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Bedeutung der "Hausfrauenrolle" in Abhängigkeit der Religiosität

Hausfrauenrolle und Religiosität

Mit der Frage, ob es besser sei, wenn der Mann voll erwerbstätig ist und die Frau sich um Haushalt und Kinder kümmert, wurde nach der Bedeutung der traditionellen „Hausfrauenrolle“ in mehreren ALLBUS-Studien gefragt. Im Abstand von jeweils 4 Jahren wurde dabei auch die zugehörige Konfession der Befragten erfasst. Man kann nur noch bedingt den Schluss ziehen, dass je religiöser sich die Befragten einordnen, desto stärker sie auch dieser Auffassung einer traditionellen Frauenrolle zustimmen.

Die traditionelle „Hausfrauenrolle“ - die mit den drei Elementen „Küche-Kinder-Kirche“ beschrieben wurde - ist in der folgenden Auffassung enthalten:

„Es ist für alle Befragten viel besser, wenn der Mann voll im Erwerbsleben steht und die Frau zu Hause bleibt und sich um den Haushalt und die Kinder kümmert.“

In den ALLBUS-Studien 2004, 2008 und 2012 wurde diese Frage gestellt und - kombiniert mit der Angabe der zugehörigen Konfession der Befragten - zeigt sich, dass diese Zuweisungen für Menschen die evangelisch oder katholisch sind, eine größere Zustimmung erhält. In den Jahren 1982 bis 2000 wurde bei dieser Fragestellung die religiöse Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1 -10 abgefragt. 2012 ist diese Tendenz geblieben. Man kann nur noch bedingt den Schluss ziehen, dass je religiöser sich die Befragten einordnen, desto stärker sie auch dieser Auffassung einer traditionellen Frauenrolle zustimmen.

Hausfrauenrolle nach Religiosität

Deutlich wird in dem Ergebnis der Umfrage, dass generell über alle Konfessionen hinweg die Zustimmung zur traditionellen Frauenrolle als Hausfrau und Mutter auch bei den Protestanten und Katholiken abnimmt.

Die Unterscheidung nach Alten und Neuen Bundesländern zeigt deutlich den erwarteten Unterschied.

In den Alten Bundesländern hat die Zustimmung zu dieser traditionellen Hausfrauenrolle hinsichtlich aller Befragten immer weiter abgenommen und es waren 2012 nur noch ca. 20 Prozent, die dieser Auffassung zustimmen. Die Zustimmung in den Neuen Bundesländern ist mit 3 bis 5 Prozent der Befragten eindeutig geringer. Bemerkenswert ist, dass der Anteil der Zustimmung im Jahr 2012 in den Neuen Bundesländern etwas angestiegen ist. Ursache dafür könnten Wanderungsbewegungen von West nach Ost, sowie das sich Abfinden mit Arbeitslosigkeit von Frauen sein. Dennoch stimmen ca. 74 Prozent der West-Befragten und 80 Prozent der Ost-Befragten der Auffassung - dass der Mann arbeiten geht und die Frau zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert - eher nicht oder ganz und gar nicht zu.

Hausfrauenrolle_Ost_West

Hinsichtlich der Selbsteinstufung der eigenen Religiosität ist der Zusammenhang nicht mehr so eindeutig. Jedoch ist insgesamt die Ablehnung dieser traditionellen Familienauffassung, der sich selbst als „nicht religiös“ einstufenden, sehr deutlich. Im Osten ist dies stärker (ca. 45 Prozent) als im Westen (ca. 13,5 Prozent) zu sehen. Die Zustimmung zu dieser Rolle als Frau und Mutter ist über alle religiöse Selbsteinstufung gering, liegt im Westen jedoch etwas höher (ca. 12 Prozent der Befragten) als im Osten (ca. 4 Prozent). Kurios ist, dass im Osten 7 Prozent, die sich als „nicht religiös“ eingestuft hatten, der tradierten Auffassung zur Rolle der Frau in der Familie zustimmen. Eine Erklärung für dieses Phänomen kann derzeit nicht gegeben werden und müsste extra untersucht werden. Möglicherweise hängt es mit der veränderten Arbeitsplatzsituation, die sich besonders auf die ostdeutschen Frauen ausgewirkt hat, zusammen.

Anmerkung:

Während in den 80er und auch noch den 90er Jahren ein Großteil der ostdeutschen Frauen trotz Familie voll berufstätig waren, sind diese heute nach der Geburt eines Kindes kaum noch in irgendeinem Beruf anzutreffen. Möglicherweise ist das Ergebnis der Befragung ein Ausdruck des sich Abfindens mit Arbeitslosigkeit und „Flucht“ in die Mutter- und Hausfrauenrolle nach altem Muster. Dass dies besonders bei „nicht religiösen“ anzutreffen ist, könnte Zufall sein und müsste in den nächsten Jahren weiter beobachtet werden. Der Unterschied in den Antworten zwischen 1982, 1992 und 2012 wird vermutlich zu einem großen Teil auf die Veränderung der Grundgesamtheit, anfangs durch die deutsche Einheit, später durch gesamtgesellschaftliche Veränderungen, verursacht.

Es bleibt jedoch bemerkenswert, dass zwischen 1992 und 2012 die Unterschiede in der sich verringernden Zustimmung zur klassischen Rollenaufteilung der Kleinfamilie sich besonders bei den sich als religiös Einstufenden zeigen, d. h. dass sich auch die „Religiösen“ einer gesellschaftlichen Entwicklung nicht verschließen (können). Es sind nur noch etwa 25 Prozent, die dieser Auffassung zustimmen.

Hausfrauenrolle Tabelle 1

Die prozentuale Verteilung der Zustimmung und Ablehnung zur historischen Frauenrolle in der Familie unabhängig der religiösen Selbsteinstufung zeigt den Unterschied zwischen neuen und alten Bundesländern. Die größten Unterschiede sind in den beiden extremen Aussagen „stimme zu“ und „stimme gar nicht zu“ zu finden. Während im Osten über die Hälfte der Befragten die traditionelle Frauenrolle ablehnen ist es im Westen nur rund ein Drittel. Befürwortung findet diese Auffassung im Osten nur von knapp 4 Prozent, während sich im Westen immerhin ein Achtel voll und ganz damit identifizieren können.

Hausfrauenrolle prozentuale Verteilung Ost_West

Anmerkung:

Das hinsichtlich der religiösen Intensität generelle und parallele Absinken dieser Zuweisung kann auf eine individuelle „Modernisierung“ religiöser Vorstellungen verweisen, die sich dem gesellschaftlichem Gedanken der Emanzipation nicht verschließen kann.

Traditionelle Männer- u Frauenrolle
Hausfrauenrolle Tabelle 2