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Die katholischen Hilfswerke

Katholische Hilfswerke

Als Hilfswerk wird in der eigentlichen Wortbedeutung eine Arbeit bezeichnet, bei der in irgendeiner Form Hilfe für Menschen geleistet wird. Dabei wird ein weites Spektrum berücksichtigt, von der Wohlfahrtspflege bis zur Humanitären Hilfe bei Katastrophen. Für die katholische Kirche sind große und mehrere kleine Hilfswerke aktiv, die teilsweise untereinander vernetzt sind.

Die Hilfswerke

Die Katholische Kirche hat sieben große Hilfswerke, die durch

  • Spenden (einschließlich Mitgliedsbeiträge und Erbschaften)
  • Kollekten (einschließlich Sonderkollekten)
  • Kirchliche Haushaltsmittel (Mittel vom Verband der Diözesen Deutschlands VDD, und einzelnen Diözesen)
  • Öffentliche Mittel (BMZ, Auswärtiges Amt, Europäische Union, usw.)
  • Sonstige Einnahmen (Zinsen, Zuführungen aus Rücklagen, Zuführungen aus Stiftungen)
    finanziert werden.

Die Hilfswerke Misereor, Adveniat, Renovabis, Missio, Caritas international und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, kurz MARMICK, arbeiten sehr eng zusammen und richten ihre Aktivitäten zum Teil gemeinsam aus. Für den Religionsunterricht wurde z. B. eine Arbeitsmappe „Weltkirche ­– Sechs Hilfswerke für die Eine Welt“ entworfen und richtet sich an Schüler der siebten bis zehnten Klasse. Sie informiert über das Engagement der katholischen Hilfswerke in den Bereichen Bildung, Armutsbekämpfung, Entwicklungszusammenarbeit, Not - und Katastrophenhilfe, Menschenrechte, interreligiöser Dialog und Pastorales.

Das Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR e. V. ist eines der größten Hilfswerke der römisch-katholischen Kirche in Deutschland und wurde 1958 gegründet. Seinen Sitz hat es in Aachen.

Misereor unterstützte bisher etwa 100.000 Projekte nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe in Asien, Afrika, Ozeanien und Lateinamerika. Vor allem soll den ärmsten Menschen damit geholfen werden, unabhängig welchem Glauben oder welcher Kultur die Menschen angehören. Mit der jährlichen Fastenzeit-Aktion soll den katholischen Gemeindemitgliedern die Lebenslage der unter Armut und Ungerechtigkeit Leidenden nahe gebracht werden.

Die Projekte befassen sich mit wichtigen Themen wie z. B. Trinkwasser für alle, Menschenrechte, AIDS- Bekämpfung und Armut. Gefördert werden vor allem die ländliche Entwicklung, das Gesundheitswesen, Frauen, die Berufs- und Erwachsenenbildung, das Kleingewerbe, Wohnbauprojekte und Sozialarbeit.

Dabei arbeitet MISEREOR mit ortsansässigen Partnerorganisationen, die aus den Ortskirchen, Selbsthilfeinitiativen, Kooperativen, Menschenrechtsgruppen und anderen nichtstaatlichen Organisationen kommen. Die Einnahmen von MISEREOR im Jahr 2015 betrugen 191,3 Mio Euro, davon 122,3 Mio Euro öffentliche Mittel (Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e. V.), 59 Mio Euro Spenden und Kollekten sowie 7,7 Mio Euro vom Verband der Diözesen Deutschlands (VDD). Davon wurden 93,80 Prozent für Projektarbeit und 6,2 Prozent für Verwaltung /Werbung aus.

Die Bischöfliche Aktion Adveniat (von lat. Adveniat regnum tuum „Dein Reich komme“) ist das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Zum Weihnachtsfest 1961 wurde erstmals eine Kollekte „für die seelsorglichen Bedürfnisse in Lateinamerika“ gesammelt. Daraufhin folgten viele Hilfegesuche aus Lateinamerika und da die Spendenbereitschaft relativ groß war, wurde in den kommenden Jahren erneut um eine Weihnachtskollekte gebeten. Im Jahr 1969 beschlossen die deutschen Bischöfe, dies zu einer jährlichen Aktion für Lateinamerika zu machen, zur Bischöflichen Aktion Adveniat.

Mit jährlich rund 3.000 Projekten in einem Gesamtvolumen von 49 Millionen Euro ist es die europaweit größte Hilfsaktion für Lateinamerika und die Karibik. Die Initiative kommt von Priestern oder Ordensleuten vor Ort, die mit den Bewohnern der Elendsviertel, den Straßenkindern, den Opfern von Naturkatastrophen und Epidemien leben und arbeiten. 2014/15 floss der weitaus größte Teil der Ausgaben in Projekte in Brasilien (17,36 Prozent der bewilligten Mittel), nach Kolumbien (11,38 Prozent), Argentinien (8,42 Prozent), Peru (11,16 Prozent), Haiti (5,95 Prozent) und Mexiko (5,12 Prozent).

Als „Sternsinger“ (inzwischen 300.000 Mädchen und Jungen) ziehen meist Gruppen in historischen Gewändern in der Zeit von Weihnachten bis zum 6. Januar durch die Gemeinden, bringen an den Türen von Häusern und Wohnungen den Sternsingersegen an und sammeln Geld für wohltätige Zwecke.

Bereits im 16. Jahrhundert ist dieser Brauch nachweisbar und wird auch als Dreikönigssingen bezeichnet. Die Klosterschulen verloren nach der Reformation meist ihr Einkommen, so nutzten die Klosterschüler die Gelegenheit, mittels Sternsingen Spenden zu sammeln. In Mitteleuropa ist das Sternsingen ein traditioneller katholischer Brauch. Nach 1560 verbreitete sich das Sternsingen und war gleichzeitig mit dem Ansingen beim Fest der Heiligen Drei Könige verbunden. In anderen Gegenden gingen arme Kinder und Jugendliche selbst von Haus zu Haus und sammelten Lebensmittel und Geld für sich und ihre Familien.

