Weltanschauungen im Internet

Fowid-Statistikbeobachter: „Wer im Internet nicht gefunden wird, den gibt es nicht.“ Eine typische Übertreibung mit einem wahren Kern. Wie sieht es also aus mit dem Erfolg und der „Sichtbarkeit“ von kirchlich-religiösen bzw. säkularen Internetportalen? Ein erster Vergleich mit den Daten zur Anzahl der Seitenbesucher, der „traffic ranks“, „bounce rates“ und den Daten eines „Sichtbarkeitsindex“.
Von Carsten Frerk.
1. Vorbemerkung
2. Die Kennziffern: 2.1. Anzahl der Seitenbesucher, traffic ranks, u.a.m., 2.2. Sichtbarkeitsindices, 2.3. Follower auf Facebook
3. Was messen diese Kennziffern?
4. Ergebnisse der Recherche
5. Variationen der Ergebnisse
6. Relationen: 6.1.Zielgruppen, 6.2 Andere Seiten im Internet, 6.3. Ja, und?, 6.4. Säkularisierung?
7. Einordnung der Ergebnisse: 7.1. Rückblick 2012/2013, 7.2. Chronologie, 7.3. Säkulare/Konfessionsfreie
1. Vorbemerkung
Bewertungen – wie: mehr oder weniger, viel oder wenig –, beruhen auf Vergleichen. Am übersichtlichsten erscheinen dafür Zahlen – analog zu den klassischen Schulnoten oder den jetzigen Punkten. Zahlen erscheinen neutral und exakt: „Kirchenmitglieder 44 Prozent“, „Säkularisierung 56 Prozent“ etc., so ist die weltanschaulich-religiöse ‚Großwetterlage‘ in Deutschland. Spiegelt sich das auch im Internet?
Die Möglichkeit, seine ‚eigene Blase‘ zu relativieren – ausgehend von der verbreiteten Redewendung „Jeder ist das Zentrum seines eigenen Universums.“ – liegt in evidenzbasierten Daten, die eine intersubjektive Gesamtheit beschreiben. Dafür wurden 42 Internetseiten/-portale ausgewählt: 21 ‚säkulare‘ und 21 ‚kirchlich/religiöse‘. Die Auswahl erfolgte aufgrund von Querrecherchen auf Analyse-Portalen und der eigenen Erfahrung aus 25 Jahren eigener Arbeit im Themenfeld. Sie ist nicht repräsentativ und berücksichtigt bei den ‚kirchlich-religiösen‘ nur die beiden christlichen Großkirchen, evangelikale Organisationen und den Kirchen nahestehende Portale. Andere Religionen (z. B. Islam) wurden nicht berücksichtigt.
Für die Ermittlung von ‚Kennziffern‘ wurden die Daten aus drei verschiedenen Quellen erfasst: Erstens, die Anzahl der Seitenbesucher, der Aufenthaltsdauer, des ‚traffic ranks‘, etc., zweitens die Daten eines ‚Sichtbarkeitsindex‘ und drittens die Anzahl der ‚Follower‘ auf facebook.
2. Die Kennziffern
2.1. Anzahl der Seitenbesucher, traffic ranks, u.a.m.
Auf der Analyse-Plattform von similarweb.com lassen sich u.a. sieben Kennziffern auslesen, die hier nacheinander referiert werden.
In einer ersten Übersicht, noch getrennt nach zwei Gruppen (Tabelle 1), zeigt sich der Unterschied, dass die säkularen Portale durchschnittlich/monatlich 260.000 Besucher haben oder 8.600 pro Tag, die kirchlich-religiösen Portale monatlich 5,7 Mio. Besucher bzw. 191.000 pro Tag. Umgerechnet auf die täglichen rund 200.000 Besucher dieser 42 Portale stehen die kirchlich-religiösen Portale für 95 Prozent dieser Besucher.

In einer Gesamtsortierung aller Portale (Tabelle 2) befinden sich unter den ‚Top Ten‘ der Besucherzahlen ausschließlich kirchlich-religiöse Portale. In der oberen Hälfte von 21 Plattformen sind vier säkulare Portale. Die Internetportale auf den obersten drei Positionen (katholisch.de, kath.net und die-bibel.de) nennen 53 Prozent aller Besucher und die erstgenannte (katholisch.de) alleine 36 Prozent aller Besucher der 42 Internetseiten.

Die Anzahl der Seitenabrufe steht in direktem Zusammenhang mit der Anzahl der Besucher. 95 Prozent (12,5 Mio.) der insgesamt 13,1 Mio. Seitenabrufe erfolgen auf den kirchlich-religiösen Portalen.

