Orthodoxe in Deutschland 2025

Bei den Zahlenangaben zu den orthodoxen Religionsgemeinschaften bestehen große Unterschiede. Sind es (2025) zwei Millionen (und weniger) oder sind es vier Millionen (und mehr)? Genaueres weiß man nicht, weitestgehend sind es Schätzungen verschiedenster Quellen. Die besondere Problematik dieser Berechnungen soll an einem Beispiel – der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche – detailliert erläutert werden. Die Schätzungen verlieren bei genauerer Betrachtung ihre Plausibilität.
1. Vorbemerkung / 2. Datenbasis / 3. Aktuelle Zahlenangaben / 4. Schätzungsverfahren / 5. Bulgarisch-Orthodoxe Kirchenmitglieder / 6. Mikrozensus / 7. Altersgruppen / 8. Wanderungen / 9. Kirchenmitglieder / Kirchengemeinden / 10. Schätzungen und Zitierungen / 11. Rheinland-Pfalz, Bayern, Ausländerzentralregister / 12. Fazit
1. Vorbemerkung
Die Verwendung des Begriffs „Orthodoxe“ ist üblich, aber eine Verallgemeinerung sehr unterschiedlicher, durchaus zueinander feindlicher Religionsgemeinschaften. Sie erfolgt auf der gleichen nivellierenden Verwendung wie „der Islam“ bzw. „die Muslime“.
Bei den „Orthodoxen“ erfolgt die Zusammenfassung vergleichbar mit den (lateinischen) Katholiken, deren Gesamtkirche aus 24 Teilkirchen besteht, die gemeinsam haben, dass sie den Papst in Rom als Oberhaupt anerkennen. Bei den (byzantinisch) Orthodoxen ist es der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel.
2. Datenbasis
In den Volkszählungen in Westdeutschland werden sie als „Ostkirchen“ genannt: 50.700 (1950 = 0,10 Prozent), 71.800 (1961 = 0,13 Prozent), 223.400 (1970 = 0,4 Prozent). Im Zensus 2011 wird eine genaue Anzahl für „Orthodoxe Kirchen“ genannt: 1.050.740 Personen (= 1,32 Prozent). Da nicht alle Orthodoxen als Körperschaften in den Melderegistern erfasst sind, handelt es sich um „die demografischen Ergebnisse auf den Angaben aus den Melderegistern, korrigiert um die Ergebnisse aus der Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis und der Mehrfachfallprüfung“. (DeStatis) Im Zensus 2022 gibt es nur noch die drei Religionskategorien „Evangelisch/Katholisch/Sonstige“. Von 1970 auf 2011 hat sich die Anzahl der Orthodoxen (durch Zuwanderung) vervierfacht.

Man ist also seit 2011 auf andere Quellen angewiesen und REMID nennt diese Religionsgruppe „Orthodoxe, Orientalische und Unierte Kirchen“ mit 26 Organisationen, von denen 16 mit Nationalitätsangaben beschrieben werden. Für die sieben größten Organisationen (s. Tabelle 1 im Anschluss) werden 1.517.000 Personen genannt. Zusätzlich werden mit einer Zahlenangabe genannt: Ukrainisch-Griechisch-Katholische Kirche (2013) = 40.700 / Armenisch-Apostolische Kirche (2015) = 2.200 / Ukrainisch Orthodoxe Kirche — Patriarchat Moskau (2022) = 33.000 / Russisch Orthodoxe Kirche im Ausland (2005) = 30.000 / Polnische Autokephale Orthodoxe Kirche (2022) = 20.000 / Koptisch-Orthodoxe Kirche (2016) = 20.000 /Äthiopisch-Orthodoxe Kirche (2016) = 20.000 / Eritreisch Orthodoxe Tewahedo Kirche (2016) = 15.000 / Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Antiochien und ganz Asien: Exarchat Westeuropa der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien (Rum-Orthodoxe) (2016) = 10.000 / Heilige Apostolische Katholische Kirche des gesamten Ostens (Assyrisch-Orthodoxe Kirche / Ostsyrer) (2016) = 10.000 / Maronitische Kirche (2005) = 6.000 / Altkalendarier der Griechisch-Orthodoxen Kirche (2005) = 4.000 plus weitere 19 Religionsgemeinschaften (diverse) = 209.700 Mitglieder. Bildet man eine Gesamtsumme, so sind es = 416.600. Die in der Tabelle genannten Mitgliederzahlen ergeben eine Summe (2022) von 1.517.00, so das sich als Gesamtzahl ergibt: 1.993.600.
Zum einen sind es – als Reihe mit mindestens drei Zahlenangaben (s. Tabelle 1) – nur wenige Daten, zum anderen sind auch die weiteren Zahlenangaben fast alle abgerundet auf Tausender, das heißt, es sind Schätzungen. Das verweist darauf, dass es zu den verschiedenen orthodoxen Religionsgemeinschaften in Deutschland keine Mitgliederstatistiken oder -zählungen gibt.
Die Entwicklungen für die einzelnen Religionsgemeinschaften sind unterschiedlich (s. Tabelle 2). Die Orthodoxen aus Serbien und (vor allem) aus Griechenland haben 2022 geschätzt eine geringere Mitgliederzahl als 2017, bei den anderen fünf orthodoxen Kirchen steigt die geschätzte Anzahl.