Das Hilfswerk "Kindermission" hinter der Aktion trägt dafür Sorge, dass die Spenden hilfsbedürftigen Kindern in der Welt zugute kommen. Die Spendeneinnahmen des Kindermissionswerks Die Sternsinger lagen 2015 bei 72,2 Millionen Euro, insgesamt wurden 64,2 Millionen Euro für die Förderung von 2.106 Projekten in 111 Ländern aufgewendet, der Anteil der Werbe- und Verwaltungsaufgaben betrug 7,3 Prozent.

Caritas Internationalis ist eine Vereinigung der 165 nationalen Caritasverbände. In mehr als 200 Ländern sind diese Organisationen in Sachen Nothilfe, Entwicklungshilfe und den Sozialdiensten tätig. Caritas Internationalis hat seinen Sitz in der Vatikanstadt und ist Bestandteil der katholischen Kirche.

Das Caritas-Netzwerk besteht weltweit aus sieben Regionen: Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika/ Karibik, Naher Osten/Nordafrika, Nordamerika und Ozeanien.

1951 wurde die Konföderation in ihrer jetzt bestehenden strukturellen Form mit bereits 13 Mitgliedsorganisationen eingerichtet. 1957 erhielt sie den Namen Caritas Internationalis. Die Ausgaben von Caritas Internationalis betrugen im Jahr 2015 insgesamt 4.211.039 Euro.

Der Deutsche Caritasverband ist Dachverband der organisierten Caritas (lat. Nächstenliebe) und Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche in Deutschland. Er ist der Spitzenverband von über 900 einzelnen Organisationseinheiten, die meist auch selbstständige Vereine sind.

Als Zusammenschluss von über 8.000 rechtlich eigenständigen Trägern mit rund 590.000 Mitarbeitern gilt der Deutsche Caritasverband als der größte privatrechtliche Arbeitgeber Deutschlands. Durch die zahlreichen Verflechtungen sind hier die Ausgaben, was wofür verwendet wird nicht so eindeutig. Neben den Hauptamtlichen Mitarbeitern engagieren sich rund 500.000 ehrenamtliche Helfer in den Einrichtungen der Caritas.

Im November 1897 hatte der Theologe Lorenz Werthmann in Köln zur Gründung des Caritasverbandes aufgerufen, um die drohende Zersplitterung der katholischen sozialen Hilfsangebote verhindern. Der Verband engagierte sich auf vielen Gebieten sozialer Not: Saisonarbeiter, Seeleute, Alkoholiker, körperlich und geistig behinderte Menschen. Er engagierte sich für Kindergärten, Fürsorgeerziehung, Mädchenschutz, Krankenpflege und Frauenfragen.

Heute sind soziale Dienste vor allem im Seniorenbereich und der Krankenpflege wichtig. Die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter lassen die Tätigkeiten auch auf dem hart umstrittenen Sozialanbietermarkt bestehen. Ebenso die Verbindungen in die politischen Gemeinden und Seelsorgeeinheiten hinein.

Als Ziele werden im Leitbild des Deutsche Caritasverbandes (1997) der Schutz der Menschenwürde, und die Solidarität über Grenzen hinweg genannt. Als Anwalt und Partner Benachteiligter will er Menschen in Not helfen und Sozial- und Gesellschaftspolitik mitgestalten. Dabei steht das christliche Grundverständnis im Vordergrund und unterscheidet ihn so von einem staatlichen oder einem privatwirtschaftlichen Arbeitgeber. Dies betrifft sowohl den wirtschaftlichen Bereich, als auch den arbeitsrechtlichen, bzgl. der Anforderungen an Gewissensentscheidungen der Mitarbeiter.

missio (lat. „Sendung“, „Auftrag“) ist die Kurzbezeichnung der Päpstlichen Missionswerke in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiterer Länder.

Bereits im Jahr 1819 wurde der Lyoner Missionsverein gegründet, der die Idee einer Weltmission verwirklichen sollte. Dreizehn Jahre später gründete der Arzt Heinrich Hahn den „Franziskus-Xaverius-Verein zur Unterstützung der katholischen Missionen“. In München entstand in dieser Zeit der „Ludwigs-Missionsverein“, ein ähnlicher, von König Ludwig I. unterstützter Verein zur Sammlung von Spenden.

missio ist seit 1972 Nachfolger des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung in Deutschland. Dieser Zweig wurde unter Papst Pius XI. 1922 errichtet. Träger des Missionswerkes war bis 1972 der Franziskus-Xaverius-Verein (FXV) in Aachen, der seit 1922 den Namen „Päpstliches Werk der Glaubensverbreitung“ (PWG) führte.

Heute haben missio Aachen und München nach eigenen Angaben zusammen rund eine halbe Million Mitglieder, die durch eigene Beiträge und Spendensammlungen die Arbeit unterstützen. Eigene Kampagnen werden auch öffentlich bekannt gemacht, um für notleidende Menschen in Afrika, Asien und Ozeanien zu sammeln. (z. B. die „Aktion Schutzengel – Für Familien in Not. Weltweit.“, für die Flüchtlingsfamilien im Kongo, die Kampagne zum Afrikatag kommt der Aus- und Weiterbildung kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugute, die sich in Afrika für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, am Weltmissionstag wird jährlich eine zentrale Jahreskampagne gestartet, die das Leben der Kirchen in den „Ländern des Südens“ thematisiert und deren Einsatz im Kampf für Menschenrechte, Nächstenliebe und den Friedenseinsatz vorgestellt.) Afrikatag, missio-Website

Im Jahr 2015 hatte missio Gesamteinnahmen von 55.386.057 Euro. Mit 27.389.417 Euro stellen die Geldspenden einen Anteil von 49,46 Prozent an den Gesamteinnahmen dar. 15,6 Mio Euro kommen aus Kirchensteuermitteln, ca. 5 Mio Euro aus Kollekten und 1,5 Mio Euro aus Fördermitgliedsbeiträgen. Die Ausgaben für Werbung und Verwaltung betrugen 4,9 Mio. Euro, damit wurden 91,1 Prozent der Einnahmen für die Förderung satzungsgemäßer Zwecke eingesetzt.

