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Religionsferne Hochbegabte

Menschen mit hohen kognitiven Fähigkeiten sind im Durchschnitt weniger religiös als die Gesamtbevölkerung. Daraus folgt jedoch nicht, dass eine solche Gruppe weltanschaulich homogen wäre. Die Mensa-Weltanschauungsstudie 2023 erlaubt einen Blick in eine hochgebildete und kognitiv stark selektierte Stichprobe und fragt, was an die Stelle klassischer Religiosität tritt.

Von Tobias Wolfram

Hintergrund

Der vorangegangene fowid-Beitrag zur Mensa-Weltanschauungsstudie 2023 stellte die Unterstützung für ein humanistisch-naturalistisches Begabtenförderwerk heraus. Dieser zweite Beitrag stellt die Befragung breiter dar: Im Mittelpunkt stehen zunächst einfache deskriptive Ergebnisse und der Vergleich mit der Bundesbevölkerung, bevor die Frage behandelt wird, ob das Antwortverhalten der Studienteilnehmer einem gemeinsamen weltanschaulichen Muster folgt oder mehrere voneinander unterscheidbare Orientierungen sichtbar werden.

Damit knüpft der Beitrag auch an den älteren fowid-Artikel Intelligenz und Religiosität (2017) an. Dort stand der internationale Forschungsstand zum negativen Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten und Religiosität im Mittelpunkt. Die Mensa-Weltanschauungsstudie ergänzt diese Perspektive nun mit deutschen Befragungsdaten aus einer hochgebildeten und kognitiv stark selektierten Gruppe.

Die Stichprobe

Die Mensa-Weltanschauungsstudie wurde 2023 als Onlinebefragung durchgeführt. Ausgewertet wurden 292 abgeschlossene Interviews. Die Stichprobe ist hochgebildet, mehrheitlich konfessionsfrei und, den Mitgliedschaftskriterien von Mensa entsprechend, aus den oberen ~2% der Intelligenzverteilung rekrutiert (IQ > 130).

Diese Zahlen beschreiben keine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung und auch kein repräsentatives Abbild der oberen 2% der Intelligenzverteilung. Für die hier interessierende Frage ist die Gruppe dennoch aufschlussreich, weil sie einen Ausschnitt aus einem hochgebildeten und kognitiv stark selektierten Milieu sichtbar macht, welches in allgemeinen Bevölkerungsumfragen nicht identifizierbar ist.

Religiosität im Kontext der Bundesbevölkerung

Zur besseren Einordnung des Antwortverhaltens der Studienteilnehmer ist in diesem Sinne ein Vergleich der Ergebnisse mit für die Bundesbevölkerung repräsentativen Datenquellen naheliegend. Hierfür wurde die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) herangezogen, repräsentativ gewichtet und, um demographische Vergleichbarkeit zu gewährleisten, im Hinblick auf Alter und Geschlecht an die Verteilung der Studie angeglichen.

Erste Unterschiede sind mit Blick auf die Religionszugehörigkeit erkennbar. In der Mensa-Weltanschauungsstudie geben 66,7 Prozent der Befragten an, konfessionsfrei zu sein, im Vergleich zum nach Alter und Geschlecht angeglichenen ALLBUS-Wert von 45,2 Prozent. Evangelische und römisch-katholische Zugehörigkeit ist in der Befragung entsprechend seltener. Der Anteil konfessionsgebundener Muslime liegt bei nur 0,3 Prozent (ALLBUS 3,2 Prozent). Innerhalb der vorliegenden Stichprobe dominieren die Konfessionsfreien.

Religiosität, Spiritualität und Naturalismus im Vergleich

Da der ALLBUS weitere Fragen zum Thema Religiosität enthält, bietet sich die Möglichkeit zu einem umfassenderen Vergleich: Im Hinblick auf religiöse Praxis fallen die Unterschiede kleiner aus als bei den Glaubensinhalten. 8,3 Prozent der Befragten in der Mensa-Weltanschauungsstudie besuchen mindestens monatlich Gottesdienste oder religiöse Versammlungen, annähernd identisch zum ALLBUS. Wöchentlich oder häufiger beten 11,7 Prozent der Befragten, im angeglichenen ALLBUS-Wert 18,7 Prozent. Deutlicher ist der Unterschied bei denjenigen, die nie beten: In der Mensa-Weltanschauungsstudie sind es 63,1 Prozent, im angeglichenen ALLBUS-Wert 52,5 Prozent.