3. Schätzungsverfahren
Für die Schätzungen dieser Daten wird bei REMID auf den Mikrozensus 2021 verwiesen. Im Mikrozensus 2021 sind jedoch keinerlei Religionszugehörigkeiten erfasst, sondern nur Daten zu den Migrationsaspekten und den Staaten, aus denen Einwohner nach Deutschland zugewandert sind. Aus den Religionsverhältnissen im Herkunftsland wird dann auf die Zugewanderten umgerechnet. Aber aufgrund der Migrationszahlen nach den Herkunftsländern und den dortigen gezählten Religionsverhältnissen zugewanderte Religiöse nach Glaubensrichtungen zu erschließen ist fragwürdig – allein deshalb, da zu prüfen wäre, was an diesen Angaben stimmt. Am Beispiel der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche soll das genauer betrachtet werden. Sie hat die höchsten Zuwachsraten von 50.000 auf 200.000 Orthodoxe.
4. Bulgarisch-Orthodoxe Kirchenmitglieder
Für die Schätzung muss der Anteil der Orthodoxen im Heimatland Bulgarien bekannt sein. Der bulgarische Honorarkonsul in Hessen schreibt: „Orthodoxes Christentum (85%)“. Eine Zahl, die auch in anderen Quellen genannt wird. Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg nennt 66 %: „In Bulgarien sind etwa 4,4 Millionen Menschen bulgarisch-orthodox, also zwei Drittel der Gläubigen.“ In einem Artikel zur Kirchenfinanzierung in Bulgarien heißt es (Anmerkung 18): „Die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche zählte bei der Volkszählung 2021 69,5 % der Bevölkerung, die muslimische Gemeinschaft 10,7 %. Vgl. United States Department of State, Bulgaria 2023 International Religious Freedom Report.“ Radio Bulgarien zitiert die Ergebnisse der Volkszählung 2021: „Es gibt 4.219.270 oder 71,5 % selbsternannte Christen, 638.708 oder 10,8 % Muslime, 1.736 oder 0,02 % Juden.“ Im Wikipedia-Artikel zu Bulgarien heißt es: „21,8 % der Befragten bei der Volkszählung 2011 beantworteten die Frage nach der Konfessionszugehörigkeit nicht, wobei der Anteil der jüngeren Generationen überwog. 77,9 % der Menschen, die eine Antwort auf diese Frage gegeben haben, bezeichnen sich als Christen (4.374.135 Menschen). Demnach gehören die meisten der bulgarisch-orthodoxen Kirche (76,0 %), der römisch-katholischen Kirche in Bulgarien (0,8 %) und der Evangelischen Kirche (1,1 %) an. Weitere 577.139 Menschen (10 %) bezeichnen sich als Muslime. Bei der Volkszählung 2001 haben sich dagegen 83,9 % der Bevölkerung als Christen und 12,2 % als Muslime definiert.“
Bemerkenswert ist der Hinweis auf: „…der Menschen, die eine Antwort auf diese Frage gegeben haben“ bemerkt haben, d. h. die Konfessionsfreien („Keine Religion“) und ‚Keine Angabe‘ werden herausgerechnet. Berechnet man die genannten 4.374.135 genannten „Christen“ auf die Bevölkerung um (6.519.789), so sind es 67,1 Prozent „Christen“ minus Evangelische und Katholiken, ca. 65 Prozent.
Das offizielle Ergebnis des Zensus 2021 ist, dass 64,7 Prozent der Bevölkerung sich zur orthodoxen Kirche bekennen. Die Spannweite geht also von 65 – 85 Prozent für die Mitgliederzahl der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche.
Dazu kommt noch, dass die Religiosität als „gering“ gilt: „‘Religiosität ist jedoch in Bulgarien insgesamt relativ gering ausgeprägt‘, sagt Marina Liakova, Soziologin an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, gegenüber der Deutschen Welle. Sie hat zum Thema Migration und Religion in Bulgarien geforscht. ‚Sowohl bei Christen als auch bei Muslimen handelt es sich mehr um eine kulturelle Religiosität‘, so Liakova weiter.“ (Deutsche Welle)
5. Mikrozensus / Ausländerzentralregister
Laut den Ergebnissen des Mikrozensus 2021 lebten 306.000 Menschen aus Bulgarien in Deutschland. Entsprechend der bereits erwähnten Spannweite wäre das für die orthodoxe Kirche eine Mitgliederzahl zwischen 193.000 bis 260.000. Insofern erscheinen die (in der Tabelle 2) genannten 200.000 Mitglieder plausibel.
Das Ausländerzentralregister (AZR) hat im Unterschied dazu (2025) exakt 421.895 Personen in Deutschland mit der Staatsangehörigkeit Bulgarien. In einer Zeitreihe von 2018 – 2025 zeigt sich, dass die höchste Anzahl im Jahr 2023 bestand (436.860).

