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Hohe Zustimmung zu humanistischem Förderwerk

Eine von der Giordano-Bruno-Stiftung in Kooperation mit „Mensa Deutschland“ durchgeführte Studie belegt, dass sich hochbegabte Menschen mit großer Mehrheit für ein humanistisch-naturalistisches Begabtenförderwerk aussprechen. Die Ergebnisse sind für die Frage der Begabtenförderung besonders aufschlussreich, denn Voraussetzung für eine Mensa-Mitgliedschaft ist ein Mindest-IQ von 130.

In der Mensa-Weltanschauungsstudie 2023 wurden 292 Personen zu Religion, Spiritualität, Wissenschaft, Humanismus und weltanschaulichen Orientierungen befragt. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ für die Bevölkerung insgesamt, da sie sich auf Hochbegabte konzentriert. Der vorliegende Beitrag greift einen Teilaspekt dieser Studie heraus: die Frage, ob es in dieser Gruppe Unterstützung für ein humanistisch-naturalistisches Begabtenförderwerk gibt. Eine umfassendere Analyse der Befragungsdaten, die an eine in Kürze zu veröffentlichende Fachpublikation zur Studie anknüpft und die weltanschaulichen Strukturen im Detail behandelt, ist für einen Folgebeitrag vorgesehen.

Anknüpfung an frühere fowid-Analyse

Bereits ein fowid-Beitrag aus dem Jahr 2020 hatte die Struktur der Begabtenförderungswerke in Deutschland dargestellt. Damals bestanden 13 Begabtenförderungswerke, die zusammen rund 29.000 Stipendiatinnen und Stipendiaten erreichten. Der Beitrag dokumentierte die Entwicklung der geförderten Personen und der Zuwendungen und ordnete die Werke nach Gruppen: Studienstiftung, parteinahe Stiftungen, Gewerkschaft/Wirtschaft und religiöse Förderwerke.

An dieser Stelle wurde bereits eine weltanschauliche Leerstelle sichtbar. Das zuständige Bundesministerium beschrieb die Begabtenförderungswerke als Ausdruck der Vielfalt gesellschaftlicher Strömungen. Der fowid-Beitrag hielt jedoch fest, dass die Konfessionsfreien als größte weltanschauliche Gruppe bislang kein entsprechendes Begabtenförderungswerk hatten.

Diese Frage ist weiterhin aktuell. Offiziell werden die Begabtenförderungswerke als 13 vom zuständigen Bundesministerium geförderte Werke beschrieben, die unterschiedliche gesellschaftliche Schwerpunkte abbilden. Darunter befinden sich vier religiös orientierte Werke: das Cusanuswerk (Katholisch), das Evangelische Studienwerk Villigst, das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (Jüdisch), sowie das Avicenna-Studienwerk (Muslimisch). Während die beiden erstgenannten christlichen Werke bereits seit den 1950ern existieren, datiert der Beginn der jüdischen und muslimischen Studienförderung erst auf die Jahre 2008 und 2013 zurück.

Die neue Befragung ergänzt diese institutionelle Bestandsaufnahme um eine empirische Perspektive. Sie fragt nicht nur abstrakt nach Humanismus, Religiosität oder Naturalismus, sondern enthält auch zwei Fragen zu einem möglichen humanistisch-naturalistischen Begabtenförderwerk.

Die praktische Relevanz dieser Thematik ergibt sich aus der Existenz des Bertha von Suttner-Studienwerks (BvS), das seit 2020 jährlich Stipendien an humanistische Studierende vergibt, finanziert durch Zuwendungen des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) und der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs). Trotz mehrfacher expliziter Anfragen und formeller Anträge wurde die Aufnahme des BvS in den Kreis der großen Förderwerke seitens des BMBF ablehnend beschieden.

Deutliche Mehrheit für ein humanistisch-naturalistisches Förderwerk

Der Aussage „Ich fände es gut, wenn es auch ein Begabtenförderwerk gäbe, das Personen mit humanistischem und naturalistischem Weltbild unterstützt“ stimmten 78 Prozent der Befragten voll oder eher zu. 14 Prozent waren unentschieden. 8 Prozent lehnten die Aussage eher oder vollständig ab. Damit wird ein entsprechendes Förderwerk in dieser Stichprobe nicht nur von einer relativen Mehrheit, sondern von einer klaren absoluten Mehrheit befürwortet.

