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Reputation der katholischen Kirche in der Schweiz

Fowid-Notiz: Die Katholische Kirche im Kanton Zürich hat eine repräsentative Befragung unter der Wohnbevölkerung der Deutschschweiz zur Reputation der Kirche realisiert, dessen Abschlussbericht „Religionsbefragung. Februar 2025“ nun publiziert wurde. Die Ergebnisse der Befragung werden medial beschrieben: „Bei der römisch-katholischen Kirche ist der Lack langsam ab“. (SRF)

Angesichts der hohen Austrittszahlen aus den christlichen Kirchen in der Schweiz im Herbst 2023 und im Jahr 2024 („Einzigartige Austrittswelle aus Kirchen“) hat die katholische Kirche im Kanton Zürich bei Sotomo (Forschungsinstitut für politische und gesellschaftliche Meinungsbefragungen) eine Umfrage zur Reputation der katholischen Kirche in Auftrag gegeben, deren Daten zwischen dem 19. September und 29. Oktober 2024 erhoben wurden.

Entsprechend ist einer der Schwerpunkte der Befragung die Feststellung der Ansichten von bereits ausgetretenen Katholiken bzw. austrittswilligen und nicht-austrittswilligen Kirchenmitgliedern. Sotomo beschreibt die Ergebnisse als zwiespältig:

„Die Ergebnisse zeigen ein deutlich negatives Bild der katholischen Kirche in der Bevölkerung. Dabei wird besonders der Umgang mit Missbrauchsfällen kritisch beurteilt. Positiv gesehen wird hingegen das soziale Engagement, besonders der Einsatz für Senioren und Bedürftige, und die Gemeinschaft in der Kirche.“

Von den zahlreichen Ergebnissen seien hier nur fünf Ergebnisse/Abbildungen zitiert:

Von allen Befragten befinden 15 Prozent die römisch-katholische Kirche als „positiv“, 65 Prozent sagen „negativ“ und 20 Prozent bleiben „neutral. Unter den Katholiken selbst betrachten 38 Prozent ihre Kirche als „positiv“ und ebenso viele (38 Prozent) als „negativ“. Bei den ausgetretenen Katholiken sind es 90 Prozent, die bekunden: „negativ“.

Von verschiedenen Dimensionen kirchlichen Handels werden von allen Befragten drei Dimensionen mehrheitlich als „negativ“ bewertet: Der „Umgang mit den Missbrauchsfällen“ (86 Prozent), „Religiöse Positionen“ (79 Prozent) und die „Gesellschaftlich-politischen Stellungnahmen“ der Kirche (56 Prozent.) Einzig das „Soziale Engagement“ wird (knapp) „positiv“ bewertet (51 Prozent).

Die katholischen Kirchenmitglieder für sich bewerten ihre Kirche zwar etwas milder, aber der „Umgang mit den Missbrauchsfällen“ wie die „Religiösen Positionen“ werden ebenso einhellig (76 bzw. 69 Prozent) als „negativ“ bewertet.

Hinsichtlich der Emotionen für ihre Kirche sind die Unterschiede zwischen Austrittswilligen und Nicht-Austrittswilligen deutlich. Die Austrittswilligen nennen „Enttäuschung“ (82 Prozent), „Frustration“ (39), „Gleichgültigkeit“ (34) und „Wut“ (31 Prozent). Für die Nicht-Austrittswilligen sind wichtig: „Geborgenheit“ (60 Prozent), „Dankbarkeit“ (47), Respekt“ (44) und „Freude“ (26 Prozent).

Hinsichtlich von Verbesserungsvorschlägen für ihre Kirche sind die Altersunterschiede unter den Kirchenmitgliedern nicht sehr ausgeprägt. Auch wenn die Älteren stärker für eine „Gleichberechtigung“ und für „Abschaffung Zölibat“ votieren und die Jüngeren stärker als die Älteren für „Modernisierung Positionen“ sind sie sich in der Dringlichkeit und Reihenfolge doch weitgehend einig: „Gleichberechtigung“ von Männern und Frauen, „Aufarbeitung Missbrauchsfälle“ und „Abschaffung Zölibat“.


(CF)