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Konfessionsfreie Identitäten

Zu dem Drittel der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland, die keiner Kirche angehören, liegen kaum detaillierte Erkenntnisse vor, welche weltanschaulichen Auffassungen und wertebezogenen Orientierungen in der Gruppe der Konfessionsfreien verbreitet sind. Daraufhin begann im vergangenen Jahr erstmalig eine wissenschaftliche Befragung. Sie widmete sich dieser Fragestellung unter dem Titel „Konfessionsfreie Identitäten“, die von vier renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelt worden ist. Die Studie unter federführender Leitung der Psychologin Dr. Tatjana Schnell (Universität Innsbruck) wurde in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark durchgeführt. Nun liegen die ersten Ergebnisse vor.

Nationalität der Befragten

Die Studie

Im Oktober 2016 begann erstmalig eine wissenschaftliche Befragung zu lebensweltlichen Identitäten und weltanschaulichen Auffassungen konfessionsfreier Menschen in fünf europäischen Ländern. Mithilfe einer Online-Befragung bis zum Ende des Jahres, die über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde und sich an alle Konfessionsfreien richtete, sollte herausgefunden werden, wodurch die lebensweltlichen Identitäten konfessionsfreier Menschen geprägt sind. In einer ersten Auswertung wurden die deutschen, österreichischen und Schweizer Teilnehmer der Umfrage berücksichtigt.

Die Fragen nach den Weltbildern und welche Erfahrungen die Menschen dabei sammeln, war ebenso Thema, wie die Frage nach anderen, nicht-religiösen Organisationen, denen sich die Einzelnen zugehörig fühlen. Ziel ist es, mehr Wissen über die Vielfalt der Weltbilder zu gewinnen, damit den unterschiedlichen Fragen auch in der Gesellschaft Gehör verschafft werden kann.

Die Psychologin Dr. Tatjana Schnell, Professorin am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck, hat gemeinsam mit mit den Wissenschaftlern Elpine de Boer (Universität Leiden), Peter La Cour (Universität von Kopenhagen) und Hans Alma (Universität für Humanistische Studien, Utrecht) eine neue Untersuchung entwickelt. Es konnten insgesamt 1.833 beantwortete Fragebögen ausgewertet werden. Dabei ergab sich, dass nahezu doppelt so viele Männer wie Frauen teilgenommen haben. Die Teilnehmer waren im Alter von 16 bis 100 Jahre, wobei die meisten (zirka zwei Drittel) zwischen 22 und 51 Jahre alt waren.

Teilnehmerzusammensetzung
Alter der Teilnehmer

Menschen ohne Zugehörigkeit zu einer Kirche oder anderen Religionsgemeinschaft blieben bisher bei der empirischen Sozialforschung weitgehend unbeachtet. Es ist aber wichtig, dass die Existenz, die Relevanz und die Interessen von konfessionsfreien Menschen auch zunehmende Aufmerksamkeit in der Wissenschaft finden und entsprechend empirisch untersucht werden. Diese Untersuchungen sind nun europäisch vergleichend und auf Dauer in die universitäre Forschung eingebettet. Für den praktischen Humanismus, der sich an Menschen in allen Lebenslagen richtet, ist verlässliches Wissen über Konfessionsfreie erstrebenswert, um Angebote an Dienstleistungen und Unterstützung durch konfessionsfreie Organisationen gezielt weiterzuentwickeln.

„Empirische Sinnforschung“ ist einer der Forschungsschwerpunkte von Dr. Tatjana Schnell. In diesem Rahmen wurde wissenschaftlich untersucht, wie Menschen ihrem Leben einen Sinn geben und wie sie sich darin unterscheiden. Das Wissen und das Bewusstsein von der Vielfalt weltanschaulicher Auffassungen, Praktiken und Werteorientierungen sind notwendig für eine Demokratie. Erstmals sollten hier eingehender die lebensweltlichen Identitäten von Menschen ohne Konfessionszugehörigkeit betrachtet werden.

Der Familienstand der Teilnehmenden verteilte sich nahezu gleichmäßig auf Verheiratet (35 Prozent), Single (29 Prozent) und in Partnerschaft Lebende (29 Prozent).