Noch deutlicher fällt die Antwort auf die Frage nach dem institutionellen Stellenwert aus. Die Befragten wurden mit der Aussage konfrontiert, ein solches Begabtenförderwerk solle nicht den gleichen Stellenwert haben wie bestehende Begabtenförderwerke für Juden, Christen und Muslime. Diese Aussage wurde von 83 Prozent der Befragten abgelehnt. Nur 6 Prozent stimmten ihr zu, 11 Prozent waren unentschieden. Die Ablehnung dieser Schlechterstellung kann als Unterstützung für eine Gleichbehandlung gelesen werden. In der untersuchten Gruppe gibt es demnach nicht nur Zustimmung zu einem humanistisch-naturalistischen Förderwerk als solchem, sondern auch eine klare Präferenz dafür, dass ein solches Förderwerk grundsätzlich denselben Stellenwert haben sollte wie religiös gebundene Förderwerke.

Die hohe Zustimmung steht in einem breiteren weltanschaulichen Kontext. Die untersuchte Stichprobe ist mehrheitlich konfessionslos und deutlich stärker naturalistisch orientiert als die deutsche Bevölkerung insgesamt. In der Stichprobe geben zwei Drittel keine Religionszugehörigkeit an; der mittlere selbstberichtete IQ liegt bei 137,8. Zudem verfügen rund zwei Drittel über einen Master-, Diplom-, Staatsexamens- oder Magisterabschluss oder über eine Promotion beziehungsweise Habilitation.

Weitere Ergebnisse der Befragung, darunter Analysen zu Religion, Spiritualität, Wissenschaftsorientierung und humanistischen Wertorientierungen, werden in einem gesonderten Folgebeitrag behandelt.

Begabtenförderung und weltanschauliche Gleichbehandlung

Das deutsche System der Begabtenförderung kennt religiös oder weltanschaulich profilierte Träger. Christliche, jüdische und muslimische Studierende finden entsprechende Förderangebote. Für Personen mit humanistischem oder naturalistischem Weltbild existiert bislang kein Förderwerk mit vergleichbarem institutionellem Stellenwert.

Die Befragung liefert keinen repräsentativen Nachweis dafür, wie alle Hochbegabten oder alle hochgebildeten Personen in Deutschland darüber denken. Sie zeigt jedoch, dass es in einer für Begabtenförderung besonders relevanten Gruppe eine deutliche Unterstützung für ein solches Angebot gibt.

Die Daten sprechen dafür, dass ein humanistisch-naturalistisches Begabtenförderwerk demnach nicht als randständiges Spezialinteresse verstanden werden sollte. In der untersuchten Stichprobe wird ein solches Förderwerk mehrheitlich befürwortet, und seine Gleichstellung mit bestehenden religiösen Förderwerken wird klar unterstützt.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse und der früheren fowid-Analyse ist dieser Befund bemerkenswert. Wenn die Begabtenförderungswerke tatsächlich die Vielfalt der gesellschaftlichen Strömungen abbilden sollen, stellt sich die Frage, warum humanistische und naturalistische Weltanschauungen in diesem System bislang nicht in vergleichbarer Weise sichtbar sind – nicht zuletzt im Angesicht des seit Jahren, trotz eingeschränkter Bewerbung, hohen Interesses junger Menschen an den Förderangeboten des BvS.

Forschungsdesign

Die Mensa-Weltanschauungsstudie 2023 wurde als Onlinebefragung durchgeführt. Ausgewertet wurden 292 abgeschlossene Fragebögen. Die Befragung erfolgte durch die Giordano-Bruno-Stiftung in Kooperation mit Mensa in Deutschland. Die Stichprobe ist Mensa-nah, hochgebildet und kognitiv stark selektiert. Sie ist daher nicht als repräsentative Zufallsstichprobe aller Hochbegabten oder aller hochgebildeten Personen zu verstehen.

Die beiden hier ausgewerteten Fragen zum humanistisch-naturalistischen Begabtenförderwerk wurden von 290 Personen gültig beantwortet. Für die grafische Darstellung wurden die Antwortkategorien zu Zustimmung, Unentschiedenheit und Ablehnung zusammengefasst. Bei der zweiten Frage wurde die negative Formulierung umgepolt: Dargestellt wird die Ablehnung der Aussage, ein solches Förderwerk solle nicht den gleichen Stellenwert haben wie bestehende Begabtenförderwerke für Juden, Christen und Muslime.

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Eine ausführlichere methodische und statistische Darstellung der Studie findet sich nach Publikation in: Wolfram, T. / Plinke, P. / Schmidt-Salomon, M. / Baudson, T. G. (In Vorbereitung): Worldview Differentiation in a High-IQ Association Sample: Religion, Spirituality, Science, and Humanism among German Mensa-Linked Adults.

(TW)