RENOVABIS wurde im März 1993 von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ins Leben gerufen zur Stärkung von Kirchen und Gesellschaften in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Das Hilfswerk sollte den „gesellschaftlichen und religiösen Neuanfang in den Staaten des ehemaligen Ostblocks nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme“ unterstützen. Renovabis unterstützt pastorale, soziale und gesellschaftliche Projekte in den ehemals sozialistischen Ländern. Der Sitz von RENOVABIS ist die ehemalige Fürstbischöfliche Residenz in Freising. Der Name bezieht sich auf den Psalm 104: renovabis faciem terrae - Du wirst das Antlitz der Erde erneuern.

Seit 1993 half RENOVABIS den Menschen in 29 Staaten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa bei der Verwirklichung von rund 21.550 Projekten mit einem Gesamtvolumen von gut 661 Millionen Euro. Der Jahresetat von RENOVABIS für Projekte betrug im Jahr 2015 29,8 Millionen Euro, die Anzahl der geförderten Projekte lag im gleichen Jahr bei 788. Der Etat speist sich aus Kirchensteuermitteln, aus der – für die Anliegen von Renovabis bestimmten – Pfingstkollekte, aus Spenden, Nachlässen und Erbschaften sowie aus öffentlichen Mitteln. Die Mittel fließen in kirchlich-pastorale, sozial-karitative sowie in Bildungs- und Medienprojekte. Sie werden für den Bau von Kirchen und Gemeindezentren eingesetzt, es werden Familien-, Frauen- und Jugendzentren ausgestattet, Heime für Waisen- und Straßenkinder unterhalten und Priester, Ordensleute und Seelsorger ausgebildet. Auch kirchliche Schulprogramme, Lehrerfortbildung, Studienbeihilfen und journalistische Nachwuchsförderung zählt zu den Förderprojekten. Der Grundsatz Hilfe zur Selbsthilfe steht dabei immer im Mittelpunkt. Bedingung für die Vergabe von Mitteln ist, dass sich die Träger aktiv am Projekt beteiligen müssen. Die Förderung wird auch davon abhängig gemacht, ob es nach der Anfangsförderung ohne weitere Hilfe auskommt. Eigenverantwortung und Qualifikation des Trägers sind Voraussetzungen für das Engagement von RENOVABIS. Die Förderung von Dialog und Festigung der Beziehungen zwischen Ost und West wird zwischen Pfarrgemeinden und anderen weltkirchlichen Ost-West-Partnerschaftsinitiativen angeregt und begleitet.

Das Bonifatiuswerk wurde 1849 unter dem Namen Bonifatius-Verein in Regensburg gegründet. Es werden katholische Gemeinden unterstützt, die in Gebieten der Diaspora als absolute Minderheit (unter 5 Prozent) leben. Mit den Projektmitteln werden Schulen und Gemeindezentren vorwiegend in Nord- und Ostdeutschland, sowie seit 1974 in Skandinavien und seit 1995 in Estland und Lettland unterstützt. Das Bonifatiuswerk versteht sich im Sinne seiner Gründer als „Missionswerk” und nennt sich daher explizit „Hilfswerk für den Glauben”. Als Ziele werden die Weitergabe des Glaubens an die nächsten Generationen sowie die Gestaltung des missionarischen Auftrags mit caritativen und sozialen Projekten gesehen.

2015 hat das Werk 4,9 Mio Euro Kollekte am Diaspora-Sonntag, sowie bei Erstkommunion und Firmung gesammelt, weitere 4,9 Mio Euro aus kirchlichem Haushalt, sowie vermögenswirksamen Einnahmen erhalten, 4,6 Mio Euro aus dem Diaspora-Kommissariat bekommen, 6,4 Mio Euro aus Schenkungen und Vermächtnissen, 3,1 Mio Euro Spenden und 199.000 Euro Beiträge auf der Habenseite zu verbuchen. Insgesamt sind dies Einnahmen von reichlich 24 Mio Euro. Mit einem Gesamtvolumen von 15,7 Mio Euro wurden von den 891 Projekten 811 in Deutschland verwirklicht.

Das Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe/Diasporahilfe der Priester ist ein eigenständiges Hilfswerk, welches im Bonifatiuswerk angesiedelt ist. Es hat die Aufgabe, Priester und Diakone im Bereich der Nordischen Bischofskonferenz, sowie in Mittel- und Osteuropa zu unterstützen. 2015 konnte das Diaspora-Kommissariat 5,4 Mio Euro an Fördermitteln weitergeben, davon 4,6 Mio Euro an das Bonifatiuswerk und das Hilfswerk RENOVABIS. Das Bonifatiuswerk, wie auch Adveniat und missio, bekommen keine Zuwendungen aus der Katholischen Zentralstelle für Entwicklung.

Seit 1926 helfen deutsche Priester mit einem Prozent ihres Gehaltes den Priestern in der Diaspora. Bis 1994 ging der Großteil der Hilfe in die DDR. Seit 1995 erhalten die Seelsorger in Nordeuropa eine Gehalts-, Motorisierungs- und Wohnungsunterstützung. Jährlich findet eine thematische Diaspora-Aktion statt und 2002 entstand ein Projekt, welches den heiligen Nikolaus wieder in den Vordergrund rücken möchte ("Achtung, weihnachtsmannfreie Zone" ). Mit Bussen, die das Bonifatiuswerk sponsert, werden Menschen zu weit entfernten Kirchen oder Gemeindzentren gefahren. Seit 2013 gibt es eine Neuausrichtung in Form einer Glaubenshilfe. Damit möchte das Hilfswerk auf die veränderten Bedingungen reagieren und dafür sorgen, dass der Christliche Glaube überall Zukunft hat. Das Bonifatiuswerkes fördert Projekte durch Bau-, Verkehrs-, Kinder- und Glaubenshilfe.