Bei der Aufenthaltsdauer (Tabelle 4) ändert sich die Reihenfolge: Unter den ‚Top Ten‘ befinden sich fünf säkulare Portale, von denen eins – mit großem Abstand – auf Ranglistenplatz 1 steht.

Bei der „bounce rate“ - eine Prozentangabe, die angibt, wie viele der Besucher nach dem Ansehen eines Beitrages die Internetseite wieder verlassen -, hat sich die Anfangsreihenfolge der Seitenbesucher (Tabelle 2) umgedreht: 15 der oberen Hälfte (21) der Internetportale sind säkular (Tabelle 5). Das hatte sich bereits (in Tabelle 1) gezeigt: Diese ‚Absprungsrate‘ liegt bei kirchlich-religiösen Portalen bei 54 Prozent, für die säkularen bei 44 Prozent.

Dieser Unterschied – 13 der gelisteten ‚oberen‘ 21 Internetseiten sind säkular – bleibt auch bei der Anzahl der besuchten Seiten erhalten (Tabelle 6).

Die ‚Traffic Ranks‘ folgen der Logik der Seitenbesucher und Seitenaufrufe (s. Tabelle 2 und Tabelle 3), d. h. die kirchlich-religiösen Internetseiten belegen von den ‚oberen 21‘ der Portale 18 Plätze.

Betrachtet man die Anteile der Mobiltelefonbenutzer unter den Seitenbesuchern, kehrt sich das wieder um. (Tabelle 8). Hierbei wird ein geringerer Anteil als wichtiger angesehen, da das Lesen und Studium von Internetseiten auf dem kleinen Display eines Mobiltelefons oberflächlicher bleiben muss als auf stationären Geräten. Die hohen Anteile der kurzfristigen Besucher von kirchlich-religiösen Internetseiten zeigen sich pointiert darin, dass der ‚Spitzenreiter‘ der Besucherzahlen (katholisch.de) in dieser Rangfolge den untersten Rangplatz innehat. Auch im Vergleich der beiden Gruppen (Tabelle 1) zeigt sich dieser Unterschied: Während der Durchschnitt der Besucher über den Mobilfunk für kirchlich-religiöse Portale rund 72 Prozent beträgt, beläuft er sich bei den säkularen Portalen auf 54 Prozent.

2.2. Sichtbarkeitsindices
Die Firma sistrix.com verdient ihr Geld mit einem anderen Kennziffersystem: dem Sichtbarkeitsindices, d. h. eine höhere Zahl ist eine bessere ‚Sichtbarkeit‘. Über eine Zeitreihe lässt sich auch feststellen, ob dieser Index sich (beispielweise) gegenüber 2022 verbessert oder verschlechtert hat. In einer Sortierung der Reihenfolge (Tabelle 11) sind von der ‚oberen Hälfte‘ der 42 Portale zwei säkular.

Von den 21 säkularen Portalen haben 11 von 2022-2026 ihren ‚Sichtbarkeitsindex‘ verbessert, bei den kirchlich-religiösen Portalen sind es 15 von 21.
Die zeitlichen Veränderungen lassen sich aus den Zeitreihen auslesen, die Sistrix den aktuellen Auswertungen beifügt. Vier Beispiele:




Sistrix berechnet auch einen ‚Sichtbarkeitsrank‘, der sich an der Logik des ‚Ranking‘ von ‚traffic ranks‘ orientiert. Die Abfolge in diesen Sichtbarkeitsranks für alle Portale (Tabelle 13) nennt in der oberen Hälfte 19 kirchlich-religiöse und 2 säkulare Portale, in der unteren Hälfte 2 kirchlich-religiöse und 19 säkulare Internetportale.

2.3. Follower auf Facebook
Auf den Konten von facebook.com kann man sich als Follower anmelden. Für die 42 referierten Internetseiten befinden sich – sortiert nach der Anzahl der Follower insgesamt (Tabelle 15) – in der oberen Hälfte der Liste 15 kirchlich-religiöse Portale und 6 säkulare.