Familienstand der Teilnehmer

Bei bisherigen psychologischen Studien wurden weltanschauliche Fragen nur in Form von „Religion“ oder „Spiritualität“ einbezogen. Menschen wurden danach beurteilt, ob und wie stark sie über religiöse Überzeugungen, Erfahrungen, Handlungen verfügen. Das Nichtvorhandensein wurde nicht als forschungswürdig angesehen. Dabei können nicht-religiöse und nicht-spirituelle Haltungen mit ganz unterschiedlichen Positionen verknüpft sein. Dies bezieht sich nicht nur auf eine gänzliche Ablehnung von Religion, sondern kann auch ein alternatives Lebenskonzept sein, über dessen Verbreitung und persönliche Ausgestaltung noch sehr wenig bekannt ist.

Bei der Auswertung der sexuellen Orientierung stellen die Heterosexuellen die größte Gruppe (fast 85 Prozent), aber auch Homo- und Bisexuelle stellen mit 5 und 9 Prozent signifikante Gruppierungen dar.

Sexuelle Orientierung der Teilnehmer

Da säkulare Weltanschauungen bisher sehr selten im Fokus der Forschung standen, gibt es kaum wissenschaftlich verlässlich ermittelte Daten. Es wurde bisher vor allem das Fehlen von Religiosität ermittelt, was der Sache nicht gerecht wird. Es wurde in den Umfragen fast immer von den „Nones“ gesprochen, also von denjenigen, die sich nicht bei den vorgegebenen Identifikationsmöglichkeiten (Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus etc.) wiederfinden, die sich mit „Nichts“ identifizieren. Über diese Nones gibt es schon einige Studien. Aber die unterschiedlichen Denkweisen zwischen Atheismus, Agnostizismus, Nontheismus oder Ähnlichem sind kaum erforscht.

Die Auswertung der Selbsteinschätzung zur finanziellen Lage der Teilnehmer brachte eine durchschnittliche Konstellation der Finanzen zu Tage, das heißt, die meisten betrachten sich als ausreichend finanziell ausgestattet. Die Tendenz zeigt sogar zu etwas überdurchschnittlichem Einkommen.

Finanzielle Lage der Teilnehmer

Bei der Selbsteinschätzung des politischen Spektrums ist bemerkenswert, dass sich die meisten links orientieren, viele in der Mitte, aber kaum rechts (weniger als 5 Prozent).

Politisches Spektrum der Teilnehmer

Bisherige Forschungen

Dr. Tatjana Schnell hat 2015 bereits eine Studie zu den Dimensionen von Säkularität durchgeführt und dabei eigene Skalen entwickelt. Obwohl etliches über gängige Glaubensbekenntnisse bekannt ist, sind diejenigen, welche sich als weltlich identifiziert haben, bislang weitgehend vernachlässigt worden. Um eine Dimensionsbewertung verschiedener Aspekte von säkularen Identitäten zu ermöglichen, wurde die Bestandsaufnahme der Säkularität (DoS) entwickelt. Es misst Atheismus, Agnostizismus und mehrere philosophische Orientierungen (Wissenschaft, persönliche Verantwortung, Humanismus). Diese Konstrukte werden nicht als feststehend angesehen und Forscher sind angehalten, weitere Skalen hinzuzufügen. Bisher rückten Nichtreligiöse kaum als untersuchenswerte Gruppe ins Blickfeld. Die Sozialforschung hatte bislang nur die Ausprägung bestimmter Merkmale, Positionen und Einstellungen bei Menschen untersucht und herausgefunden, mit welchen Erfahrungen sie zusammenhängen. Erst als sich zunehmend nicht-religiöse Menschen bemerkbar machten und zeigten, dass sie nicht nur nicht-religiös, sondern eigenständige, alternative Weltanschauungen haben, wurden sie zunehmend beachtet. Im Allgemeinen gibt es die Möglichkeit, sich zu den großen Religionsgemeinschaften zu bekennen oder sich unter der Rubrik „andere“ einzuordnen. Dies wird von Konfessionsfreien bemängelt, da eine nicht-konfessionsgebundene Weltanschauung nicht angegeben werden kann.
In den Benennungen verschiedener Gruppierungen findet man unterschiedliche Begriffe. Es ist jedoch oft nicht ersichtlich, ob hinter den unterschiedlichen Begriffen auch unterschiedliche Überzeugungen stehen. Bei der aktuellen Studie sollte auch dies durch verschiedene Antwortprofile herausgefunden werden.

