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Säkulare und Muslime in den Niederlanden

2015 sind die Nicht-Religiösen in den Niederlanden mit 50,1 Prozent die absolut größte Gruppe geworden. Eine Entwicklung, die vor allem in der Verringerung der Anteile derjenigen liegt, die sich als römisch-katholisch bekennen, was damit korrespondiert, dass die wöchentlichen Gottesdienstbesuche der Katholiken sich auf 10 Prozent reduziert haben. Keine religiöse Gruppierung hat davon einen Vorteil.

Das Zentrale Büro für Statistik der Niederlande führt jährlich (mit jeweils rund 100.000 Befragten) Umfragen zu verschiedensten Themen durch, auch zum religiösen Bekenntnis. In einer Zeitreihe für die Bevölkerung (18 Jahre und älter) zeigt sich, dass es sich hinsichtlich des Anstiegs der Zahl der Personen ohne eine religiöse Konfession um eine kontinuierliche Entwicklung handelt, in die allerdings ab 2007/2009 eine deutlichere Bewegung bekam. Und ebenso zeigen diese Anteile, dass die Veränderungen zugunsten der Bürger „ohne Konfession“ im Zusammenhang mit der Verringerung der Anzahl derjenigen besteht, die sich als „römisch-katholisch“ bezeichnen. Bezeichneten sich 1998 noch 31 Prozent der Bürger als römisch-katholisch, so sind es 2015 noch 24 Prozent. Relativ noch stärker – allerdings in geringerer Größenordnung - ist der Rückgang der Niederländisch-Reformierten, deren Anteil sich (von 14 Prozent auf 6 Prozent) mehr als halbiert hat, ebenso wie der Anteil der Reformierten (von 7 auf 3 Prozent).

Dazu gibt es eine deutliche Nord-Süd-Verteilung innerhalb der Niederlande. Der nördliche Landesteil ist (mit 63 Prozent) mehrheitlich ohne religiöse Konfession, während der Süden das Gegenteil dazu darstellt, dort bekennen sich ebenso viele (64 Prozent) zu einer religiösen Konfession.

In den einzelnen Landesteilen zeigen sich diese Veränderungen auf einer Religionskarte ohne Ausnahme, wenn auch in verschiedenen Größen. Im Norden sind es (seit 2010) 6 Prozentpunkte mehr Menschen ohne religiöse Konfession, im Osten und Westen 4 bzw. 3 Prozentpunkte, während es im (vorrangig katholischen) Süden innerhalb von 5 Jahren 8 Prozentpunkte mehr Menschen ohne religiöse Konfession sind.

Die Zunahme der Bürger ohne religiöse Konfession steigt von 2010 bis 2015 um 5 Prozentpunkte und das zeigt in dem Zuwachs keine Unterschiede nach Frauen und Männern. In beiden Gruppen sind es jeweils 5 Prozentpunkte, auch wenn die Frauen insgesamt einen etwas geringeren Anteil an allen haben, die keine religiöse Konfession haben.

Nach Altersgruppen unterteilt wird dann deutlich, dass dieser Trend nicht umkehrbar sein wird, da es vor allem die Jüngeren sind, die sich mehrheitlich zu keiner religiösen Konfession mehr bekennen. Und, in allen Altersgruppen, mit Ausnahme der über 75-Jährigen, steigt der Anteil der Nicht-Religiösen.

Diese Entwicklung zeigt sich auch darin, dass die Anzahl der Gottesdienstbesucher 2015 auf einem historischen Tiefstand angekommen ist. Nur noch 10 Prozent der Bevölkerung geht einmal in der Woche in die Kirche, mehr als Dreiviertel (77 Prozent) tun das selten oder nie. Der regelmäßige Gottesdienstbesuch ist zudem im religiösen Süden der Niederlande (mit 5 Prozent) noch geringer als in den übrigen Landesteilen.


Muslime

Hat die von der Partij voor de Vrijheid (PVV, Partei für die Freiheit) und ihrem Vorsitzenden Geert Wilders behauptete „Überfremdung“ der Niederlande durch Muslime eine Datenbasis?

In allen kurzen Zeitreihen (seit 2010) ist die Anzahl derjenigen, die sich als Muslime bezeichnen mit rund 5 Prozentpunkten gleichbleibend. In den Altersgruppen bis 45 Jahren beträgt ihr Anteil rund 8 Prozent, auch gleichbleibend. Variationen sind im 0,1 Prozentpunktbereich.

Betrachtet man die Häufigkeit des Gottesdienst-/Moscheebesuchs als Indikator für die Intensität eines religiösen Bekenntnis, so ist das bei den Muslimen nicht sehr ausgeprägt. Die Hälfte der sich selbst als Muslim Bezeichnenden gehen regelmäßig zum vorgeschriebenen Freitagsgebet.

Hinsichtlich der regionalen Verteilung sammeln sich die Muslime in den Niederlanden – ebenso wie in Deutschland oder Großbritannien – vor allem in regionalen Ballungsräumen.

Nur in zwölf industriellen/urbanen Ballungsräumen stellen die Muslime einen Anteil von mehr als 10 Prozent der Bevölkerung, der sie dort ‚sichtbar‘ macht.

Die Darstellungen der PVV über eine steigende „Überfremdung“ entbehren jeder Datenbasis. Von wenigen industriellen/urbanen Ballungsräumen wird – an der Realität vorbei – auf das ganze Land geschlossen.

(CF)