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Evolution und Kreationismus

Ende September 2005 fragte die Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen (forsa) im Auftrag der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) ein national repräsentatives Sample nach ihrer Auffassung, wie das Leben auf der Welt entstanden sei. Drei Fünftel der Befragten stimmten mit der wissenschaftlichen Theorie der Evolution überein.

Frage: Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, wie das Leben auf der Erde entstanden ist und sich weiter entwickelt hat. Ich lese Ihnen nun drei Aussagen dazu vor und Sie sagen mir bitte, welcher der folgenden Aussagen Sie am ehesten zustimmen:

(1) Gott hat das Leben auf der Erde mit sämtlichen Arten direkt erschaffen, so, wie es in der Bibel steht

(2) das Leben auf der Erde wurde von einem höheren Wesen bzw. von Gott erschaffen, durchlief aber einen langwierigen Entwicklungsprozess, der von einem höheren Wesen bzw. von Gott gesteuert wurde

(3) das Leben auf der Erde ist ohne Einwirken einer höheren Macht entstanden und hat sich in einem natürlichen Entwicklungsprozess weiterentwickelt.

Die Anhänger der ersten Auffassung werden in Kurzform Kreationisten genannt, die zweite Auffassung wird als Annahme eines Intelligenten Design (I.D.) verstanden und die dritte Auffassung ist gleichbedeutend mit der Theorie einer Evolution.

Die einzelnen Merkmalsverteilungen weichen sehr deutlich von den Umfragewerten in den U.S.A. zugunsten der Evolution ab.

In Deutschland stimmen rund 13 % der Befragten der christlich-biblischen Lehre von der Entstehung der Welt und des Lebens zu. Ein Viertel (25 %) stimmt der Auffassung zu, dass ein Höheres Wesen bzw. Gott das Leben erschuf und es sich unter dessen Kontrolle langsam entwickelte. Drei Fünftel (61 %) stimmen mit der wissenschaftlichen Theorie der Evolution überein.

Die Unterschiede - hinsichtlich der Auffassung einer Evolution - zwischen den Kirchenmitgliedern (58 bzw. 53 % Zustimmung) und den Konfessionslosen (87 % Zustimmung) sind deutlich. Zwischen Protestanten und Katholiken besteht dabei kein Unterschied.

Am ausgeprägtesten ist die Ablehnung der Evolution bei den Kirchenmitgliedern, die jeden Sonntag in die Kirche gehen (10 % Zustimmung). Mit weniger häufigerem Besuch des Gottesdienstes - wobei die Häufigkeit des Gottesdienstbesuches als innere Übereinstimmung mit der christlichen Lehre angenommen wird - sinkt bei den Kirchenmitgliedern die Übereinstimmung mit dem Kreationismus von 44 % auf 10 %, wie umgekehrt die Übereinstimmung mit der Theorie der Evolution bei seltener werdendem Gottesdienstbesuch von 10 % auf 69 % ansteigt.

In einer Ost-West-Unterteilung beeinflussen die Kirchenmitglieder den Wert für die Alten Länder (56 %), während in den Neuen Bundesländer nur jeder Sechste (17 %) nicht der Evolutionstheorie zustimmt.

Hinsichtlich der formalen Schulbildung verringert sich mit höherer Schulbildung die Übereinstimmung mit dem Kreationismus - allerdings steigt parallel dazu die Zustimmung zum intelligenten Design.

In den Altersgruppen besteht für die Kreationisten kein durchgängiger ‚Trend’. Hinsichtlich des Intelligenten Designs nimmt die Übereinstimmung in den älteren Altersgruppen kontinuierlich zu und die Zustimmung zur Evolution, die bei den 14-29-Jährigen bei 71 % liegt, reduziert sich kontinuierlich auf 49 %.

Eine Differenzierung der Altersgruppen nach West und Ost verweist in ihren Tendenzen – auch wenn für sichere Feststellungen die Zahl der Befragten in den Neuen Bundesländern zu gering ist - auf bemerkenswerte Unterschiede in der Anzahl der Übereinstimmungen wie gleichzeitig eine Parallelität in den Altersgruppen, wenn auch auf unterschiedlichen Niveaus.