Sie sind hier

Internet statt Bibeln in Hotelzimmern

Mehrere US-Medien berichten über die Umfrage eines Hotel-Fachdienstes, die zu dem Ergebnis kommt, dass der Internetzugang im Hotelzimmer die diskret im Nachttisch liegende Gideon-Bibel abgelöst hat. Das wird als „Gideon-WiFi“ tituliert oder: „Das Internet ist die neue Religion.“ Gründe dafür gibt es mehrere.

Auch die Los Angeles Times berichtet über diesen Trend, der besagt, dass in vergangenen Jahren (seit 2006) die Ausstattung der US-Hotelzimmer mit einem Internetanschluss von 86 auf so gut wie 100 Prozent gestiegen seien, die Präsenz von Bibeln in den US-Hotelzimmern sich dagegen von 95 Prozent auf 46 Prozent verringert habe.

Maßstäbe dafür setze auch die größte Hotelkette der Welt, Marriott International (von einem Mormonen gegründet), die ihre Zimmer bisher sowohl mit einer Bibel und dem Buch Mormon ausgestattet hatten. Wenn aber das ‚ultra-hippe‘ Moxy Hotel demnächst in San Diego eröffnet wird, gibt es dort keine religiösen Schriften mehr auf den Zimmern.

Als Ursache dafür werden mehrere Gründe genannt. Zum einen, so das Hotelmanagement, passen religiöse Bücher nicht mehr zur Persönlichkeit der jüngeren Kundschaft. Zweitens nehme der internationale Tourismus zu und man wolle Muslime und Buddhisten und alle anderen Nicht-christlich-Gläubigen nicht beleidigen. Und drittens würden die Hotelzimmer immer mehr mit offenen Regalen und Ablagen ausgestattet, auf denen die Bibeln sehr offensichtlich seien und nicht so diskret verborgen wie in der Schublade eines Nachttisches seitlich am Bett.

Zum anderen seien die Hotels auch von der „Freedom From Religion Foundation“ (FFRF) unter Druck gesetzt worden, die 2015 an 15 große Hotelgruppen geschrieben und sie aufgefordert hatten, die Bibeln aus den Hotelzimmern zu entfernen. Die FFRF hatte es 2015 erfolgreich durchgesetzt, dass die Hotels, die von der Arizona State University und der Northern Illinois Universität betrieben werden, alle Bibeln aus ihren Zimmern entfernten. Die Stiftung hatte Aufkleber angefertigt, auf denen stand: „Der wortgetreue Glaube der Texte dieses Buches kann ihr Leben und ihre Gesundheit gefährden“ und Unterstützer aufgefordert, alle Bibeln in Hotelzimmern damit zu bekleben.

Die Bibeln als Standardausstattung in US-Hotelzimmern hatten im späten 19. Jahrhundert begonnen, als drei Geschäftsleute den Gideon-Bund gründeten, um kostenlos Bibeln im ganzen Land zu verteilen. Der Gideon-Bund hat mittlerweile 270.000 Mitglieder in 200 Ländern und im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen US-Dollar ausgegeben, um Bibeln in Hotels, Gefängnissen und Krankenhäusern zu verteilen.