Die Veränderungen in der Zuwanderung hatten ihre Gipfelpunkte 2015 und 2017, seit 2024 überwiegt die Abwanderung.

Die Daten des Ausländerzentralregisters beruhen allerdings auf den Eintragungen in den staatlichen Melderegistern, die – wie spätestens im Zensus 2022 deutlich wurde – zu hoch sind. „So können Personen, die beim Zuzug nach Deutschland melderechtlich erfasst wurden, bereits wieder weggezogen sein, beispielsweise in ihre Herkunftsländer, ohne dass dies melderechtlich erfasst worden ist. Diese häufig ausbleibende Abmeldung von ausländischen Einwohnerinnen und Einwohnern bei Rückzug in ihre Herkunftsländer ist ein bereits aus früheren Bevölkerungsuntersuchungen bekanntes Phänomen.“ (DeStatis)
6. Altersgruppen
Bei den (eindimensionalen) Schätzungen wird davon ausgegangen, dass die in Deutschland lebenden Bulgarinnen und Bulgaren ein Abbild der Gesamtbevölkerung in Bulgarien seien und es deshalb möglich ist, die Daten der Gesamtbevölkerung (als Grundgesamtheit des Zensus) auf die in Deutschland lebenden Bulgaren zu übertragen. Das allerdings stimmt nicht.
Aus dem Mikrozensus ist der Altersaufbau der in Deutschland lebenden Bulgaren bekannt, aus der nationalen Statistik Bulgariens der Altersaufbau der Bevölkerung. Der Vergleich verdeutlicht, dass die Altersgruppe der 55-Jährig-und Älteren, die bei den Bulgaren in Deutschland 4,5 Prozent darstellen, in Bulgarien 35 Prozent der Bevölkerung beträgt.

Hinsichtlich der Religionszugehörigkeiten gilt auch für Bulgarien, dass die Älteren religionsaffiner sind als die Jüngeren, was heißt, dass die Ergebnisse des Zensus 2021 in Bulgarien sich nicht auf die Bulgaren in Deutschland übertragen lassen.

Berechnet man die Altersgruppen entsprechend, dann gilt für die In Deutschland lebenden Bulgaren, dass, statt der bereits genannten Gesamtanteile von 65 Prozent, nur rund 54 Prozent von ihnen der orthodoxen Kirche zuzurechnen wären.
Zudem ist nicht bekannt, aus welchen Regionen die Bulgaren stammen, die in Deutschland leben. Eine Auszählung aus dem Zensus 2021 in Bulgarien für die Anteile der Orthodoxen unter den 20-29-Jährigen und den 30-39-Jährigen zeigt die unterschiedlichen Anteile in den einzelnen Regionen/Oblasten (s. Tabellen 5 und 6). Die Spannweite für die 20-29-Jährigen beträgt 11,4 bis 83,5 Prozent.

