Sie sind hier

Trendwende bei der Jugend in Spanien?

Fowid-Statistik-Beobachter: Das selektive Zitieren ohne Quellenangabe ist ein beliebtes Mittel, Umfrageergebnisse ‚aufzublasen‘. Katholisch.de meldet: „Trendwende? Umfrage: Zahl der jungen Katholiken in Spanien steigt deutlich“. Auf die Umfrage - unter 15- bis 29-Jährigen - wird nicht verlinkt und nach dem erfolgreichen Finden der Studie ist das Ergebnis, dass sogar diese Feststellung dort so nicht so steht.

Die Studie, die der Meldung zugrunde liegt, ist die Pressemappe zu: „Jóvenes españoles 2026“ („Spanische Jugend 2026“) der Fundación SM - einer Stiftung der katholischen Marianisten, die sich insbesondere der Bildungsforschung widmet.

Die Daten wurden im Rahmen einer Online-Umfrage unter jungen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren mit Wohnsitz in Spanien erhoben. Feldzeit: 19. März bis 10. April 2025, 1.662 Befragte.

Generelles Ergebnis: „In einer Welt, die zunehmend von Technologie und sozialen Netzwerken geprägt ist, kommt der Bildung – sowohl der formalen als auch der nicht-formalen – eine wesentliche Rolle zu, wenn es darum geht, kritisches Denken, das Zusammenleben, verantwortungsbewusstes Handeln und die Gestaltung sinnvoller Lebensentwürfe zu fördern. Junge Menschen heute zu begleiten, erfordert es, über akademische Ergebnisse hinauszuschauen und auch auf ihr emotionales Wohlbefinden, ihre Beziehungen, ihre Fähigkeit zum Engagement und ihren Wunsch, zu einer gerechteren Gesellschaft beizutragen, zu achten.“

„1. Zwischen Wohlbefinden und Sinnsuche: Junge Menschen definieren ihre Prioritäten neu. Für sie sind vor allem Gesundheit (75 %), Familie (71,8 %), Geldverdienen (59,7 %) sowie Freizeit und Erholung (56,2 %) sehr wichtig.
Spiritualität gewinnt im Leben junger Menschen an Bedeutung. Der Bericht stellt fest, dass religiösen und spirituellen Überzeugungen zunehmend mehr Bedeutung beigemessen wird.
Die Religion erreicht den höchsten Bedeutungsgrad in der gesamten Zeitreihe: Derzeit halten 38,4 % sie für „ziemlich oder sehr wichtig“ in ihrem Leben.
Der Anteil der Jugendlichen, die sich als katholisch bezeichnen – einschließlich der nicht praktizierenden –, steigt von 31,6 % im Jahr 2020 auf 45 % im Jahr 2025, während der Anteil derjenigen, die sich ausdrücklich als nicht religiös bezeichnen (Agnostiker und Nichtgläubige), zurückgeht.“

Dieser Feststellung wird eine Tabelle beigefügt, in der nach den Wichtigkeiten im Leben der jungen Erwachsenen gefragt wurde.

- Tabelle-Original:

- Tabelle deutsch:

Dazu bemerken die Autoren, dass man keine falschen Schlussfolgerungen ziehen soll: „Dieser religiöse Aufschwung bedeutet jedoch keine Rückkehr zum traditionellen Modell. Religiöse Identitäten werden flexibler und verbinden Elemente verschiedener spiritueller Traditionen. Unter den Jugendlichen, die sich als praktizierende Katholiken bezeichnen, gibt ein erheblicher Anteil an, auch an Karma (60,7 %), Reinkarnation (48,5 %), Magie (44,1 %), Zukunftsvorhersagen (37,1 %) und Heilkräfte (40,3 %) zu glauben.“

Vergegenwärtigt man sich zudem die Abfolge der Wichtigkeiten, bei der – bei 16 vorgegebenen Lebensbereichen – Religion gleichbleibend auf dem letzten Rangplatz 16 genannt wird, sagt das alles.


Carsten Frerk