20,0 Prozent der Befragten beschreiben sich nach der hier verwendeten Einteilung als stark religiös, 17,3 Prozent als stark spirituell beziehungsweise durch Spiritualität innerlich gestärkt. Beide Werte liegen unter dem ALLBUS-Wert. Beim Meditationsindikator ist der Bevölkerungswert höher. Dieser Vergleich ist allerdings mit Vorsicht zu lesen, da der ALLBUS nach Meditation oder innerer Einkehr fragt und damit breiter formuliert ist als die entsprechende Frage in der Mensa-Weltanschauungsstudie.

Am stärksten unterscheiden sich die Glaubensinhalte. Einen klaren Glauben an Gott oder eine höhere Macht berichten 20,4 Prozent der Befragten. Im angeglichenen ALLBUS-Wert sind es 46,9 Prozent. An ein Leben nach dem Tod glauben 35,3 Prozent der Befragten, gegenüber 44,4 Prozent in der Bevölkerung.

Ebenfalls divergieren Frageformulierungen zum Thema Naturalismus und Wunderglaube: Die Studie nennt hier ausdrücklich ein naturalistisches Weltbild und übernatürliche Wesen, die nicht in Naturgesetze eingreifen, wohingegen der ALLBUS nur die Zustimmung zur Aussage, nicht an Gott oder ein höheres Wesen zu glauben, abfragt. Ebenso fragt Mensa nach übernatürlichen Wesen, die in Naturgesetze eingreifen, ALLBUS dagegen allgemein nach dem Glauben an Wunder. Die Richtung ist dennoch eindeutig: In der Mensa-Weltanschauungsstudie stimmen 73,4 Prozent der naturalistischen Aussage zu, im angeglichenen ALLBUS-Wert sagen 36,3 Prozent, dass sie nicht an Gott oder ein höheres Wesen glauben. Übernatürliche Eingriffe beziehungsweise Wunderglaube liegen bei 13,4 gegenüber 49,0 Prozent. Hier zeigt sich, dass die größte Verschiebung nicht bei der religiösen Praxis, sondern beim Weltbild selbst liegt.

In der Übersicht 2 zeigt sich das Grundmuster. Die Stichprobe unterscheidet sich vor allem bei weltanschaulichen Überzeugungen: Naturalismus ist deutlich häufiger, klare theistische und übernatürliche Überzeugungen sind deutlich seltener. Religiöse Praxis weicht dagegen weniger stark ab.

Weltanschauliche Inhalte jenseits der Gretchenfrage

Neben den Vergleichsfragen zu Religion und Spiritualität enthält die Mensa-Weltanschauungsstudie weitere Itemgruppen, die eine nuanciertere Betrachtung eigener weltanschaulicher Inhalte, Selbstdeutungen und institutioneller Einstellungen ermöglichen.

Die Zustimmung zu humanistischen Werten ist besonders deutlich. 95,5 Prozent der Befragten stimmen der Aussage eher oder voll zu, sie verträten humanistische Werte im Sinne des ersten Artikels der UN-Menschenrechtserklärung. Auch Respekt vor Vielfalt, Lebewesen und Natur erreicht hohe Werte: 91,3 Prozent stimmen zu, dass die Natur geachtet werden sollte, und 84,3 Prozent, dass alle Lebewesen Achtung verdienen. Zugleich ist Naturbezug nicht überall gleich stark: Nur 17,6 Prozent stimmen stark zu, in Harmonie mit der Natur zu leben.

