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Muslimische Grabstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt

Muslimische Bestattungen Sachsen und Sachsen Anhalt

Durch die Zuwanderungen von Menschen aus muslimischen Ländern wird es auch im Osten Deutschlands notwendig, für diejenigen, die hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben und ihre Angehörigen auch hier begraben möchten, entsprechende Grabstätten zu schaffen. In Sachsen und Sachsen-Anhalt gibt es bereits einige wenige und es sind weitere im Entstehen.

Viele der in Deutschland verstorbenen Muslime werden von ihren Angehörigen bisher in ihr Herkunftsland gebracht und dort beerdigt. Es wächst jedoch die Zahl derjenigen, die in Deutschland beigesetzt werden. Da die Bestattungskultur des Islam mit den sehr strengen Friedhofsgesetzen in Deutschland in Konflikt gerät, haben einige Bundesländer ihre Gesetze angepasst, um islamischen Vorschriften gerecht zu werden.

Nach Auffassung der meisten Islam-Theologen sollten Tote in einem Leintuch eingehüllt und auf der rechten Seite liegend begraben werden. Der Kopf sollte in Richtung Mekka gerichtet sein. Nötig ist auch eine rituelle Waschung und die Beerdigung soll möglichst am Tag des Todes erfolgen. Oft müssen da Kompromisse eingegangen werden. Die Tradition und Kultur in verschiedenen islamischen Ländern erlauben aber auch kleine Abweichungen im Vollzug der rituellen Handlungen, nicht aber in der Tatsache der Erdbestattung. Es sind dabei nur Holzsärge gestattet, die den islamischen Vorschriften entsprechen (ohne Farbe, mit oben spitz zulaufender Deckelform, die den Gräbern der islamischen Weisen und Heiligen nachempfunden sind).

Muslimische Bestattungen Sachsen u. Sachsen-Anhalt

Kommunale Friedhofsträger sind dabei, sich auf ihre neue Klientel einzustellen. Zum Beispiel wurde in Salzwedel Mitte 2015 auf dem Perver Friedhof eine bisherige Wirtschaftsfläche für islamische Bestattungen hergerichtet. Das Grabfeld von 1.000 Quadratmeter wurde bisher erst ein mal genutzt. Die Stadt Halle hat auf dem Gertraudenfriedhof Platz für muslimische Beerdigungen reserviert. Dort wurde bereits 1997 die erste muslimische Beerdigung durchgeführt. Inzwischen sind es jährlich etwa 10 Beerdigungen.

Auf dem Ostfriedhof in Leipzig werden ebenfalls seit 1997 Muslime beerdigt. Und auch dort ist die Zahl gestiegen. Durchschnittlich werden in Leipzig pro Jahr 5 muslimische Beerdigungen durchgeführt.

Der Heidefriedhof Dresden verfügt bereits seit 1995 über ein Begräbnisfeld für Muslime. Im Jahr 2012 wurde dieses erweitert und als solches kenntlich gemacht und umgestaltet. Hier gibt es bereits 42 Gräber und es stehen weitere freie Grabstätten zur Verfügung, so dass voraussichtlich bis 2021 vorgesorgt ist. Allerdings ist die Tendenz der Bestattungszahlen steigend, so dass vielleicht doch eher über eine Erweiterung nachgedacht werden müsste.

Auf dem Magdeburger Westfriedhof ist gleichermaßen ein muslimisches Grabfeld errichtet worden. 2004 fand dort die erste Beerdigung statt. Seit 2009 gab es dort weitere 20 Beerdigungen.

In etwas kleineren Städten, wie Stendal hat man sich ebenfalls Gedanken um die muslimischen Mitbürger gemacht. Auch dort ist auf dem Städtischen Friedhof 2015 eine Grabfläche entstanden.

In Chemnitz gibt es zwar keine extra abgetrennte Grabfläche, doch auch dort werden Muslime so gut es geht nach ihren traditionellen Bedürfnissen beerdigt.

Tabelle muslimische Bestattungen

Alle Bestattungswünsche des Islam können die Kommunen jedoch nicht erfüllen. Sachsen-Anhalts Bestattungsgesetz schreibt vor, dass Tote im Sarg beizusetzen sind, das traditionelle Leinentuch der Muslime reicht hier, wegen der Bodenbeschaffenheit, nicht aus. In zu nassen Böden kann es zu Wachsleichenbildungen kommen, da die Leichname dort nicht verwesen.

Die unterschiedlichen Bestattungskulturen stellen Friedhofsträger vor Herausforderungen. Ein Problem ist u. a. die Ewigkeitsgarantie: Ein muslimisches Grab ist grundsätzlich für immer angelegt. Auf deutschen Friedhöfen ist die Ruhezeit begrenzt. Der Verband der Friedhofsverwalter hat deshalb z. T. die Friedhofssatzung geändert und bieten hier eine unbegrenzte Liegezeit an.

Ein weiteres Problem hängt mit der Pflege zusammen. Die letzte Ruhe wird unter Muslimen ebenfalls als vergänglicher Teil der Natur angesehen, wenn also Grabsteine umfallen oder Pflanzen die Grabstelle überwuchern oder Bäume umfallen wird dies akzeptiert. Mit dieser Vorstellung können sich deutsche Friedhofsbesucher kaum anfreunden. Deshalb ist für viele Friedhöfe auch die räumliche Trennung zur Vermeidung von Konflikten wichtig. Es gibt auch strukturelle Herausforderungen zu meistern. Muslime können in der Regel nicht inmitten städtischer Friedhöfe begraben werden, weil ihre Gräber nach Mekka ausgerichtet sein müssen.

Auch die Zeremonien der rituellen Waschungen bedeutete oft einen Um- oder Neubau von islamischen Leichenwaschhäuser. Für die Kommunen heißt das mitunter Neuanlage von Grabarealen, was oft, besonders in Großstädten, eine Platzfrage ist.

(SFE)