3. Was messen diese Kennziffern?
Diese drei referierten Kennziffern kommen auf unterschiedliche Weise zustande, das einzig Gemeinsame ist, dass es keine exakten Zahlen/Werte sind. Zudem sind sie nicht direkt miteinander vergleichbar.
3.1. Die Methode der Berechnungen von similarweb werden auf der Internetseite erläutert und lassen sich – ohne Fachbegriffe etc. – wie folgt zusammenfassen: Similarweb misst den (geschätzten) Besucherverkehr durch vier Quellen, die zusammengeführt werden: Erstens, direkte Messung bei Website-Betreibern, die Similarweb Zugriff auf ihre eigenen Analytics (etwa Google Analytics) geben. Zweitens ein „Contributors Network“ – Millionen Geräte weltweit, auf denen Nutzer freiwillig Similarweb-Produkte installiert haben (Browser-Erweiterungen, VPN-Apps, Toolbars), die anonymisiert ihr Surfverhalten melden; das ist im Prinzip ein Panel-Ansatz, wie ihn auch die Fernseh-Einschaltquoten (GfK, Nielsen) verwenden – eine repräsentative Stichprobe von Geräten wird beobachtet und die Ergebnisse werden auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Drittens öffentlich zugängliche Daten (Wikipedia, Zensusdaten, Web-Crawling). Und viertens zugekaufte, bereits aggregierte Statistiken von Partnern – Internetprovidern, „Data Processing Services“, Marktforschungsfirmen. Auch diese ISPs liefern keine Rohdatenströme einzelner Nutzer, sondern anonymisierte, aggregierte Kennzahlen. Aus diesen Milliarden „Signalen“ pro Tag baut ein Team aus Datenwissenschaftlern statistische Modelle, die für Seiten ohne direkte Messung Besucherzahlen schätzen.
Nachdem alexa.com, mit seinem mittlerweile legendären „Alexa Rank“ am 1. Mai 2022 von Amazon abgeschaltet wurde, hat sich Similarweb in genau diesem Moment öffentlich als Nachfolger positioniert: „Similarweb war schon immer stolz darauf, der offizielle Maßstab für die digitale Welt zu sein. Nachdem Alexa Rank seinen Betrieb im Mai 2022 eingestellt hat, sind wir nun stolz darauf, der einzige Maßstab für die digitale Welt zu sein.“
3.2. Sistrix verbleibt mit seinem „Sichtbarkeitsindex“ im ‚Google-Universum‘ und misst ausschließlich Google Rankings. Er besagt nicht, wie viele Besucher eine Seite hat, sondern wie sichtbar die Domains in den organischen Google-Suchergebnissen sind, d. h. es wird der unbezahlte Teil der Suchergebnisse bei Google ausgewertet. Das lässt sich wie folgt kurz zusammenfassen: Sistrix fragt täglich rund eine Million repräsentativ ausgewählte Suchbegriffe bei Google ab und speichert für jeden Begriff, welche Domains auf den vorderen rund 100 Ergebnisplätzen erscheinen – macht rund 100 Millionen Datenpunkte. Jeder Treffer wird gewichtet: nach dem geschätzten Suchvolumen des Begriffs (ein Ranking bei einem oft gesuchten Wort zählt mehr) und nach der geschätzten Klickwahrscheinlichkeit dieser Position (Platz 1 zieht viel mehr Klicks als Platz 8). Die gewichteten Werte werden pro Domain aufsummiert – das Ergebnis ist der Sichtbarkeitsindex. Ein plastisches Bild wäre eher: Sistrix schickt täglich eine Million „Testkäufer“ mit vorgegebenen Suchanfragen los und protokolliert, wie oft und wie weit vorne im Schaufenster (den Suchergebnissen) jede Domain auftaucht – gezählt wird also die potenzielle Sichtbarkeit, nicht der tatsächliche Besucherstrom. Es wird also „das Internet, wie Google es sieht“ analysiert und darf nicht für „das Internet“ angesehen werden.
3.3. Facebook nennt „Follower“: Inhaber von Facebook-Konten, die sich eigenhändig eingetragen haben, diesem Konto zu ‚folgen‘, also daran interessiert sind. Aber: Facebook löscht Follower nicht automatisch, falls sie das Interesse an einer Seite verloren haben und inaktiv sind. Solange ein Nutzer sein Profil oder seine Seite nicht aktiv entfolgt („Unfollow“) oder sein eigenes Facebook-Konto komplett löscht, bleibt er in Ihrer Follower-Statistik als Zahl bestehen. Das bedeutet, dass die Anzahl der Facebook-Follower tendenziell überhöht ist und ein Konto, das vor Jahren einmal sehr beliebt war, inzwischen aber nicht mehr, diese hohen Zahlen behält. Insofern können die Angaben zur „Vanity Metric“ (Deutsch: Eitelkeitsmetrik) gehören, eine Kennzahl, die beeindruckend aussieht, aber wenig bis keinen Einfluss auf das tatsächliche Geschäftsergebnis hat“, allgemeiner gesagt, kein tatsächliches Interesse an den Inhalten.
3.4. Zwischenfazit: Es erbringt keinen Erkenntnisgewinn, die Messmethoden gegeneinander zu vergleichen, aber innerhalb einer Messmethode ist der Gruppenvergleich brauchbar, weil die Beschränkungen beide Gruppen gleichermaßen treffen.