Weiterhin zeigt sich eine starke Wissenschaftsorientierung unter den Befragten: 92,8 Prozent stimmen in den beiden höchsten Kategorien zu, dass die wissenschaftliche beziehungsweise biologische Evolutionstheorie grundsätzlich korrekt ist. 79,3 Prozent befürworten, die wesentlichen Probleme der Menschheit mit wissenschaftlichen Anstrengungen anzugehen. Umgekehrt lehnen 88,6 Prozent die biblische Schöpfungslehre ab und 80,0 Prozent spirituelle oder übernatürliche Mittel zur Lösung der wesentlichen Menschheitsprobleme. Bemerkenswert ist der Gegenakzent beim Thema Statistik: Nur 24,8 Prozent lehnen die Aussage klar ab, man solle einer Statistik niemals vertrauen. Dies verweist jedoch eher auf Misstrauen gegenüber dem Missbrauch von Zahlen als auf Distanz zur Wissenschaft insgesamt.

Bei Sinn und Selbstbezug ist das Bild gemischter. 74,4 Prozent geben an, Liebe von anderen empfangen zu können, und 58,3 Prozent stimmen zu, froh darüber zu sein, so geworden zu sein, wie sie sind. 43,4 Prozent bejahen, ein Ziel im Leben zu haben, 34,9 Prozent, in ihren Lebenserfahrungen einen tieferen Sinn zu finden. Deutlich niedriger liegen stärker spirituelle oder sakrale Aussagen: 21,5 Prozent stimmen zu, dass es eine unsichtbare Verbindung zwischen allen Dingen gebe, 18,1 Prozent sehen die Erde als heilig, und 17,3 Prozent geben an, Spiritualität gebe ihnen innere Kraft.

Religiöses Interesse und religiöse Erfahrung sind ebenfalls als distinkte Kategorien erkennbar: 20,3 Prozent denken oft oder sehr oft über religiöse Fragen nach, 10,3 Prozent informieren sich oft oder sehr oft über religiöse Fragen, und 17,2 Prozent haben starkes Interesse an religiösen Themen. Religiöse Alltagspraxis und göttliche Erfahrung sind dagegen deutlich seltener. 73,4 Prozent richten nie ein kurzes Gebet an Gott, 71,4 Prozent suchen nie Kontakt zu einer göttlichen Kraft, und zwischen 58,6 und 67,2 Prozent berichten keine der abgefragten göttlichen Erfahrungen wie Eingreifen, Anwesenheit, Botschaft oder Berührung.

Identitätsfragen unterstreichen den religionsfernen Charakter der Stichprobe. 20,0 Prozent stimmen eher oder voll zu, sich als Anhängerin oder Anhänger einer Religion zu verstehen, dagegen stimmen 70,3 Prozent zu, sich mit keiner Religion so stark identifizieren zu können, dass sie sich als deren Anhängerin oder Anhänger bezeichnen würden. Politische Parteibindung ist ebenfalls nicht selbstverständlich: 33,8 Prozent stimmen einer starken Parteiidentifikation zu, 52,8 Prozent können sich mit keiner Partei identifizieren.

Die beiden institutionellen Fragen zum humanistisch-naturalistischen Begabtenförderwerk wurden im vorangegangenen fowid-Beitrag ausführlicher behandelt. 77,9 Prozent befürworten ein solches Förderwerk, und 83,4 Prozent lehnen eine geringere Stellung gegenüber bestehenden jüdischen, christlichen und muslimischen Begabtenförderwerken ab.

Damit zeigt sich bereits auf der Ebene einzelner Fragen ein differenziertes Bild. Die Stichprobe ist nicht nur religionsfern und naturalistisch, sondern zugleich stark humanistisch und wissenschaftsorientiert. Sinnfragen, kontemplative Praxis, spirituelle Selbstdeutung und politische Identifikation sind dagegen stärker verteilt und markieren eher Unterschiede innerhalb der Stichprobe.