7. Wanderungen
In den Daten für die Bulgaren in Deutschland wird nur der jeweilige ‚Bestand‘ der Anzahl genannt, die Veränderungen durch Wanderungen, d. h. den Zuzügen und Fortzügen, zeigt sich darin nicht. Die Zeitreihen (Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Wanderungen, Fachserie 1 Reihe 1.2) gibt es seit dem Jahr 2000 (s. Tabelle 7).

Im betrachteten Zeitraum (2007 – 2025) sind insgesamt 1.148.517 Bulgarinnen und Bulgaren zugewandert sowie 824.631 fortgezogen. Diese Veränderungen dürften einem kirchlichen Alltag widersprechen. Ebenso wie die durchschnittliche Aufenthaltsdauer, die für die Bulgaren die zweitgeringste Aufenthaltsdauer von 8,8 Jahren entspricht (s. Tabelle 8).

8. Kirchenmitglieder / Kirchengemeinden
Um eine Religion zu leben, braucht es eine Religionspraxis. Sonst wäre es nur ‚Zähl-Orthodoxe‘ und keine gläubigen Kirchenmitglieder. In einem orthodoxen Fachlexikon wird Orthodoxie wie folgt beschrieben: „Das Wort „orthodox“ entstammt aus dem Griechischen und bedeutet Gott ‚richtig verehrend‘, also die richtige Verehrung Gottes im Gottesdienst und Leben der Christen. Im Zentrum steht hierbei die Teilnahme an der Göttlichen Liturgie und die Vereinigung mit Christus durch die Heilige Kommunion (Lk 22, 19-20). Der Glaube bietet die Form, welche durch die Praxis im Leben gefüllt werden muss.“
Wie viele Kirchen/Kirchengemeinden müsste es also geben, um den Gläubigen diese Praxis zu ermöglichen?
Das domradio nennt (Ende 2024): „Bulgarische Orthodoxe Kirche - Bulgarische Diözese von West- und Mitteleuropa: rund 424.000“ in West- und Mitteleuropa. 2022 waren es bereits ebenso viele gewesen: „Rund 424.000 Mitglieder zählen die bulgarisch-orthodoxe Diözese und 410.000 das serbisch-orthodoxe Bistum.“
Die Kirche selbst nennt keine Mitgliederzahlen. So gibt es in der umfangreichen Chronik der Gemeinde in Hamburg keinerlei Informationen dazu, außer „zahlreiche Gläubige“. Auf einem beigefügten Foto der Gemeinde, aus dem Frühjahr 2025, sind die Priester von 79 Frauen, Männern und Kindern umgeben.
Können diese Mitglieder ihren Glauben leben, d. h. Mitglied einer Kirchengemeinde sein?
2010 gab es – im Rahmen der „Bulgarisch-orthodoxe Diözese von West- und Mitteleuropa“ - „(…) in Deutschland 6 Gemeinden, ein Metropolit und 5 Priester sowie das Deutsche orthodoxe Dreifaltigkeitskloster zu der Diözese. Aktuell (2018) hat sich die Zahl der Gemeinden in Deutschland auf zehn erhöht.“ „Im Kloster leben derzeit (2021) sechs Mönche, unter ihnen zwei Priestermönche, ein Diakon und ein Novize.“ (Quelle)
An Ostern 2003 weihte der Bischof der Diözese von West- und Mitteleuropa die Kapelle des fünften Kirchhofs der evangelischen Jerusalems- und Neuen Kirchen-Gemeinden zu Berlin-Neukölln als Kathedralkirche des Hl. Zaren B oris des Täufers. (Quelle)
Kirchengemeinden bestehen (2025) in Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt am Main/Mannheim, Hamburg, München, Nürnberg, Passau, Regensburg und Stuttgart.
Ob es mit diesen Kirchengemeinden möglich ist, ein gewünschtes Gemeindeleben zu organisieren, dürfte zu bezweifeln sein. Ebenso wenig förderlich sind die hohe Fluktuation und die vergleichsweise geringere Aufenthaltsdauer.
9. Schätzungen und Zitierungen / Aktuelle Zahlenangaben
