignitas (2024) aus 125 Ländern. Aus fünf Ländern (Schweiz, Deutschland, Italien, Frankreich, USA) kommen (2024) mit 9.890 zwei Drittel (66 Prozent) der Mitglieder von Dignitas. In den vergangenen fünf Jahren (von 2020 bis 2024) steigt die Zahl der Mitglieder von 10.382 auf 14.996, um rund 44 Prozent. (s. Tabelle 7)

In den vergangenen fünf Jahren (2020 bis 2024) steigt die Zahl der Mitglieder von EXIT in der deutschsprachigen Schweiz um 35 Prozent auf 181.647 Mitglieder, in der romanischen Schweiz um 24 Prozent = 38.362 Mitglieder. (s. Tabelle 8)

Im Bulletin 82 von EXIT A.D.M.D. Suisse Romande wird für 2024 aufgeschlüsselt, dass von den Mitgliedern 1.326 verstorben sind und davon 572 (= 43,1 Prozent) mithilfe von EXIT, 754 (= 56,9 Prozent) ohne Freitodbegleitung. Das verweist darauf, dass eine Mitgliedschaft bei EXIT, die Voraussetzung für eine Freitodbegleitung ist, eher eine Art ‚Rückversicherung‘ für die Situation ist, dass sich die Lebensumstände so verändern (z. B. durch Schmerzen), dass man sich für eine Freitodbegleitung entscheidet, als dass es einen Automatismus bedeutet.

8. Kosten

Die Kosten für eine Freitodbegleitung variieren stark, da bei den Mitgliedern der Schweizer Wohnbevölkerung geringere Kosten anfallen bzw. von den Angehörigen selber finanziert werden. Bei den Ausländern sind die Kosten für den Raum, Sarg, Transport, Beerdigung bzw. Kremation ebenso wie der administrative Aufwand höher.

Bei EXIT (Schweizer Wohnbevölkerung, volljährig mit Schweizer Bürgerrecht oder mit Wohnsitz in der Schweiz) zahlt man einen Mitgliedsbeitrag von 45 Franken pro Jahr bzw. einmalig 1.100 Franken für die Lebenszeit. Für Mitglieder ist die Freitodbegleitung nach drei Jahren Mitgliedschaft kostenlos, für weniger als 3 Jahre Mitgliedschaft sind es zwischen 900 bis 3.500 Franken.

Bei Dignitas (Personen mit Wohnsitz überwiegend im Ausland) sind 200 Franken Eintrittsgebühr und ein Jahresbeitrag von 80 Franken zu entrichten. Die Vorbereitung einer Freitodbegleitung (Beratung, Begutachtung, Konsiliarärzte, etc.) kosten 4.000 Franken, die Durchführung weitere 5.000 Franken.

(CF)

Tabellen

(Im Anhang befindet sich eine auslesbare Excel-Datei mit den Daten für die Grafiken und Tabellen)