Das Maximilian-Kolbe-Werk ist eine humanitäre Hilfsorganisation für Überlebende der KZs und Ghettos der NS-Zeit. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter leisten nicht nur humanitäre Hilfe für die Überlebenden des Holocaust, sondern organisieren Begegnungen der letzten noch lebenden Insassen von Ghettos und Konzentrationslagern mit Menschen in Deutschland. Vor allem Schüler sollen von Zeitzeugen hören und lernen. Das MKW läd Gruppen von KZ-Überlebenden ein, um in Schulen jungen Menschen wider das Vergessen von ihrem Leben und den Erlebnissen in den KZs zu berichten. Seit 2001 gibt es die Hilfs- und Begegnungsprojekte in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Damit unterstützt das MKW jährlich etwa Tausend ehemalige Häftlinge.

Als das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und 13 weitere katholische Verbände 1973 das Werk gründeten, wählten sie ganz bewusst den Ordensmann Maximilian Kolbe (1894-1941) zum Namenspatron, da er über 2.000 Juden und Flüchtlingen Zuflucht gewährte und dann selbst im KZ Auschwitz umkam. Das Maximilian-Kolbe-Werk unterstützt ehemalige Häftlinge national-sozialistischer Konzentrationslager und Ghettos in Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas sowie deren Angehörige. Es will zur Verständigung und Versöhnung zwischen Deutschland und Polen sowie anderen Ländern Mittel- und Osteuropas beitragen.

Im Jahr 2015 wurden über 5.600 Menschen in Polen, Ungarn, der Ukraine und Weißrussland direkt mit Mitteln des Hilfswerkes unterstützt. Über 58 Prozent der Einnahmen kommen aus Geld- und Sachspenden. Ca. 35 Prozent sind Kollekten, Zuschüsse und Erbschaften/Vermächtnisse. Die Gesamteinnahmen belaufen sich auf ca. 1,5 Mio Euro, davon werden fast 1,3 Mio für Projekte ausgegeben.

Hilfswerke nicht im eigentlichen Sinne, jedoch mit ähnlichen Intentionen und im Sinne von Hilfs-Dienstleistungen und Verflechtungen mit den anderen Hilfswerken sind die beiden folgenden Organisationen:

Die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V. (AGEH) wurde 1959 gegründet und ist der Personaldienst der deutschen Katholiken für Internationale Zusammenarbeit und staatlich anerkannter Entwicklungsdienst. Die AGEH versteht sich als Bindeglied zwischen Hilfsorganisationen und Fachkräften. Die einen benötigen kompetente Unterstützung für ihre Projekte und Programme und die anderen sind gut ausgebildete Fachkräften, die ihre sozialen und kulturellen Kompetenzen einbringen möchten. Die Förderung der personellen Zusammenarbeit, in der der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht ist dabei Hauptanliegen. Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit finden hier die passenden Fachkräfte für langfristige oder kurzfristige Maßnahmen. Die Arbeitsgemeinschaft gewährt Beratung und Unterstützung bei der Personalsuche bis hin zur sozialen Absicherung während des Auslandsaufenthaltes. Organisationen können sich zudem über Drittmittelgenerierung und treuhänderischer Verwaltung bereitgestellter Finanzmittel kundig machen.

Auftraggeber sind vor allem die Hilfswerke Misereor (Programm Dialog und lebendige Partnerschaft (DLP)), Caritas international, Comundo (Schweiz), AGEH-Zentraler Friedensdienst (BMZ) und die Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW).

Gesetzliche Grundlage ist auch im DLP das Entwicklungshelfer-Gesetz. Für den Zugang zum DLP-Programm gelten folgende Kriterien: Das Personalvorhaben erfüllt die Zuwendungsbestimmungen des BMZ. Es entspricht den weltkirchlichen und entwicklungspolitischen Grundsätzen der katholischen Kirche und dauert zwischen drei und max. sechs Jahre. Es ersetzt nicht einheimische Fachkräfte oder tritt in Konkurrenz zum einheimischen Arbeitsmarkt und wirkt nicht den laufenden Projekte und Kooperationen von Misereor und AGEH entgegen.

Die Einrichtung des Katholischen Fonds wurde Ende 1997 von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossen und begann mit seiner Arbeit am 1.1.1998.

Auf Wunsch engagierte Gruppen in Pfarrgemeinden und Verbänden, sie bei ihrem Engagement für eine gerechtere Welt stärker zu unterstützen, wurde ein Hilfsfonds eingerichtet. Es sollten außerdem Gruppen gefördert werden, die die Kirche als weltweite Lern- und Solidargemeinschaft erfahren lassen.

Der Katholische Fonds unterstützt weltkirchliche und entwicklungsbezogene Gruppen und Initiativen bei ihrer Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland. Ziel ist es, dies zu intensivieren und auszuweiten.

Kirchliche und christliche Gruppen, sowie Gruppen, die sich den Zielen und Inhalten weltkirchlicher und entwicklungsbezogener Arbeit verbunden wissen, werden vom Katholischen Fonds in ihrer Arbeit unterstützt. Gefördert werden u. a.:

  • Bildungs- und öffentlichkeitswirksame Projekte zu weltkirchlichen und entwicklungsbezogenen Themen in Deutschland
  • Partnerbegegnungen und pastorale Initiativen zur Zusammenarbeit mit den Ortskirchen des Südens sowie Mittel- und Osteuropas
  • Vernetzung lokaler Aktivitäten von weltkirchlich und entwicklungspolitisch aktiven Gruppen
  • Programme zum Austausch exemplarischer Erfahrungen sowie entsprechende Beratungsangebote und Schulungen
  • Multiplikator/innenschulungen

Der Katholische Fonds wird von folgenden kirchlichen Werken getragen:

  • Adveniat
  • Caritas international
  • Misereor
  • missio in Aachen und München
  • Renovabis

Diese Hilfswerke stellen aus den Kirchensteuermitteln, die ihnen von der Deutschen Bischofskonferenz für weltkirchliche Aufgaben anvertraut werden, gemeinsam jährlich 500.000 Euro zur Verfügung.