In einem Interview sagte Tatjana Schnell: „Wir haben die folgenden Differenzierungen verwendet: Anti-TheistInnen, AtheistInnen, AgnostikerInnen, HumanistInnen, FreidenkerInnen, Säkulare, Religionslose, Sonstiges (mit offenem Antwortformat). Dabei geht es uns darum, die Verteilung verschiedener Identifikationen zu erfassen – welche sind wie häufig in den verschiedenen Ländern vertreten? Dies ist u. a. deshalb relevant, weil BürgerInnen zu verschiedensten Anlässen gebeten werden, ihre konfessionelle/weltanschauliche Bindung anzugeben.“

Bei der Auswertung der Fragebögen tauchten dann neben den vorgegebenen Differenzierungen zahlreiche andere Bezeichnung für die eigene weltanschauliche Positionierung auf. Neben den geläufigen, wie z. B. Buddhist, Konfessionsfrei, Pantheist und Rationalist tauchten hier auch Bezeichnungen wie Mensch, Nihilist oder Normal auf. Jeder sieht sich eben irgendwie anders.

Weltanschauliche Orientierung

Speziell wurde in der Studie auch die Zugehörigkeit zu säkularen Organisationen erfragt. Gibt es Unterschiede zwischen den „organisierten“ Säkularen und den „unorganisierten“? Diese Frage muss noch aus den ermittelten Daten geklärt werden. Doch es gibt kleinere bis größere Unterschiede zwischen den organisierten Konfessionslosen in ihren Auffassungen zu Lebenszufriedenheit, Wissenschafts- und Technikorientierung und Humanismusorientierung.

Säkulare Organisationen

Es gab mehrere Gründe, auch die Frage um höhere Mächte, Naturverbundenheit und Meditation mit einzubeziehen. Für die Erfassung nicht-religiöser Weltanschauungen stehen erst sehr wenige wissenschaftlich überprüfte Daten zur Verfügung. Doch in der internationalen Forschung (z. B. durch das Atheist Research Collaborative) zu diesem Thema werden religiöse und spirituelle Inhalte erfasst, um Konfessionsfreie zu identifizieren und zu erforschen. Dabei deuten niedrige Werte auf ein nicht-religiöses oder nicht-spirituelles Selbstverständnis hin. Die jetzige Studie sollte an diese Ergebnisse anschließen und vergleichbar sein.

Vergleich zwischen Organisationen
Tabelle Orientierung

Zum Anderen wurde besonders in den letzten Jahren von Konfessionsfreien darauf hingewiesen, dass auch bei Religionsfreiheit Gefühle des Eins-Seins mit der Natur (Einheitserfahrung) oder des Staunens erlebt oder ein spirituelles Bewusstsein entwickelt werden können. Es ist ein Vorurteil, wenn dies Religionsfreien abgesprochen wird. Verschiedene einflussreiche Veröffentlichungen vertreten diese Position, wie z. B. in den Veröffentlichungen von André Comte-Sponvilles, Ronald Dworkins, oder Allain de Bottons. In der Studie wurde herausgearbeitet, wie verbreitet diese Erfahrungen und Einstellungen sind.

Säkularität=Rationalität?
Tabelle Säkularität=Rationalität?

In einer Zufallsstichprobe, die aus der gesamten österreichischen Bevölkerung gezogen wurde, hat sich gezeigt, dass Atheismus einen stärkeren Bezug zu Wissenschaft und Technik aufweist als Agnostizismus. Die Ablehnungen von religiösen Überzeugungen, religiöser Zugehörigkeit und Spiritualität assoziiert viel stärker mit Atheismus als mit Agnostizismus, obwohl sie sich bei beiden zeigen. Interessanterweise hat sich der oft postulierte Geschlechtereffekt, dass Atheismus eher eine männliche Position sei, nicht bestätigt. Atheistische Haltungen sind ebenso häufig bei Frauen wie bei Männern. Auch zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Atheismus und Bildungsstand. Ob dies einen gesellschaftlichen Wandel ankündigt oder eine Spezifität der Stichprobe war, sollte durch die neue, international vergleichende Erhebung geklärt werden.