Da alle drei Messmethoden ihre ‚Unschärfen‘ haben, ist eine „Erbsenzählerei“ unangebracht. In der empirischen Umfrageforschung gibt es eine Unschärfe von, beispielsweise, +3/-3 Prozent. Verändert sich auf die Frage: „Sehen Sie die Arbeit des Bundeskanzlers als positiv?“ die Antwort von 38 auf 40 Prozent, was als „Verbesserung“ angesehen wird, so hat das statistisch keinerlei Bedeutung, erst bei 42 Prozent wäre es tatsächlich ein ‚besserer‘ Wert. Bezogen auf die traffic ranks, und einer gleichen ‚Fehlermarge‘, wären bei genannten rund 62.000 Besuchern (für katholisch.de) jeder Wert einer Veränderung von rund 60.000 – 64.000 statistisch nicht signifikant, ohne Bedeutung. Es geht also um die Tendenzen, nicht um die realen Kennziffern, auch wenn diese der vordergründige Bezugspunkt bleiben.
4. Ergebnisse der Recherche
Dem Zahlenvergleich liegen die Tabelle mit beiden 21er-Gruppen, eine Zusammenfassungstabelle über fünf unabhängige Kennziffern (Sistrix-Sichtbarkeitsindex, SI-Rang, Similarweb-Besucher, Similarweb-Traffic-Rang, Facebook-Follower) und die 2022–2026-Entwicklung zugrunde.
Die kirchlich-religiösen Portale erreichen in Summe rund 190.800 Besucher pro Tag, die säkularen Portale rund 8.600 – ein Verhältnis von etwa 22:1. Das größte Einzelportal ist katholisch.de mit 61.600 Besuchern pro Tag (Traffic Rank 1.893 in Deutschland); auf säkularer Seite führt hpd.de mit 3.840 Besuchern pro Tag (Rang 20.343). 17 der 21 kirchlich-religiösen bzw. 3 der 21 säkularen Portale (hpd.de, dghs.de, giordano-bruno-stiftung) liegen oberhalb Rang 75.000 in Deutschland.
Auch beim Sistrix-Sichtbarkeitsindex (Summe 72,9 vs. 1,6; Faktor ~44) und bei den Facebook-Followern (600.900 vs. 111.400; Faktor ~5) zeigt sich ein deutliches Übergewicht der kirchlichen Seite – wenn auch bei Facebook spürbar schwächer ausgeprägt als bei der Web-Reichweite. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten: Geringe Sichtbarkeit heißt nicht, dass man keinen Erfolg hat, sondern dass Ereignisse nicht in die mediale Öffentlichkeit getragen werden.
Einschränkend gilt zudem: Die Spannbreite ist auch innerhalb der Gruppen sehr groß (kirchlich: Rang 1.893 bis 279.998; säkular: Rang 20.343 bis 527.223). Wenige große Portale – vor allem katholisch.de, kath.net, die-bibel.de und domradio.de – prägen das kirchliche Gesamtbild stark; ohne diese vier läge die Summe der kirchlichen Besucher/Tag bei rund 86.600 und damit „nur“ noch beim 10-fachen der säkularen Summe.
Ein Teil des Unterschieds lässt sich durch institutionelle Ressourcenausstattung erklären (professionelle Kirchenmedien vs. ehrenamtliche Vereine).
4.1. Katholisch.de: Am 28.09.2012 wurde der Relaunch von katholisch.de der Öffentlichkeit vorgestellt. 200.000 Besucher im Monat wurden damals genannt und es ging um die verbesserte Ansprache an „‘modernere Milieus‘ und ‚jüngere Zielgruppen‘, darunter Christen, die sich von der Kirche entfernt haben.“ Im Juni 2026 sind es 1,8 Mio. Besucher.
Zu katholisch.de heißt es auf der eigenen Seite: „Katholisch.de ist das Nachrichten- und Erklärportal der katholischen Kirche in Deutschland. Es berichtet tagesaktuell darüber, was die katholische Kirche, die Katholiken, alle Christen und an Religion Interessierte bewegt. Eine zentrale Aufgabe von katholisch.de ist es, wichtige Debatten in Kirche und Gesellschaft nicht nur zu spiegeln, sondern auch einzuordnen und mitunter die Leser mit wichtigen Hintergrundinformationen zu versorgen. Aus diesem Grund ist katholisch.de genauso auch ein Erklärportal und bietet über das Lexikon, den Heiligenkalender sowie auch das Stundenbuch zahlreiche Zugänge zu den unterschiedlichen Inhalten zu Kirche und Glaube. Die Redaktion kooperiert mit den 27 deutschen Diözesen und weiteren kirchlichen Institutionen.“
Die Redaktion besteht laut Impressum aus 17 Personen plus die Mitarbeitenden in Technik, Video, Social Media, Verwaltung und freie Autoren. Zu dem Etat gibt es keine offiziellen Angaben. Träger von katholisch.de ist die „Allgemeine gemeinnützige Programmgesellschaft mbH (APG)“, eine Tochter des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD), also des Rechtsträgers der Deutschen Bischofskonferenz. Das Portal wird damit aus dem VDD-Haushalt finanziert, der insgesamt durch Umlagen aller 27 (Erz-)Bistümer getragen wird. Nach Angaben von kath.net (Oktober 2019) unterstützte die Deutsche Bischofskonferenz katholisch.de mit rund zwei Millionen Euro jährlich; eine offizielle Bestätigung dieser Zahl liegt jedoch nicht vor.
Katholisch.de ist Teil eines größeren Netzwerkes und nennt weitere fünf Partner:

4.2. Die Internetseite www.religion-entdecken.de hat einen bemerkenswerten Anstieg ihres Sichtbarkeitsindex:

Schaut man auf die Seite, finden sich die Informationen, wer diese Seite inhaltlich und finanziell fördert. „Gefördert durch: Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) / Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend / Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien / Universität Kassel / Die Hanns-Lilje-Stiftung / Die Heinrich-Dammann-Stiftung / Die Bundeszentrale für politische Bildung / Die Dr. Buhmann Stiftung / Die Klosterkammer Hannover / Ein Netz für Kinder / Der Calwer Verlag / Der Thienemann-Esslinger Verlag / Das Religionspädagogische Institut Loccum / Die Freie Waldorfschule Hannover-Bothfeld / Der MDR-Rundfunkrat / Der SUMA-EV - Verein für freien Wissenszugang / Der Erfurter Netcode“
Dazu heißt es: „In Zusammenarbeit mit evangelisch.de.“ Im Impressum werden zwei Redakteure, fünf freie Mitarbeiter und 23 Autorinnen und Autoren genannt.
4.3. Im Vergleich zwischen diesen großen kirchlich-religiösen und den kleineren säkularen Internetportalen könnte man – u. a. unter dem Gesichtspunkt der Vernetzung und dem Themenangebot -, die großen kirchlich-religiösen Portale mit einem „Kaufhaus“ vergleichen, mit einer großen Anzahl von Abteilungen und Angeboten und einer großen Zahl von bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die säkularen Portale wären in so einem Vergleich etwas wie „Marktstände“ einzelner Anbieter, mit einem speziellen Angebot, das ‚ehrenamtlich‘ von einem Praktikanten oder mithelfenden Familienangehörigen betreut wird.
5. Variationen der Ergebnisse
Nun lassen sich die verschiedenen Kategorien der Daten von similarweb auch anders organisieren, indem für jede Zählkategorie eine jeweilige Rangliste mit den Plätzen von 1 bis 42 erstellt wird. Kennziffern, die sich gleichsam aufeinander beziehen, wie „Besucher Insgesamt“, „Seitenabrufe“, „traffic rank“ wurden nicht einbezogen, da ihre Kennziffern und damit ihre Rangfolge zu ähnlich sind.
Hintergrund dafür ist die Frage - um in den „Kaufhaus/Marktstand“-Vergleich zu bleiben -, ob ein kurzer Besuch (Aufenthaltsdauer) und gezielter (Bounce rate) Einkauf (Seiten pro Besuch) in einem Kaufhaus (Besucher pro Tag) von eher Jüngeren (Anteil Mobile) ebenso eindrucksvoll und wichtig ist, wie der bewusste Besuch und Einkauf am kleinen spezialisierten Marktstand mit längerer Beratung?
Im Sichtbarkeitsindex kann eine hochspezialisierte Seite für ihr Publikum wertvoll sein und trotzdem nur einen winzigen Index haben, weil ihr Thema einfach selten gegoogelt wird.