Aufgeschlüsselt nach Geschlecht zeigt sich kein völlig anderes Bild, aber eine erkennbare Differenz. Lässt man die Fragen zur Parteibindung beiseite und sortiert die Items nach der Größe des Unterschieds, ergeben sich substantielle Abstände bei Naturbezug, Meditation sowie Aussagen zu Beziehung, Natur und Spiritualität. Frauen stimmen häufiger stark zu, in Harmonie mit der Natur zu leben (26,2 gegenüber 9,7 Prozent), dass alle Lebewesen Achtung verdienen (90,8 gegenüber 78,6 Prozent), und dass es eine nicht sichtbare, aber spürbare Verbindung zwischen allen Dingen gebe (27,7 gegenüber 15,9 Prozent). Auch Meditation ist bei Frauen stärker ausgeprägt: 24,1 Prozent meditieren mindestens wöchentlich, gegenüber 15,1 Prozent der Männer. 22,0 Prozent halten Meditation für wichtig, gegenüber 13,7 Prozent der Männer.


Weltanschauliche Muster hinter den Einzelantworten

Die bisherigen Abschnitte zeigen, wie die Befragten einzelne Fragen beantworten. Sie beantworten aber noch nicht, ob diese Antworten innerhalb der Stichprobe alle über eine gleichläufige Tendenz verfügen. Dazu wurden im begleitenden Preprint, der für eine spätere Fachpublikation vorgesehen ist, multivariate Analysen durchgeführt. Sie betrachten nicht nur einzelne Prozentwerte, sondern die Muster über viele Fragen hinweg.

Eine Faktorenanalyse fragt, welche Fragen von denselben Personen ähnlich beantwortet werden. Wenn Menschen, die stark an Gott glauben, zugleich häufiger religiöse Gemeinschaft, Gebet und Gottesdienst wichtig finden, dann gehören diese Fragen statistisch zusammen. Wenn andere Fragen dagegen ein eigenes Muster bilden, spricht das dafür, dass mehr als eine einzelne weltanschauliche Dimension im Spiel ist.

Für diese Analyse wurde das vollständige, oben dargestellte Fragenspektrum der Mensa-Weltanschauungsstudie analysiert. Dazu gehörten Items zu Religion, Spiritualität, Naturalismus, Wissenschaft, Sinnfragen, Selbstakzeptanz sowie humanistischen und ökologischen Werten.

Die Auswertung ergab keine simple Stratifikation von religiös zu säkular. Stattdessen ließen sich sechs strukturelle Dimensionen identifizieren, in denen die Studienteilnehmer systematisch divergierten:

Die Auswertung untersucht außerdem, wie diese Bereiche miteinander zusammenhängen. Besonders wichtig ist, dass humanistische und ökologische Werte, Sinnorientierung und kontemplative Praxis nicht einfach nur Varianten von Religiosität sind. Eine Person kann also konfessionsfrei und naturalistisch sein, zugleich aber humanistische Werte vertreten, sich mit Sinnfragen beschäftigen oder meditativ orientiert sein. Umgekehrt bedeutet Religionsferne nicht automatisch ein hohes Maß an Humanismus oder Spiritualität.

Auf dieser Grundlage wurden zusätzlich Profile gebildet. Dazu wurden die Antwortmuster der Befragten zusammengefasst und nach Ähnlichkeit gruppiert. Diese Profile sind keine festen Menschentypen, sondern eine anschauliche Zusammenfassung der Antwortmuster. Grob lassen sich eine stärker säkulare und wenig spirituelle Gruppe, eine privat-spirituell und humanistisch geprägte Gruppe sowie eine stärker religiös-institutionelle Gruppe unterscheiden.

Die  Abbildung zeigt, worin sich die drei Profile unterscheiden. Die säkulare Gruppe liegt niedrig bei Theismus, Spiritualität, Meditation und institutioneller Religion, aber höher bei Wissenschaftsvertrauen und Skepsis gegenüber Übernatürlichem. Die religiös-institutionelle Gruppe zeigt das Gegenmuster. Besonders aufschlussreich ist die privat-spirituell und humanistisch geprägte Gruppe: Sie ist institutionell nicht stark religiös, liegt aber hoch bei Meditation, Lebenssinn und humanistisch-ökologischen Werten. Gerade diese mittlere Gruppe zeigt, warum eine einfache Gegenüberstellung von religiös und säkular zu kurz greift.

