Sie sind hier

Soziale Zusammensetzung der Parteimitglieder

Was haben die CDU, die SPD, die Partei DIE LINKE und die CSU gemeinsam? Für alle gilt: In diesen Parteien sind Männer, Ältere, Personen mit höherer Bildung sowie Beamte/Angestellte im öffentlichen Dienst stärker vertreten als in der Gesamtbevölkerung. Unterschiedlich sind sie jedoch (immer) noch in weltanschaulicher Hinsicht.

In einer umfangreichen Auswertung seiner Parteimitgliedschaftsstudien kommt Dr. Oskar Niedermayer, Prof. em. für Politische Soziologie an der Freien Universität Berlin, zu dem Ergebnis, dass die Mitgliedschaft der in der 18. Legislaturperiode (2013-2017) im Bundestag vertretenen Parteien nicht den Verteilungen in der Gesamtbevölkerung entspricht.

Das wäre zwar nicht verwunderlich, schließlich ist es der Ansatz der Parteien, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und ihre Interessen politikbezogen zu organisieren, aber in der Nicht-Repräsentativität sind sie sich sehr ähnlich: „Männer, Ältere, Personen mit höherer Bildung, Beamte/Angestellte im öffentlichen Dienst [sind] stärker vertreten als in der Gesamtbevölkerung.“ Bei den Grünen ‚fehlen‘ die Älteren. Es fehlen generell vor allem die Frauen und die Jüngeren. Die Unterschiede liegen eher im weltanschaulichen Bereich.

Aufgrund von Auswertungen der Angaben von Parteimitgliedern aus den Jahren 2009 bzw. 2012 zeigen sich die Ähnlichkeiten wie die Unterschiede.

Dreiviertel der CDU-Mitglieder (74 Prozent) sind Männer, mehr als die Hälfte der Mitglieder (53 Prozent) ist katholisch, weitere zwei Fünftel (38 Prozent) evangelisch. Zwei Drittel der Mitglieder (65 Prozent) sind entweder Selbständige/Freiberufler (34 Prozent) oder arbeiten im Öffentlichen Dienst (31 Prozent).

Knapp die Hälfte der SPD-Mitglieder (48 Prozent) ist evangelischer Konfession, ein weiteres Viertel (23 Prozent) römisch-katholisch. Gut zwei Fünftel der Mitglieder (jeweils 42 Prozent) arbeiten im Öffentlichen Dienst bzw. sind Gewerkschaftsmitglied, das ist dreimal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

Fast vier Fünftel (79 Prozent) der Mitglieder der Partei DIE LINKE sind konfessionsfrei, annähernd die Hälfte (46 Prozent) der Mitglieder hat einen Hochschulabschluss, und der Frauenanteil (37 Prozent) und der Anteil der Arbeiter (19 Prozent) ist höher als bei den Mitgliedern der anderen im Bundestag vertretenen Parteien.

Die Grünen haben mit Abstand den geringsten Anteil an Arbeitern (4 Prozent) und den höchsten Anteil an Hochschulabsolventen (68 Prozent) der im Bundestag vertretenen Parteien, ebenso wie den höchsten Anteil (45 Prozent) an Beamten und Angestellten im Öffentlichen Dienst, sowie den höchsten Anteil von Frauen (38 Prozent). Die Konfessionsfreien sind (mit 42 Prozent) die weltanschauliche größte Gruppierung, gefolgt von den Evangelischen (36 Prozent) und den römischen Katholiken (19 Prozent).

Vier Fünftel (81 Prozent) der CSU-Mitglieder sind Männer, drei Viertel (78 Prozent) sind katholisch, zwei Drittel (65 Prozent) sind entweder Selbständige/Freiberufler (35 Prozent) oder (30 Prozent) Beamte /Angestellte im Öffentlichen Dienst. Die Anzahl der Mitglieder mit Hochschulabschluss (33 Prozent) ist ebenso hoch wie der Anteil der Mitglieder mit Hauptschule bzw. ohne Abschluss (32 Prozent).

In allen im Bundestag vertretenen Parteien sind – mit Ausnahme der Partei DIE LINKE – die Anteile von Frauen in der Parteimitgliedschaft gestiegen. Für SPD, CDU und CSU hat sich der Frauenanteil seit 1946 bis 2014, wenn auch auf niedrigem Niveau, in etwa verdoppelt. Bei den GÜNEN, für die erst Zahlen seit 1987 vorliegen, hat sich höhere Frauenanteil leicht verbessern können. Die Partei DIE LINKE, die 1998 mit 46,1 Prozent repräsentativsten Anteile von Frauen in ihren Reihen hatte, hat seitdem sinkende Anteile von Frauen in der Mitgliedschaft und musste die Position des höchsten Frauenanteils 2014 an die GRÜNEN abgeben.

Den mit Abstand höchsten Anteil an Parteimitgliedern unter 30 Jahren hatte in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre die SPD mit rund 21 Prozent. Danach verringert sich dieser Anteil stetig von Jahr zu Jahr und erreicht seinen Tiefpunkt im Jahr 2000 (mit 4,4 Prozent). Das deutet darauf hin, dass – wie auch bei CDU und CSU -, die Partei den Nachwuchs weitgehend verloren hat. Im Unterschied zu den großen Parteien steigt der Anteil der Parteimitglieder unter 30 Jahren bei den GRÜNEN, der FDP und der Partei DIE LINKE bis 2010, um dann in 2012 wieder abzusinken.

 (CF)