Sortiert man die 42 Portale nach der Summe ihrer Kategorienplätze, so ergibt sich ein anderes Bild (Tabelle 17) als die Reihenfolge der Seitenbesucher. Von den ‚Top Twenty-One‘ sind 11 säkulare Portale und 10 kirchlich-religiöse.

Aber der Unterschied im „Umsatz“ (Anzahl der Besucher) und ihr „Einkauf“ (Seitenaufrufe bzw. Verweildauer) bleibt dennoch erhalten. Für die beiden am häufigsten besuchten kirchlich-religiösen/säkularen Seiten (katholisch.de / hpd.de) ergibt sich für die Seitenaufrufe eine Relation von 123.266 / 9.446 (das 13fache) und für die Verweildauer 93.477 / 9.408 Minuten (das 10fache).
6. Relationen
6.1. Zielgruppen
Die – auf den ersten Blick – beeindruckende Zahl von täglich rund 62.000 Seitenbesuchern (katholisch.de) relativiert sich, wenn man sie zu der ‚Zielgruppe‘ in Relation setzt.
Aus der ARD-ZDF Medienstudie ist bekannt, dass rund 83 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren täglich im Internet ‚unterwegs‘ sind, je jünger, desto höher ist der Anteil.

In einer vereinfachten Überschlagsrechnung (auf Grundlage der Angaben des Statistischen Bundesamtes) lebten Ende 2024 in Deutschland 83.577.140 Personen, von denen 10.840.865 (= 13 Prozent) bis unter 14-Jährige waren, sodass 72.736.275 Personen 14 Jahre und älter waren, von denen 83 Prozent täglich im Internet sind, das sind rund 60,4 Millionen Personen.
Von den 17,2 Mio. römischen Katholiken über 14 Jahren sind das 14,3 Mio. katholische Kirchenmitglieder, die täglich online sind. Die rund 62.000 Seitenbesucher sind 0,4 Prozent dieser ‚Zielgruppe‘. Jeweils 10.000 weitere oder weniger verändern diesen Anteil um 0,07 Prozentpunkte. Nimmt man alle 191.000 Besucher der 21 kirchlich-religiösen Internetseiten zusammen, so sind das (bei 27,36 Mio. täglich online aktiven katholischen und evangelischen Kirchenmitgliedern) ein Anteil von 0,70 also weniger als 1 Prozent.
Die rund 3.800 täglichen Seitenbesucher des meistbesuchten säkularen Internetportals (hpd.de) sind von der möglichen Zielgruppe der im Internet täglich anwesenden Konfessionsfreien über 14 Jahren (28.250.000 Personen) 0,013 Prozent. Die gesamten 8.600 täglichen Besucher aller 21 säkularen Internetseiten sind 0,03 Prozent der möglichen Zielgruppe der Konfessionsfreien.
Die täglichen Besucher der 21 genannten kirchlich-religiösen und 21 säkularen Portalen zusammen werden entsprechend von 0,73 Prozent der Bevölkerung beachtet. Das spricht dafür, dass sich ‚die Bevölkerung‘ für religiös-weltanschauliche Themen und Fragen nicht interessiert – zumindest nicht im Internet.
6.2. Andere Seiten im Internet
Vergleicht man die Tagesbesucher von kirchlich-religiösen bzw. säkularen Portalen mit anderen Portalen in Deutschland, die medial Informationen anbieten, so besuchen die Internetseite von bild.de das 94fache der Tagesbesucher von katholisch.de und gegenüber den Tagesbesuchern von hpd.de ist es das 1.915fache.

