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Frauenorden in Deutschland

Die Anzahl der Mitglieder in Frauenorden in Deutschland hat sich von 1990 bis 2011 um mehr als Hälfte verringert. Diese Entwicklung wird sich noch weiter verstärken, da die Zahl der Novizinnen nur geringfügig ist und die Überalterung der Ordensschwestern steigt. 2015 waren von den 16.688 Nonnen 84 Prozent älter als 65 Jahre.

In Deutschland bestanden zum Jahresende 2015 insgesamt 1.399 klösterliche Niederlassungen mit 16.688 Ordensfrauen. Das sind im Mittel 12 Ordensschwestern pro Niederlassung, die Mindestzahl für eine Niederlassung sind drei Nonnen. 2007 gab es noch 1.724 Niederlassungen mit 23.192 Nonnen, im Mittel mit 14 Ordensschwestern. Bereits diese rückläufigen Zahlen verweisen darauf, wie stark sich die Zahl der Ordensschwestern in Deutschland verringert hat. Von 1990 (44.209 Nonnen) hat sie sich bis 2011 (20.200 Nonnen) um mehr als die Hälfte reduziert und ist bis Ende 2015 auf 16.688 gesunken. Im Mittel sterben jeden Tag drei Ordensschwestern, aber nur jeden fünften Tag kommt eine Novizin hinzu.

Es ist ein Sterbeüberschuss von im Mittel rund 1.000 Nonnen pro Jahr, so dass absehbar ist, wann sich die Frage stellt, ob es überhaupt noch Ordensschwestern in Deutschland gibt.

Was das im Einzelnen für Folgewirkungen hat, wie viele Einrichtungen, die bisher in der Trägerschaft von Nonnenorden waren (z. B. Krankenhäuser) in Stiftungen oder an andere Träger weitergegeben wurden, ist nicht bekannt. Allerdings ist der Verkauf eines ehemaligen Klosters nicht einfach.

Diese Entwicklung hat – betrachtet man die heutige Überalterung der Orden -, bereits in den 1950/1960er Jahren eingesetzt, mit der Tendenz, dass der Anteil der über-65-Jährigen weiter ansteigt. Waren 2007 noch 81 Prozent der Nonnen älter als 65 Jahre, so sind es Ende 2015 bereits 86 Prozent. Durch den geringen Zugang von Novizinnen wird sich diese Entwicklung noch weiter verstärken.

Als Hypothese kann man formulieren, dass diese Entwicklung der Ausdruck eines sich stark veränderten Frauenbildes in der Nachkriegszeit war, in der die Frauen andere Perspektiven entwickelten, als sich als ‚Braut Jesu‘, zolibatär lebend, mit einem „Profess“ ein Leben lang für eine dienende Tätigkeit zu entscheiden. Die sich verringernde Bindungskraft des katholischen Milieus ab den 1955er Jahren dürfte das verstärkt haben, da die Einbettung der persönlichen Entscheidung einer jungen Frau, in einen Orden einzutreten, weniger Förderung durch die Familie oder gesellschaftliche Umgebung erlebte. Das wird eine weitere Recherche klären müssen.

Dazu dürfte dann noch kommen, dass bei einer stetigen Verringerung und Überalterung der Frauenorden, die Möglichkeit, einer Nonne bei ihrer Arbeit im öffentlichen Raum zu begegnen und durch Gespräche mit ihr angesprochen zu werden, sie als Vorbild zu erleben, immer geringer geworden sind.

Als Erzieherin sind 2011 noch 300 Nonnen tätig (= 1,5 Prozent), als Lehrerinnen 285 (= 1,4 Prozent) und als Krankenschwestern 1.370 (6,3 Prozent).


Nonnen aus Indien

Wie viele ausländische Nonnen - weitestgehend aus Indien - in Deutschland arbeiten, um den Rückgang der Nonnen in Deutschland auszugleichen, ist nicht bekannt.

Aber es sind, als Beispiele in den Senioren- und Pflegheimen der Caritas Nürnberg mehr als 60 indische Ordensschwestern, die dort arbeiten. 55 indische Nonnen arbeiten in den Diözesen Aachen, Rottenburg-Stuttgart, Köln und Osnabrück. 21 Nonnen aus Indien sind es im Krankenhaus St. Franziskus in Mönchengladbach. Die ersten kamen vor dreißig Jahren, vor allem aus Kerala in Süd-Indien. Rund 110 Ordensschwestern verschiedener indischer Kongregationen waren es 2010 im Bistum Trier. Sieben Ordensschwestern versehen ihren Dienst im Christlichen Klinikum Melle und sind teilweise bereits seit 15 Jahren in Deutschland tätig.

(CF)