Es gibt Hinweise darauf, dass Atheistinnen und Atheisten eher analytisch als intuitiv denken. Ihr Gefühlsleben scheint weniger intensiv zu sein. Mehrfach repliziert wurde der Befund, dass Atheismus offenbar einen gewissen Schutz vor Depression bieten kann. Die geringste Depressionsrate hatten tiefgläubige Christinnen und Christen, gefolgt von Menschen mit atheistischen Auffassungen. Moderat gläubige christliche Personen litten am häufigsten unter Depressionen.

Einige Studien zeigten ein niedrigeres Wohlbefinden bei nicht-religiösen Menschen. In einer der Studien zeigte sich dies aber auch bei überzeugten Atheisten im Hinblick auf das Sinnerleben. Doch gab es Unterschiede bezüglich ihrer Lebensbedeutungen. Zwei der Gruppen berichteten wenig Lebenssinn, die dritte aber unterschied sich nicht vom Bevölkerungsdurchschnitt. Und unter einer Sinnkrise litt nur eine sehr kleine Gruppe. Die Frage, ob gottlos zu leben gleichzeitig einen Werteverlust beinhaltet, konnte hier schon hinreichend geklärt werden. Die Werte liegen bei allen untersuchten Gruppen deutlich über dem Mittelwert 3. In einer anderen Studie wurden für Religiöse und Spirituelle Werte über 4 ermittelt.

Gottlosigkeit keine Werte?

In der neuen Studie konnten Atheismus und Agnostizismus miteinander verglichen werden. Atheismus stand in starkem Gegensatz zu religiöser Zugehörigkeit, religiösen Überzeugungen und Spiritualität. Bei Agnostizismus war dieser negative Zusammenhang deutlich schwächer ausgeprägt. Interessanterweise fanden sich bei manchen atheistisch denkenden Teilnehmenden auch außersinnliche Erfahrungen wie Telepathie oder ein siebter Sinn; bei Agnostikerinnen und Agnostikern war dies noch häufiger.

Auch die Frage, ob sich die Konfessionsfreien mehr dem Vergnügen und Spaß hingeben, wurde untersucht - die Werte liegen knapp unter den Höchstwerten. Also Spaß am Leben haben sie allemal. Doch auch das Aufgehen, sich Versenken, in Tätigkeiten ist bei den einzelnen konfessionsfreien Gruppen nicht unerheblich vertreten. Mit Werten um 3 auf einer Skala von 1 bis 5 ist dies überdurchschnittlich.

Hedonisten?

Es ist den Außenstehenden kaum ersichtlich, wie die verschiedenen Konstrukte analysiert werden. Die Fragestellungen waren zum Teil für die Anwender nicht gut verständlich, zumal die Beantwortung einer Frage aus verschiedenen Richtungen nötig war. Für die Beteiligten machte es den Eindruck, mehrfach auf dieselbe Fragen antworten zu müssen. Doch die Psychologie verlangt Antworten auf eine Frage aus den verschiedensten Zusammenhängen heraus. Die psychologische Testentwicklung hat durch bestimmte Fragestellungen vermieden, Tendenzen zu sozial erwünschtem Verhalten vorzugeben und damit die Ergebnisse stark zu verzerren. Die Möglichkeit, gottlos durch gesellschaftliche Verhältnisse fremdbestimmt zu werden, kann z. B. gut identifiziert werden. Beispielsweise bedeutet eine Ablehnung der Aussage zu Fremdbestimmung durch übersinnliche Mächte nicht, dass keine Fremdbestimmung angenommen wird, sondern nur keine Fremdbestimmung durch übersinnliche Mächte. Ebenso ist eine Ablehnung der Aussage, in Wissenschaft und Technik zu vertrauen, nicht so zu verstehen, dass stattdessen in eine höhere Macht vertraut wird.