Für die kirchlich-medialen Anbieter gilt zusätzlich, dass sie mit ihren konfessionellen Nachrichtenagenturen KNA (Katholische Nachrichten-Agentur. Motto: „Fakten sind uns heilig“) und epd (Evangelischer Pressedienst. Motto: „Wir setzen Schwerpunkte“) weitgefächert Medien mit ihren Ausarbeitungen beliefern und dort täglich zu lesen sind. Das gibt es für die säkulare Szene nicht.
6.3. Ja, und?
Die unterschiedlichen Seitenbesuche und Traffic Ranks verdeutlichen eine gesellschaftliche Realität. Die Kennziffern der kirchlich-religiösen entsprechen – sogar in ihren Größenordnungen – den Teilnehmerzahlen an den Kirchen- und Katholikentagen. In dieser Hinsicht sind sie Indikator für die Gruppe der Aktivisten unter den Kirchenmitgliedern, die dieses Engagement auch in die Gemeinden tragen. Sie sind dabei in eine religiöse-kirchliche ‚Unterfütterung‘ bzw. ‚Einbettung‘ mit einer gemeinsamen Basis eingebunden. Im säkularen Spektrum gibt es dieses ‚Fundament‘ nicht. Es gibt bekannte Einzelpersönlichkeiten mit ihren Publikationen, aus denen aber noch kein gemeinsamer ‚Wertekanon‘ entstanden ist.
6.4. Säkularisierung?
Kirchenaustritt und Entkirchlichung haben fast ausschließlich strukturelle, gesamtgesellschaftliche Ursachen, nicht organisierte Agitation: funktionale Differenzierung (Staat, Wissenschaft, Wohlfahrt brauchen die Kirche nicht mehr, um zu funktionieren), der Siegeszug liberaler, postmaterialistischer Werte (Selbstbestimmung, Geschlechtergleichheit, Akzeptanz von Homosexualität), Individualisierung und die schlicht größere Konkurrenz an Sinn- und Freizeitangeboten – „mit Freunden sprechen, ins Theater gehen“ funktioniert auch ohne Kirche.
Die säkularen Organisationen mussten nie besonders laut oder groß werden, weil Säkularisierung nicht durch Überzeugungsarbeit passiert, sondern als Nebeneffekt der Modernisierung. Die meisten Menschen treten nicht aus, weil ein Atheist sie argumentativ überzeugt hat – obwohl das vorkommen soll -, sondern weil die Kirche in ihrem Alltag nicht mehr wichtig ist (fowid, 2018: „Wichtigkeit von Religion und Kirche in Deutschland.“) Das erklärt zugleich, warum säkulare Verbände strukturell klein und unterfinanziert geblieben sind: Ihre eigentliche „Zielgruppe“ – Menschen, die aktiv für einen Austritt argumentative Schützenhilfe suchen – ist kleiner, als es die religionskritischen Selbstwahrnehmungen von Säkularen in der ‚Aufschwungsphase 2004-2011‘ annehmen ließen. Die Frontstellungen dieser Jahre bieten eine entkonfessionalisierte Mehrheitsgesellschaft nicht mehr: Die Kirchen haben die Jugend verloren, aber die Konfessionsfreien haben sie nicht für sich gewinnen können.
Die Säkularisierung selbst läuft davon unbeeindruckt weiter – sie war nie besonders auf organisierte säkulare Kommunikation angewiesen.
7. Einordnung der Ergebnisse
7.1. Rückblick 2012/2013
„Ohne Moos nix los!“ ist eine übliche Abwehr und Erklärung von Säkularen für die mangelnde Präsenz und die geringen Besucherzahlen säkularer Internetportale. Das ist im Grundsatz richtig, aber Geld alleine ist es auch nicht. Als die katholische Kirche 2012 den Relaunch von katholisch.de bekanntgab, gab es auch bemerkenswerte säkulare Aktivitäten. Zwei Beispiele.
Zwei säkulare Internetportale, mit geringem Etat aber facettenreichem Angebot und einer entsprechenden Nachfrage, lagen im April 2012 auf ‚Augenhöhe‘ der Alexa-traffic-ranks in Deutschland mit kirchlich-religiösen Portalen: evangelisch.de (7.624), hpd.de (11.896), gwup.org (21.245) und katholisch.de (25.829).
Der Deutsche Humanistentag 2013 in Hamburg erhielt von den Säkularen Grünen folgende Ankündigung: „Ein umfangreiches Programm rund um säkulare Themen bietet der Deutsche Humanistentag 2013, der vom 30.04. bis 04.05.2013 in Hamburg während des Evangelischen Kirchentages stattfinden wird. […] Referate und Diskussionen zu den Themen „Staat und Kirche“, „Medienmacht Kirche“, „Die Kirche, beste Geschäftsidee“, über die aktuelle Entwicklung im Vatikan, zu Alternativen zum Religionsunterricht in Schulen „Lebenskunde – in Berlin ein Erfolgsmodell“, aber auch zu Themen wie „Patientenverfügung“, „Suizidhilfe“, „Weltlicher Humanismus in Hamburg“, „Religionsfreie Spiritualität“ und der Frage der Bedeutung von Religion in der Gesellschaft stehen ebenso auf dem Programm wie die Vorstellung säkularer Verbände (darunter der Koordinationsrat säkularer Organisationen / KORSO) in Deutschland.
Zahlreiche in der säkularen Szene bekannte ReferentInnen werden ihre Thesen vertreten und mit dem Publikum diskutieren. Auch der Hamburger evangelische Landesbischof Ralf Meister, Pastoren und der frühere Hamburger Bürgermeister Dr. Henning Voscherau sowie Hamad Abdel Samad sind an den Debatten beteiligt. Abgerundet wird das Programm u. a durch musikalische Darbietungen, einem Tanz in den Mai und dem Vortrag humanistischer Texte durch TeilnehmerInnen der Jugendweihe.“
Das Ganze dauerte vier Tage, die ‚Hütte‘ war voll, mit ausführlicher medialer Begleitung (Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4.) Das HOAXILLA-Team von spektrum.de führte Interviews und berichtete in Podcasts, die auch weitere Verbreitung fanden, bis hin zu RTL+ und der TAZ „Mal Dialog, mal Hitler-Vergleich“. Auch die EZW widmet dem Deutschen Humanistentag 2013 einen ausführlichen Bericht: „Klein, zerstritten, einflussreich.“
Zum Deutschen Humanistentag 2019 notiert ein kirchlicher Beobachter des EZW:„Nach meinem Eindruck besuchten überwiegend Funktionsträger und Mitglieder humanistischer bzw. atheistischer Organisationen den Hamburger Humanistentag. Sollte meine Beobachtung stimmen, hätte dieses mehrtägige Treffen vor allem den Charakter einer Selbstverständigung innerhalb der säkularen Szene über gemeinsame Themen, Inhalte und Strategien.“
Der Humanistentag 2026 in Hamburg fand an einem Tag statt und hatte von alledem beinahe nichts mehr, die Besucherzahl war gering.
7.2. Chronologie
Um sich die Entwicklung und den heutigen Stand von säkularen Organisationen zu vergegenwärtigen, mag eine Chronologie 1993-2026 helfen.
Darin zeigt sich u.a., dass die Giordano-Bruno-Stiftung das klassische Muster von Bewegungsinstitutionalisierung zeigt: Aus einer Kampagnenbewegung wird eine professionalisierte NGO mit ‚Rechtsabteilung‘, Stiftungsvermögen und Verwaltung – stabiler, aber nicht mehr medienwirksam: die Kampagnen verschwinden zugunsten der juristischen Verfahren.
Ebenso ist der sozial-praktische Flügel der Säkularen - der HVD - im selben Zeitraum keineswegs still geworden: Körperschaftsstatus 2017, eigene Hochschule seit 2023, wachsender Lebenskunde-Unterricht. Nur produziert Institutionsaufbau keine Schlagzeilen.
Heute sind beide Organisationen größer als je zuvor und gleichzeitig leiser als lange nicht – was sich entsprechend auch in den Kennziffern der Öffentlichkeit ihrer Portale im Internet zeigt.

