USA: Renaissance des Glaubens?

Fowid-Statistikbeobachter: Kath.net titelt: „Renaissance des Glaubens: Amerikas junge Männer kehren in die Kirchen zurück“, mit der Unterzeile: „Gallup-Umfrage. 42 % der Männer in der Altersgruppe 18-29 Jahre bezeichne Religion als „sehr wichtig“ in ihrem Leben. Dies ist ein drastischer Anstieg innerhalb kürzester Zeit: Noch im Zeitraum 2022–2023 lag dieser Wert bei lediglich 28 %.“ Statistisch gesehen ein Fehlschluss.
Die Meldung beginnt mit: „Washington D.C. (kath.net/gem/rn) Eine aktuelle Erhebung des renommierten Meinungsforschungsinstituts Gallup sorgt in den USA für Aufsehen. Während die westliche Welt über Jahrzehnte hinweg einen Trend zur Säkularisierung verzeichnete, erleben die Vereinigten Staaten derzeit eine massive religiöse Kehrtwende bei einer völlig unerwarteten Gruppe: jungen Männern im Alter von 18 bis 29 Jahren.“ Das Stichwort ist „religiöse Kehrtwende“.
Damit wird Bezug genommen auf eine Gallup-Studie (vom 16.04.2026): „Rise in Young Men’s Religiosity Realigns Gender Gaps“ („Der Anstieg der Religiosität bei jungen Männern verschiebt die geschlechtsspezifischen Unterschiede“) und die Grafik:

Setzt man diese Ergebnisse mit den parteipolitischen Orientierung in Zusammenhang, so zeigt sich, dass die republikanisch orientierten jungen Erwachsenen, eine höhere Religiosität praktizieren – Indikator ist die Häufigkeit des Gottesdienstbesuchs – als die demokratischen jungen Erwachsenen.

Dazu schreibt Gallup: „Seit 2022–2023 ist der Gottesdienstbesuch bei jungen republikanischen Männern um sieben Punkte, bei jungen republikanischen Frauen um acht Punkte und bei jungen demokratischen Männern um drei Punkte gestiegen. Nur bei jungen demokratischen Frauen ist kaum eine Veränderung zu verzeichnen. […] Angesichts des relativ hohen Anteils junger Männer, die Republikaner sind, haben die steigenden Trends in ihrer Religiosität einen erheblichen Einfluss auf die allgemeinen Trends unter jungen Männern.“
Angesichts der hohen religiösen ‚Aufladung‘ republikanischer Weltanschauung und Rhetorik – Bespielhaft die Gedenkfeier für den ermordeten Jung-Republikaner Charlie Kirk in einem Stadion mit Gottesdienst und großem Kreuz auf der Bühne – (Quelle: DIE ZEIT bzw. Kirche+Leben) ist die unabhängige Variable die politische Anhängerschaft für die Republikanische Partei aus der dann – als abhängige Variable – ein Anstieg der Wichtigkeit von Religion im eigenen Leben erfolgt.
Es ist somit keine „religiöse Kehrtwende“, sondern eine politische Veränderung mit entsprechenden Folgen. Bei einem entsprechenden Wunschdenken („Rückkehr der Religion“) ist es allerdings plausibel, das abhängige Variablen als eigenständig, d. h. unabhängig gesehen werden. Das ist aber ein Fehlschluss.
Für Deutschland ist die parteibezogene Geschlechterdifferenz vergleichbar mit dem Wahlverhalten junger Erwachsener bei den Bundestagswahlen 2025, in der die jüngeren Männern überdurchschnittlich (27 Prozent) die AfD wählten, die jüngeren Frauen überdurchschnittlich (35 Prozent) die Partei Die Linke.
In den USA wird die primäre Bedeutung in der Parteiorientierung für die Republikaner für Religion in einer weiteren Gallup-Studie erläutert (März 2026): „Americans‘ Religious Engagement Holds at Lower Levels“ („Das religiöse Engagement der Amerikaner bleibt auf niedrigem Niveau.“) Hinsichtlich des Gottesdienstbesuchs zeigen sich die typischen Präferenzen.

In einer Aufschlüsselung zur „Wichtigkeit von Religion“ nach demografischen Untergruppen sind es – im Vergleich des Zeitraums 2001-2005 (grüne Punkte) mit 2021-2025 (blaue Punkte) die Republikaner, die bei der sehr hohen Wichtigkeit verbleiben (66/64 Prozent).

Entsprechend beschreibt GALLUP die allgemeine Situation in den USA: „Das Verhältnis der Amerikaner zur Religion entwickelt sich weiter, gekennzeichnet durch eine geringere Zahl von Erwachsenen, die Religion als zentral für ihr Leben bezeichnen, eine steigende Zahl von Menschen ohne Religionszugehörigkeit und anhaltend niedrige Besucherzahlen bei Gottesdiensten. Während Religion für große Teile der Bevölkerung (insbesondere Republikaner, Protestanten, schwarze Erwachsene, ältere Amerikaner und Südstaatler) nach wie vor von großer Bedeutung ist, zeigt der langfristige Trend einen stetigen Rückgang, der weitgehend durch den Generationswechsel bedingt ist. Jüngere Erwachsene identifizieren sich weniger mit einer Religion und besuchen seltener Gottesdienste, was die religiöse Landschaft des Landes verändert, da sie einen wachsenden Anteil der Bevölkerung ausmachen.“
(CF)