Die Untersuchungen fanden in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie in den Niederlanden und Dänemark statt. Die Studien in Österreich, Deutschland und Niederlanden wurden fast zeitgleich durchgeführt, die dänische Studie begann aus organisatorischen Gründen etwas später. Spezielle Situationen in den einzelnen Ländern wurden berücksichtigt, so ist bekannt, dass in den Niederlanden säkularen Organisationen Mitspracherechte eingeräumt werden. Verschiedenste Angebote, wie z. B. Beratung, Begleitung in Krisen, Palliative Care, sind auch spezifisch für Konfessionslose entwickelt worden. Dänemark scheint diesbezüglich auch schon weiter zu sein als Deutschland und die Schweiz. In Österreich sind recht wenige solcher Angebote bekannt. Bisher liegen jedoch wenige verlässliche Daten dazu vor. Auch über das persönliche Erleben der konfessionsfreien Menschen in den verschiedenen Ländern ist noch nichts bekannt. Stehen Wohlbefinden und Gesundheit von Konfessionsfreien mit gesellschaftlicher Anerkennung in Verbindung? Geht eine fehlende Anerkennung auch mit erlebten Vorurteilen und Benachteiligungen einher? In den für die Studie einbezogenen Ländern – Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande und Dänemark – herrschen recht unterschiedliche Bedingungen, was die Anerkennung und Mitsprachemöglichkeiten von Konfessionsfreien angeht. Vermutlich spiegeln sich diese sozialen Bedingungen in den persönlichen Lebenswelten der konfessionsfreien Menschen wider. Dazu gibt es bisher noch keine empirischen Daten und die neue Studie sollte darüber Erkenntnisse bringen. Sie soll neue Einblicke ermöglichen hinsichtlich der Unterschiedlichkeit von Überzeugungen und Persönlichkeiten der Mitglieder verschiedener nicht-religiöse Organisationen. Wie unterscheiden sich z. B. Konfessionsfreie, die nicht Mitglied einer Organisation sind. Wenn alle Daten ausgewertet sind, wird es auch darauf einige Antworten mehr geben.

Gegenstand der Untersuchung war auch, wer Vorurteile und Nachteile aufgrund seiner/ihrer Weltanschauung erlebt und wie dies mit Wohlbefinden und Gesundheit zusammenhängt.

Die Erkenntnisse zur Einstellung bezüglich der Evolution scheint ebenfalls ein wichtiger Anhaltspunkt für die Unterscheidung der Konfessionsfreien zu sein. Anna Beniermann, Biologin und Promovendin an der Universität Gießen mit eigenem Forschungsschwerpunkt zu Einstellungen gegenüber der Evolutionstheorie hat eine ATEVO-Skala entwickelt, die ebenfalls Bestandteil der Untersuchung war.

Es wurde davon ausgegangen, dass die Evolutionstheorie graduell stärker im Weltbild der atheistisch eingestellten Personen als bei agnostisch orientierten Menschen verankert ist, und Kreationismus und Intelligent Design wohl bei den meisten Konfessionsfreien keine brauchbaren Optionen sind. Ob dies wirklich so ist, zeigt die Studie.

Für eine repräsentative Stichprobe wird eigentlich eine ausgewogene Bevölkerungsstichprobe aus allen Bundesländern, Altersgruppen, Bildungsschichten usw. mit etwa 7.000 Teilnehmenden benötigt. Dies ist mit den vorhandenen Mitteln so nicht möglich gewesen. Zur Teilnahme waren alle eingeladen, die sich als konfessionsfrei verstehen – ob im formell-bürokratischen Sinn oder hinsichtlich ihrer persönlichen Überzeugung. Nur so wurden auch Menschen erreicht, die nicht organisatorisch gebunden sind. Dies ist notwendig, um im weiteren Sinne von konfessionsfreien Identitäten sprechen zu können. Es werden hoffentlich bald die nächsten Daten zur Verfügung stehen und Aufschlüsse über die Lebenseinstellungen und -konzepte von konfessionslosen Menschen geben.

[ES]