Weltweites Engagement - Projektförderung nach Kontinenten

2015 förderten die katholischen Hilfswerke Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa mit insgesamt rund 451,05 Millionen Euro. (Die Zahlen der Hilfswerke stammen aus dem Jahresbericht Weltkirche 2015, der von der Konferenz Weltkirche herausgegeben wird, die Zahlen der Orden aus dem Finanzbericht 2015 der Arbeitsgemeinschaft der Missionsprokuren.)

Auslandsseelsorge und weltkirchliches Engagement der Hilfswerke und katholischen Orden:

Projektförderung Grafik
(1) Hilfen in Nordeuropa, Estland und Lettland.
Beinhaltet Hilfen des Diaspora-Kommissariats der deutschen Bischöfe.
Internationale (länderübergreifende) Projekte
Projektförderung Grafik3
Tabellen Projekte Kontinente

Staat und Kirche

Zwischen der Bundesregierung und den großen christlichen Kirchen besteht eine enge entwicklungspolitische Zusammenarbeit. Grundgedanke der Zusammenarbeit sind die als gemeinsame Aufgaben angesehene Armutsbekämpfung und Entwicklungspolitik, bei der alle gesellschaftlichen Kräfte mobilisiert werden sollten.

Die Bundesregierung fördert deshalb die Entwicklungsarbeit der Kirchen mit jährlichen Zuschüssen. Seit 1962 sind dies über sechs Milliarden Euro.

Bereits Anfang der 1960iger Jahre begann die staatlich-kirchlichen Zusammenarbeit in Sachen Entwicklungshilfe. Damals wurden nur wenige Länder, zu denen es bereits Missionsbeziehungen gab, mit Einzelprojekten gefördert (Krankenhäuser in Tansania oder Gewerbeschulen in Indien).

Der damaligen Bundesregierung kam es einerseits recht, dass sie für ihre Entwicklungspolitik auf kirchliche Mitarbeit rechnen konnte. Die 13.000 deutschen Missionare, die die beiden großen Kirchen im Einsatz haben, sind die besten Entwicklungshelfer. Sie kennen Land, Leute, Mentalität und Sprache. Sie sind oft seit Jahrzehnten in den Ländern tätig und kennen die Bedürfnisse der Menschen in den Entwicklungsländern. Andererseit war es auch für die Kirchen ein Gewinn, zusätzlich finanzielle Mittel vom Staat für ihre Arbeit in den Ländern zu bekommen. Um nicht jeden Hilfe-Antrag einzeln bearbeiten zu müssen, entstand der Gedanke einer Zentralstelle. Einzige Bedingung sollte damals sein, dass die Kirche für all ihre verschiedenartigen Anträge, eine einzige Stelle erhalten würde, die diese Anträge beurteilt und bearbeitet. (Es sind dann wegen Uneinigkeit 2 entstanden- eine katholische und eine evangelische). Die treibenden Kräfte für eine Zentralstelle waren Bischof Hermann Kunst und Erzbischof Joseph Kardinal Frings.

Nach Vorarbeiten des Katholischen Büros kündigte Kardinal Frings im April 1961 die Errichtung einer ‚Zentralstelle für Entwicklungshilfe’ an. Prälat Wilhelm Wissing wird Vorsitzender der katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe. Die Mittel der Bundesregierung und anderer öffentlicher Geldgeber kommen über die Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e. V. (KZE) direkt den einzelnen Projekten zu gute. Die KZE ist seit 1962 Zuwendungsempfänger und Ansprechpartner des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der Bundeshaushaltsplan legt die Mittel jeweils zu gleichen Teilen für die beiden Zentralstellen der Kirchen (katholische und evangelische) fest. Die Regierung hat den Kirchen dabei ein großes Maß an Unabhängigkeit zuerkannt. Die kirchlichen Zentralstellen können die ihnen anvertrauten Staatsgelder eigenverantwortlich für Entwicklungsarbeit einsetzen (Globalbudget).

„Gefördert werden sollen kirchliche Projekte, die benachteiligte Gruppen der Bevölkerung im sozio-ökonomischen Bereich unterstützen, Voraussetzungen für Selbsthilfemaßnahmen schaffen, Lebensbedingungen verbessern, einheimische, gemeinnützige Trägerstrukturen und Organisationen unterstützen, entwicklungswichtige Programme planen, durchführen und unterstützen. In aller Regel wir der erkennbare Bezug der geförderten lokalen nichtstaatlichen Träger zu den christlichen Kirchen bzw. christlichem Gedankengut gefordert.”(1)

Grundregeln:

  • Der Gesamtförderung durch das BMZ steht stets eine Eigenleistung der Zentralstellen bei den Projekten von mindestens 25 Prozent gegenüber, ein Verwaltungskostenzuschuss wird nicht gewährt.
  • Die Förderung erfolgt seitens des BMZ ohne politische Auflagen.
  • Die Zentralstellen treffen eigenständig die Auswahl der Projekte und entscheiden selbständig über den Einsatz der Mittel.
  • Maßnahmen im Bereich der kirchlichen Verkündigung sind von der staatlichen Förderung ausgeschlossen.