Für die Gesamtzahl der Mitglieder der Orthodoxen Religionsgemeinschaften haben sich Kirchen und Medien zwischenzeitlich anscheinend auf eine Zahl geeinigt.
Die EKD nennt für den 31.12.2024: „Orthodoxe Kirchen, diverse Stände: 3.876.000.“ Ohne Quellenangabe. Dennoch ist diese Zahlenangabe („rund 4 Millionen“) zu einem klerikal-medialen ‚Mantra‘ geworden, das auch von der Deutschen Bischofskonferenz übernommen wird (S. 78): „Rund 3,85 Mio. Mitglieder in orthodoxen Kirchen“. „Fast vier Millionen Menschen sollen es mittlerweile sein.“ (BR, 12/2024) Das BMI nennt ebenfalls diese Angabe („laut kirchlicher Statistik“) und im April 2025 heißt es: „Sie kommen aus Griechenland, vom Balkan oder aus Osteuropa. Mittlerweile gibt es rund vier Millionen zugewanderte und hier geborene orthodoxe Christen in Deutschland.“ (Tagesspiegel)
Die weitere Problematik von Schätzungen besteht darin, dass die Zahlen in ‚Zitierketten‘ immer ‚realistischer‘ werden. Anlässlich der Konstituierung einer Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (2010) berichtet KNA – nach Aussagen des Vorsitzenden dieser Bischofskonferenz: „Die deutsche orthodoxe Bischofskonferenz besteht aus zehn Bischöfen und fünf Weihbischöfen und repräsentiert rund 1,5 Millionen orthodoxe Christen verschiedener Herkunft in Deutschland, darunter der russischen, rumänischen, serbischen, georgischen, ukrainischen, griechischen und altorientalischen Tradition.“ Der Zensus 2011, ein Jahr später, nennt 1.050.740 „Orthodoxe“. Der ‚Schwund‘ von rund 450.000 Mitgliedern wird nicht erklärt, im Gegenteil: Weihnachten 2022 heißt es im Deutschlandfunk: „Rund drei Millionen Menschen in Deutschland gehören der orthodoxen Kirche an.“ Die EKD nennt zum Jahresende 3.876.000 Orthoxe, ohne Beleg oder Quellenangabe. und die Deutsche Welle zitierte (bereits im Juli 2024) im Artikel „Immer mehr orthodoxe Christen in Deutschland: ‚Wir sind da‘“ die EKD. „Nun spricht die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in einer Statistik von gut 3,8 Millionen orthodoxen Christen in Deutschland.“ Aus den Schätzungen wird mittlerweile eine offizielle „Statistik“, was auch durch den griechisch-orthodoxen Vikarbischof Emmanuel von Christoupolis, der die Gemeinde in Berlin leitet, untermauert wird, denn der „spricht sogar von mindestens ‚vier Millionen orthodoxen Gläubigen in Deutschland - Frauen, Männer, Kinder‘. Sie gehörten - das ist ihm wichtig - nicht einer der orthodoxen Kirchen an, sondern ‚der orthodoxen Kirche‘.“
Es gibt jedoch einzelne Quellen, um sich dem Realitätsgehalt der Zahlen und ihren starken Steigerungen anzunähern.
10. Rheinland-Pfalz, Bayern, Ausländerzentralregister
In Rheinland-Pfalz, das seit 2018 (als einziges Bundesland) die Angaben aus den staatlichen Melderegistern monatlich veröffentlicht, sind die Angaben zu allen religiösen Körperschaften (KdöR) enthalten, auch zu den orthodoxen Kirchen, falls sie den Körperschaftsstatus besitzen: griechisch-orthodox, russisch-orthodox, Rumänisch-orthodox und Erzdiözese der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien in Deutschland.
In dieser Übersicht der Entwicklung von acht Jahren (s. Tabelle 9) verringern sich die Griechisch-Orthodoxen etwas, die Russisch-Orthodoxen steigen sprunghaft 2022 an, dann nur noch wenig, die Rumänisch-Orthodoxen kontinuierlich, aber seit 2022 langsamer.

