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Köln: „Ökumene“ in der Minorität

Die Stadt Köln folgt dem Trend der deutschen Großstädte: die beiden großen Amtskirchen – die römischen Katholiken und die EKD-Evangelischen – stellen mit ihren Mitgliedern nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung in der Stadt. In voraussichtlich sieben Jahren, also  um 2025, wird es in Köln auch keine christliche Mehrheit mehr geben. Die Einflussgrößen dafür sind seit Jahren stabil und es zeigt sich kein Trend einer Kehrtwende.

Köln ist nicht irgendeine der deutschen Großstädte. Mit dem Kölner Dom, der katholischen Großkirche die symbolisch für das katholische Deutschland steht, ist es eine Art Wahrzeichen für die Größe und die Macht der katholischen Kirche. Das Mehrheitsfundament katholischer Kirchenmitglieder ging bereits 1993 verloren, als der Katholikenanteil in der Stadt sich auf 48,9 Prozent der Bevölkerung verringert hatte. Und, genau genommen war die „ökumenische Mehrheit“ (von römischen Katholiken und EKD-Evangelischen) bereits zum 31.12.2016 zu Ende, als 540.605 Mitglieder der beiden großen Amtskirchen gezählt wurden und 541.096 „Andere“, eine Mehrheit von 491 Bürgern. Statistisch war das aber zu knapp, denn das hieß 49,977 Prozent gegenüber 50,023 Prozent, abgerundet 50,0 zu 50,0. Nun, zum 31.12.2017 ist es, nach einer Vorabinformation der Kölnischen Rundschau amtlich und deutlich: 49,3 Prozent römisch-katholische wie EKD-Evangelische Kirchenmitglieder sind die Minorität und alle „Anderen“ (Konfessionsfeie, Muslime, Freikirchen und alle die vielen anderen Religionen) sind mit 50,7 Prozent in der Mehrheit.

Der Rückgang findet – für beide Religionsgemeinschaften - kontinuierlich statt, im Jahresmittel von 1990 bis 2017 sind es 0,93 Prozentpunkte pro Jahr.

Für diesen kontinuierlichen Rückgang der Kirchenmitglieder lassen sich zwei Einflussgrößen identifizieren: die Kirchenaustritte und die Altersgliederung der Konfessionen bzw. Konfessionsfreien.

Kirchenaustritte

Für den Zeitraum 1990 bis 2017 liegt die Zahl der Kirchenaustritte für die Stadt Köln vor: es sind für beide Amtskirchen 164.169 Mitglieder, die ihre Kirche verlassen. Im gleichen Zeitraum verringert sich die Mitgliederzahl der beiden Amtskirchen zusammen um 199.049 Personen. Damit wären rund 82 Prozent der Verluste abgedeckt. Unterscheidet man jedoch zwei Phasen, dann zeigt sich für den Zeitraum von 1990 bis 2004 ein Anteil der Kirchenaustritte an dem Mitgliederrückgang von 72 Prozent (97.236 von 135.450), hingegen für den Zeitraum von 2005 bis 2017 einen Anteil von 98 Prozent (66.843 von 68.170 Kirchenmitgliedern).

Die Kirchenaustritte haben zudem seit 2006 in der Stadt Köln wieder eine steigende Tendenz, mit dem Gipfelpunkt in 2014 (Abgeltungssteuer), wobei der Anteil der Kirchenaustritte der EKD-Kirchenmitglieder mehr doppelt so hoch ist, wie ihr Anteil an den Konfessionen in der Stadt (2017 stellten die EKD-Evangelischen 15,0 Prozent der Bevölkerung aber 37,8 Prozent der Kirchenaustritte).

Die Parallelität der Veränderungen in den Kirchenaustritten verweist dabei auf Einflussgrößen, die für beide Kirchen zutreffen, wie beispielsweise die Entfremdung ihrer Mitglieder.

Altersaufbau der Mitglieder der Konfessionen

Aus der Auswertung der Daten des Zensus 2011 für die Stadt Köln, lässt sich der Anteil der Kirchenmitglieder und der „Anderen“ in den 5-Jahres-Altersgruppen erschließen.

Dabei ist auffallend, dass der Anteil der Katholiken in der Bevölkerung sich kontinuierlich verringert und sich, insgesamt gesehen, halbiert (von 61 auf 30 Prozent). Bei den EKD-Evangelischen ist diese Verringerung, auf einem geringeren Niveau, noch ausgeprägter (von 29 auf 12 Prozent).

Diese Verringerungen in den jüngeren Altersgruppen werden entsprechend auch die Anteile der Kirchenmitglieder an der Bevölkerung Kölns weiter sinken lassen.

(CF)