Doch wie ist die von den Kirchen erbrachte Hilfleistung nach christlichem Verständnis ohne Missionierung möglich? Es wird zwar Wert darauf gelegt, dass die Hilfe unabhängig von jeglicher Religionszugehörigkeit geleistet wird, doch was passiert in den Krankenhäusern, Schulen und Gemeindezentren? Christliche Verkündigung gehört wohl auch da zum täglichen Ritual, zumal dort auch das Personal von den Kirchen ausgebildet wird. Die unter dem Motto christliche Nächstenliebe und Barmherzigkeit erbrachten Leistungen lassen sich schwer vom Missionierungsgedanken trennen.

Joseph Ratzinger kritisierte einmal, dass bei der „auf rein technisch-materiellen Prinzipien aufgebauten Entwicklungszusammenarbeit Gott nicht nur ausgelassen wurde, sondern die Menschen von Gott abgedrängt ... und damit die Dritte Welt zur Dritten Welt im heutigen Sinn gemacht worden sei.”(2)

Das widerspricht dem Verständnis der Trennung von Kirche und Staat. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die katholische Kirche doch ein Missionsziel verfolgt, sich mithin auf ähnliche Weise um eigene Interessen kümmert. Es fällt schwer, hinter dem Engagement der Kirchen kein Missionsziel zu sehen. Die Mittel für Schulen, kirchliche Zentren, Ausbildung von Diakonen verfolgen wohl kaum säkulare Ziele.

Es hat in den 50 Jahren ein Wandel des Verständnisses stattgefunden. So ist es heute weniger tätige Anteilnahme, sondern mehr Unterstützung von politischen, sozialen, kulturellen, institutionellen und ökonomischen Veränderungsprozessen in den Partnerländern. Heute werden die Projekte nicht mehr einzeln und losgelöst voneinander realisiert, sondern sind in komplexere Programme eingebunden, die dann auch durch veränderte Finanzierungsformen begleitet werden. Die Partner haben durch die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mehr Mitsprache und es wird eine größere Beteiligung bei der grundsätzlichen Ausrichtung der Förderprogramme eingeräumt. Es erfolgen inzwischen intensive Gespräche zwischen den Zentralstellen, den kirchlichen Hilfswerken und ausgewählten Partnern, um die regionalen Förderkonzepte abzustimmen. Dabei spielt das BMZ eine wesentliche Rolle, um wichtige Maßnahme und Richtungen miteinander abzustimmen. Außer der finanziellen Förderung erwarten die Partnerorganisationen von den kirchlichen Hilfswerken, sich in den Industrieländern als Anwälte der Entwicklungsländer einzusetzen. Die Zentralstellen sehen es als ihre Aufgabe an, ihre Möglichkeiten an der Schnittstelle von Staat und Kirche zu nutzen, um die Interessen der Armen in den Entwicklungsländern in den Kirchen und gegenüber dem Staat zu vertreten. „...So nehmen die Kirchen mit ihren Werken, mit Denkschriften, Beschlüssen von Synoden und Bischofskonferenzen und gemeinsamen Worten in der Tat die Aufgabe wahr, den „Mächtigen und Regierenden ins Gewissen zu reden”.”

Wegen der zunehmenden ‚Verweltlichung' kirchlicher Organisationen äußerten sich die katholischen Bischöfe in Deutschland im Jahr 2000 mit einer Stellungnahme: „Die eine Sendung und die vielen Dienste. Zum Selbstverständnis weltkirchlich orientierter Einrichtungen und Initiativen heute.“ Diese Stellungnahme „beschreibt die Weltverantwortung der Kirche aus einem umfassenden Verständnis von Evangelisierung. Es geht um die allen Initiativen gemeinsame theologische Grundlegung und Motivation und um die bei aller pragmatischen „Arbeitsteilung“ anzustrebende Zusammenarbeit, nicht zuletzt auch um die Verbindung der Hilfswerke mit den einzelnen Bistümern und mit der Deutschen Bischofskonferenz.“

Der Autor Dr. Hans-Gerd Angel, der bei der deutschen Bischofskonferenz im Organisationsbereich Pastoral, Referat Ehe/Familie tätig ist, schreibt:
„In dem Dokument ,Die eine Sendung und die vielen Dienste’ werden alle weltkirchlich tätigen Einrichtungen und Initiativen damit unverkennbar dem missionarischen Auftrag der Kirche zugeordnet. Es legitimiert gewissermaßen ex post die Vielfalt der weltkirchlichen Aktivitäten und ordnet sie in eine ,Sendung der Kirche in der Welt von heute’ ein, verortet sie universal- und ortskirchlich. Dabei wird von einem integralen, sehr weit gefassten Verständnis von Evangelisierung ausgegangen, das seinerseits auf einem ebenso umfassenden Heilsverständnis beruht, das ‚den ganzen Menschen, die menschliche Gesellschaft und die Welt’, also alle individuellen wie sozialen, diesseitigen und jenseitigen Bezüge des Menschen berücksichtigt. Nur ein solches Verständnis von Mission und Evangelisierung – Begriffe, die in dem Dokument offenbar synonyme Verwendung finden – das die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat umfasst, die Dienste der Martyria und der Diakonia integriert, und im Sinne einer Arbeitsteilung auf eine ausdrückliche Wortverkündigung verzichten kann, erlaubt es, auch das Handeln von Misereor, bei dem es seit dem Gründungsauftrag ‚nicht um ein Mittel der Mission [geht]’ unter dem Begriff der Evangelisierung zu subsumieren. Damit wird die Solidaritätsarbeit von Misereor, mit der sich das Werk explizit von einem missionarischen Auftrag absetzt, in dieses integrale Verständnis von Evangelisierung hineingestellt, das sein übergreifendes Spezifikum in christlicher Motivation findet. Somit ist auch „der Einsatz für die Gerechtigkeit und die Beteiligung an der Umgestaltung der Welt’ Teil der Heilssendung der Kirche.“(3)

Bundesministerium für Entwicklung und katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe

Für das Bundesministerium für Entwicklung (BMZ) sind die Kirchen nach wie vor wichtige Partner in der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik. Besondere Nähe zu den Ärmsten der Armen und welt­weite Ver­bin­dun­gen, sowie Fach­kräften vor Ort werden immer noch als beste Möglichkeit gesehen, die Entwicklungsansätze für die Verbesserung der Grund­bedürfnisse der Menschen zu fördern.