2022 sind es für alle vier Gemeinschaften insgesamt 23.225 Mitglieder, 2024 waren es 24.525 Personen. Ein Veränderung von 1,09 auf 1,13 Prozent. Für die vorab genannten Veränderungen von 2022 auf 2024 von zwei auf vier Millionen Orthodoxe gibt es in diesen Zahlen keine Belege.
Im Haushaltsplan Bayern (für 2025, S. 290) sind die Zuschüsse zu den religiösen und säkularen Weltanschauungsgemeinschaften gelistet, die KdöR sind und beantragt haben, Zuschüsse zu bekommen. Maßstab ist die Mitgliederzahl. Die Wünsche der Orthodoxen nach höheren Zuschüssen, da man mehr Mitglieder habe, werden seit 2022 nicht akzeptiert. Bei der „Griechisch-Orthodoxen Metropolie (Vikariat Bayern)“ heißt es: „Die Zahl der Bekenntnisangehörigen wurden den aktuellen Entwicklungen angepasst und neu festgesetzt. Seit dem Jahr 2022 wird von einer Zahl von 64.100 Bekenntnisangehörigen ausgegangen“ 2021 waren es 52.600. Für die „Russisch-Orthodoxe Kirche in Bayern“ heißt es, ebenso wie für die „Rumänisch-Orthodoxe Kirche in Bayern“: „Wie in den zurückliegenden Jahren…“, also keine nachgewiesene Veränderung der Mitgliederzahlen.
Und, auch in Lübeck zeigen die Statistischen Informationen der Stadt keine entsprechenden Daten. In den Jahren 2020-2023-2024-2025 entwickelt sich die Anzahl der Russisch-Orthodoxen 92-121-123-126, die der Rumänisch-Orthodoxen 46-121-99-105 und die der Griechisch-Orthodoxen 75-89-90-82. 2024 sind es zusammen 312 Personen oder 0,1 Prozent.
Im Ausländerzentralregister lassen sich die Bestandszahlen an Ausländern feststellen, die aus Ländern mit mehrheitlich ‚orthodoxer Bevölkerung‘ stammen: Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Russische Föderation, Serbien und der Ukraine (s. Tabelle 10). Im Zeitraum 2018-2021 hat sich nur wenig verändert (2.23.400 zu 2.294.250= + 13 Prozent). Im Jahr 2022 erhöht sich die Anzahl – aufgrund der Zuwanderung aus der Ukraine – um 1,1 Mio. Personen, um danach wiederum nur langsam anzusteigen (3-392.485 zu 3.637.965 = 7 Prozent). Von einer Verdopplung von 2022 auf 2024 gibt es – zumindest in diesen Daten – keinen Hinweis.

Mit Annahmen über den orthodoxen Bevölkerungsanteil in den Herkunftsländern – warum nicht 85-93 Prozent? – lassen sich dann Schätzungen benennen.
11. Fazit
Die Erläuterungen zu der Bulgarisch-orthodoxen Kirche in Deutschland haben bereits verdeutlicht – vor allem aufgrund der unterschiedlichen Altersgliederung in Bulgarien selbst und der Bulgaren in Deutschland – dass statt des allgemeinen Anteils von 64,7 Prozent Orthodoxe in Bulgarien für in Deutschland lebenden Bulgaren nur rund 50 Prozent Orthodoxe anzunehmen sind. Statt zwei Dritteln also nur die Hälfte. Das heißt statt der (auch von REMID) geschätzten 200.000 bulgarischen Orthodoxen nur etwa 150.000.
Für die Ukraine war bereits in einem fowid-Artikel („Konfessionen in der Ukraine“) erläutert worden, wie sehr an den Mitgliederzahlen ‚gedreht‘ wird.
Da nichts Genaueres bekannt ist und die eindimensionalen Schätzungen mit Sicherheit zu hoch sind, spricht alles dafür, es bei den Daten aus dem Jahr 2023 zu belassen: Das kann man als ‚Erbsenzählerei‘ (oder Schlimmeres) betrachten, aber das Erstrebenswerte ist eine möglichst hohe Genauigkeit der Daten. Das bisher Genannte sind Schätzungen und entspringen wohl eher einem Wunschdenken der Kleriker als der Realität.
Aufgrund der in den Melderegister erfassten Anzahlen/Anteilen der Orthodoxen, die im Artikel „Kleinere Religionsgemeinschaften“ (dort Tabelle 2) recherchiert wurden, erscheint dann ein Anteil von schätzungsweise 1,5 bis 1,8 Prozent als angemessen, das sind rund 1,3 bis 1,5 Mio. Personen.
Carsten Frerk
Tabellen
(Im Anhang befindet sich eine Excel-Datei mit den auslesbaren Daten.)

- Tabelle 2
- Tabelle 3
- Tabelle 4
- Tabelle 5.1
- Tabelle 5.2
- Tabelle 6.1
- Tabelle 6.2
- Tabelle 7
- Tabelle 8
- Tabelle 9
- Tabelle 10