7.3. Säkulare / Konfessionsfreie
Im Folgenden eher anekdotische Facetten aufgrund der eigenen Beobachtung und aus Gesprächen mit Freunden.
7.3.1. „Kreise“ / „Foren“
Kirchlich-religiös Organisierte tendieren dazu, „Kreise“ zu bilden: Konfirmandenkreis, Elternkreis, bis hin zu Singkreisen. Wenn jemand zusammen mit anderen singen will, kommt man an einem Kirchenchor kaum vorbei. Säkulare bilden „Foren“, auf denen sich dann die Einzelnen darstellen und produzieren (können).
7.3.2. „Die unsichtbare Hand“
Kirchlich-religiöse Orientierung beziehen sich häufig auf den Aspekt „Gemeinschaft“. Manche Säkulare fragen dann skeptisch: „Ja?“ und antworten: „Wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht.“ Eine Aussage, die auf den Ökonomietheoretiker Adam Smith und seine „unsichtbare Hand“ zurückgeführt wird, der „die unbewusste Förderung des Gemeinwohls beschrieb. Wenn alle Akteure an ihrem eigenen Wohl orientiert seien, führe eine angenommene teilweise oder vollständige Selbstregulation des Wirtschaftslebens zu einer optimalen Produktionsmenge und Produktqualität sowie zu einer gerechten Verteilung der Güter.“
Heute eher ironisch genutzt, um – in der Betonung der individuellen Selbstbestimmung - den Verlust von Zusammenhalt und Solidarität in der Gesellschaft zu beschreiben. Was Adam Smith als „Markt“ beschrieb, beruhte auf repressionsfreiem Austausch und Anerkennung der Teilnehmer. Wenn jemand in extensiver Interpretation des individuellen Selbstbestimmungsrechts auf die Frage: „Welche drei Personen sind dir wichtig“, dreimal „Ich“ sagt, befindet sie bzw. er sich nicht mehr im Austausch und anerkennt niemanden, außer sich selbst.