„Die kirchlichen Hilfswerke besitzen oft noch Handlungs­mög­lich­keiten, wenn die staatliche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit nicht mehr agieren kann oder darf – ins­be­son­dere bei ungünstigen politischen Rah­men­be­din­gun­gen. Kirchen sind in der Lage, weltweit einen Teil der Zivil­ge­sell­schaft zu mo­bi­li­sie­ren und können dadurch gezielt Ein­fluss auf die politische Bewusst­seins­bildung nehmen ... Die Bun­des­re­gie­rung stützt sich bei der Umsetzung ihrer Konzepte zur zivilen Konfliktbearbeitung und Krisenprävention auch auf die Erfahrungen der kirchlichen Entwicklungsdienste. Für die Kirchen ist dieser Bereich, neben Armutsbekämpfung, Ländlicher Ent­wick­lung und Sicherung der Men­schen­rech­te, seit vielen Jahren Schwerpunkt ihrer ent­wick­lungs­po­litischen Arbeit.”

„Die Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe hat MISEREOR von Anfang an mit dieser Aufgabe beauftragt und ist mit dem Hilfswerk über einen entsprechenden Kooperationsvertrag verbunden, sodass auch mit öffentlichen Mitteln finanzierte Projekte voll und ganz dem Auftrag und den konzeptionellen Leitlinien von MISEREOR entsprechen. Maßnahmen der religiösen Verkündigung sind von der Förderung ausgeschlossen.”

Bis 1990 reichten die Zentralstellen alle Projektanträge schriftlich beim BMZ ein. Von 1962 bis 1990 hatte sich jedoch die Zahl der Anträge verfünffacht (1962: 112, 1990: 552 Anträge), so dass die Arbeitskapazität beim BMZ erschöpft war. Seit 1991 werden „einfache und unproblematische“ Vorhaben von den Zentralstellen selbst entschieden. Damit folgte man auch einem Beschluß des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (AwZ), der sich für Arbeitserleichterungen bei der Zusammenarbeit mit den NRO, insbesondere den Kirchen, ausgesprochen hatte.

Die Bundesregierung behielt sich Einzelentscheidungen nur bei Vorhaben in politisch sensiblen Ländern, entwicklungspolitisch schwierige Vorhaben (z. B. bei besonderen Risiken), Vorhaben mit großer Breitenwirkung oder mit neuen zentralen Projektträgern im Entwicklungsland, bei neuen Entwicklungsansätzen (neuartige Instrumente, neue technologische, ökologische oder soziokulturelle Ansätze), Vorhaben, bei denen ausnahmsweise von den vereinbarten Förderungsgrundsätzen abgewichen werden soll und bei höheren Förderungsbeträgen.

Ab 2002 waren Gespräche in Gang gekommen, die staatlichen Zuschüsse zu 100 Prozent (Globalbewilligung) an die Zentralstellen auszuzahlen und nur bei politisch brisanten Ländern soll es Absprachen mit dem Ministerium geben. Mit der Pariser Erklärung der OECD-Staaten wird wieder mehr der wirtschaftliche Faktor bei der Entwicklungshilfe in den Vordergrund gerückt. Die Kirchen befürchten daher, dass die Mittel der Entwicklungszusammenarbeit mehr in staatliche Haushalte fließen und ihr Spielraum eingeschränkt würde.

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dr. Gerd Müller veröffentlichte in einer Schrift „Die Rolle von Religionen in der deutschen Entwicklungspolitik” 2015 die Wichtigkeit von Religion und weshalb sie auch staatlich gefördert werden sollte:

„Wir wollen das Potenzial der Religionen für nachhaltige Entwicklung und Frieden besser einbeziehen … Projekte in unseren Partnerländern sollen in Zukunft mehr beachten, wie sie zum Abbau religiös begründetem Hass und Vorurteilen beitragen können … Wir wollen Plattformen für den interreligiösen Dialog in unseren Partnerländern, in Deutschland und in internationalen Organisationen fördern und religiöse Akteure sollen mehr einbezogen werden.”

Durch ihre Vernetzung in der Bevölkerung sind Kirchen in der Lage nahezu überall Teile der Zivil­ge­sell­schaft zu aktivieren und damit Ein­fluss auf die politische Bewusst­seins­bildung nehmen. Das Bundesministerium für Entwicklung unterstützte die Arbeit der katholischen Kirche 2015 mit 112,5 Mio Euro. (Die gleiche Summe ging an die evangelische Kirche)

Aus Eigenmitteln und nur zusammen mit Spenden erreicht die Kirche einen großen Eigenanteil der Finanzmittel für ihre Aktivitäten der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit, der aber seit 2006 von 43 Prozent auf 36 Prozent im Jahr 2015 gesunken ist. Als Mindestgröße für weitere staatliche Zuschüsse sind 25 Prozent notwendig.

Grafik Einnahmen Misereor
Tabelle Einnahmen Misereor

Aus dem regulären Kirchentitel des BMZ konnte die KZE 461 Projekte mit einem Volumen von 134,5 Millionen Euro bewilligen. Zusätzlich setzte sie Sondermittel des Klimafonds in Höhe von 1,9 Millionen Euro ein. Ein Projekt im Irak wurde aus dem Krisenreaktionstitel mit einer Million Euro gefördert. Über die sogenannten Sonderinitiativen wurden Projekte aus den Bereichen Hunger, Flucht und Nordafrika / Naher Osten mit 4,9 Millionen Euro unterstützt. 2015 entstand so ein Gesamtvolumen der Förderung über die KZE von insgesamt 142,3 Millionen Euro.

Bewilligungen 1962 -2011
KZE Bewilligungen
Bewilligung BMZ an KZE
Anm.: In der Quelle sind von 1962-1995 nur 5-Jahresbeträge in DM ausgewiesen, die hier in Euro umgerechnet wurden
bewilligungen BMZ an KZE
Anm.: In der Quelle sind von 1962-1995 nur 5-Jahresbeträge ausgewiesen, die hier darstellungshalber nur linear angezeigt werden

Im Haushalt des BMZ gibt es unter der Rubrik Zivilgesellschaftliches Engagement einen Kirchentitel für 2016 in Höhe von 255 Mio Euro und für 2017 von 261 Mio Euro.

Laut dem Jahresbericht von MISEREOR und der katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe sind die Mitglieder in den Gremien (Kommission, Mitgliederversammlung, Verwaltungsrat und Beirat) alle ehrenamtlich tätig. Sie erhalten zusätzlich keine Aufwandsentschädigung. Der Verwaltungsrat besteht aus fünf Mitgliedern, die nicht gleichzeitig Vorstandsmitglieder sein dürfen. Sie werden von der Mitgliederversammlung für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Mitglieder des Vereins KZE e. V. werden durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz benannt. Dem Verein sollen der Leiter und ein weiterer Vertreter des Kommissariats der deutschen Bischöfe sowie der Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerks MISEREOR und ein weiterer Vertreter der MISEREOR-Geschäftsführung als Mitglieder angehören. Der Vorstand der Katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe e. V. besteht (31.12.2015) aus:

  • Prälat Dr. Karl Jüsten (Vorsitzender; Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe – Katholisches Büro in Berlin)
  • Msgr. Pirmin Spiegel (Stellvertretender Vorsitzender und Hauptgeschäftsführer von MISEREOR e.V.),
  • Dr. Martin Bröckelmann-Simon (Geschäftsführer von MISEREOR e.V.) und
  • Katharina Jestaedt (CDU, Stellvertreterin des Leiters des Kommissariats der deutschen Bischöfe)

Zur Mitgliederversammlung gehören:

  • Dr. Gerhard Albert, Hauptgeschäftsführer von „RENOVABIS”
  • Sr. Cornelia Bührle RSCJ (bis 2008 Mitglied des Beirats des Hilfswerks MISEREOR)
  • Prof. Dr. Ottmar Ebenhofer (Mitglied im Beirat „Green Growth Knowledge Platform“ der Weltbank),
  • Winfried Hinzen (seit 2001 Vorstandsmitglied der katholischen Pax-Bank in Köln; 2010 Gründung des Hinzen Privatkontors, als christlich verwurzelte Wirtschafts- und Finanzberatung für religiöse Körperschaften, Stiftungen und Privatiers, Organmitglied bei einer Reihe kirchlich-sozialer Unternehmen),
  • Prof. Dr. Eberhard Jochem (Lehraufträge zu Themengebieten der Technikfolgenabschätzung, Ökonomik der natürlichen Ressourcen, Energiewirtschaft und Energiepolitik an den Universitäten Karlsruhe und Kassel; Mitglied mehrerer internationaler Gremien),
  • Dr. Franz Marcus (Leiter des Projektteams „Sternsinger”),
  • Dr. Johannes Müller (seit 2001 Berater der Kommission "Weltkirche" der Deutschen Bischofskonferenz, seit 1990 Mitarbeit bei der Deutschen Kommission Justitia et Pax, 2005–2010 bei der Arbeitsgruppe "Religionen und Religionsfreiheit", seit 2005 Mitglied und seit 2011 Vorsitzender des Misereor-Beirates sowie Mitglied der der Unterkommission für Entwicklungsfragen, Mitglied der "Katholischen Zentralstelle Entwicklungshilfe e.V." , seit 2011 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Instituts für Weltkirche und Mission in Frankfurt/M.)
  • Dr. Oliver Müller (Leiter von Caritas International);
  • Theo Paul (seit 2010 Vorsitzender des Verwaltungsrates von MISEREOR, seit 2011 Vorsitzender des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschlands);
  • Schwester Elisabeth Biela ( Afrikamissionarin, im Bereich Bildung, Pastoral und Verwaltung tätig),
  • Dr. Rudolf Solzbacher (Diözesanstelle Weltkirche/Weltmission, Diözesanstellenleiter),
  • Sonja Steffen (MdB, SPD, Haushaltsausschuss),
  • Peter Weiß (MdB, CDU, stellv. Mitglied im Haushaltsausschuss, stellv. Vorsitzender des Caritasrates der Erzdiözese Freiburg, Mitglied im Beirat der Pax-Bank und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken),
  • Johannes Zurnieden (Gründungsmitglied des Misereor Unternehmerforums, Geschäftsführer von Phoenix Reisen).

Die Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz pflegt die internationalen Beziehungen. Sie trägt die Verantwortung für die überdiözesane weltkirchliche Arbeit in Deutschland, vor allem für die Hilfswerke, deren Tätigkeit sie koordiniert und anleitet. Zum Aufgabenspektrum der Kommission Weltkirche gehört auch der interreligiöse Dialog. Bei den Fragen von Entwicklung, Frieden und Menschenrechten arbeitet sie eng mit der Deutschen Kommission Justitia et Pax zusammen.

Literatur:
(1) Ulrich Willems: Entwicklung, Interesse und Moral: Die Entwicklungspolitik der Evangelischen Kirche in Deutschland, 2013
(2) Joseph Ratzinger, Jesus von Nazareth, 2007, S. 62
(3) Hans-Gerd Angel: Christliche Weltverantwortung. MISEREOR: Agent kirchlicher Sozialverkündigung. Münster: Lit-Verlag, 2002, S. 88.
(4) Dr. Frerk, Carsten, Staatsflüsterer, S. 1.282
(5) Dr. Frerk, Carsten, Violettbuch Kirchenfinanzen, Alibri, 2010