Einordnung

Insgesamt zeigt der Vergleich mit dem angeglichenen Bevölkerungswert ein differenziertes Muster. Die deutlichsten Unterschiede liegen nicht bei der religiösen Praxis, sondern bei den Glaubensinhalten. Gottesdienstbesuch liegt in beiden Gruppen nahezu gleichauf, Gebetshäufigkeit weicht moderat ab. Dagegen sind Gottesglaube, höhere Macht, übernatürliche Eingriffe und Wunderglaube in der Mensa-Weltanschauungsstudie wesentlich seltener, naturalistische oder nicht-theistische Sichtweisen wesentlich häufiger. Die Verschiebung betrifft also weniger die religiöse Praxis als das eigene Überzeugungssystem.

Zugleich ist die Stichprobe weltanschaulich nicht homogen. Die Faktorenanalyse zeigt, dass sich das Antwortverhalten nicht auf eine einzelne Achse von religiös bis säkular reduzieren lässt. Wissenschaftsvertrauen, humanistische und ökologische Werte, kontemplative Praxis, Sinnorientierung und institutionelle Religiosität bilden jeweils eigene Dimensionen, die nur teilweise miteinander zusammenhängen. Eine Person kann konfessionsfrei und naturalistisch orientiert sein und zugleich ein ausgeprägtes Sinnerleben, meditative Praxis oder starke humanistisch-ökologische Werte aufweisen. Umgekehrt geht Religionsferne nicht automatisch mit hoher Sinnorientierung oder humanistischem Engagement einher.

Die drei weltanschaulichen Profile verdeutlichen dies. Die privat-spirituell und humanistisch geprägte Gruppe ist besonders aufschlussreich, weil sie zeigt, dass der Raum jenseits institutioneller Religion eigene Strukturen aufweist, die weder dem klassischen Religionsbegriff noch einem reduktiven Säkularismus entsprechen. Gleichwohl sei betont, dass eine Cluster-Analyse selten extrem klare Gruppen trennen kann und eher als allgemeine Interpretationsempfehlung zu betrachten ist.

Wie in zahlreichen vorangegangenen Analysen zeigt sich auch hier, dass konfessionsfreie und säkulare Milieus nicht nur über das Fehlen von Religion beschrieben werden sollten. Die Befragten sind mehrheitlich konfessionsfrei und naturalistisch orientiert. Zugleich zeigen die Daten eigenständige weltanschauliche Inhalte: Wissenschaftsorientierung, Humanismus, ökologische Werte, Sinnfragen und teilweise auch private Spiritualität. Religionsferne ist als Abgrenzung ein wichtiger Befund, als Beschreibung aber nicht hinreichend. Die Daten sprechen dafür, die positiven weltanschaulichen Inhalte, die in konfessionsfreien Milieus an die Stelle klassischer Religiosität treten, als eigenständige Gegenstände weitergehend zu untersuchen.

Nicht untersucht wurde in der vorliegenden Studie der Zusammenhang zwischen weltanschaulicher Orientierung und politischen Einstellungen. Die Befunde zur Parteiidentifikation deuten bereits an, dass auch politische Bindung in der Stichprobe schwächer ausgeprägt ist als in der Gesamtbevölkerung. Offen bleibt, ob und wie sich die hier identifizierten weltanschaulichen Dimensionen mit politischen Haltungen überlagern. Die Forschung zu moralischen Grundlagen und politischer Psychologie läge dies nahe: In einer überwiegend naturalistischen und hochgebildeten Stichprobe wäre zu fragen, ob die hier sichtbare Binnendifferenzierung zwischen säkularer, privat-spiritueller und religiös-institutioneller Orientierung auch mit unterschiedlichen politischen Profilen einhergeht.

Methodischer Hinweis

Die Mensa-Weltanschauungsstudie wurde 2023 als Onlinebefragung durch die Giordano-Bruno-Stiftung in Kooperation mit Mensa durchgeführt. Ausgewertet wurden 292 abgeschlossene Interviews. Die Vergleichswerte stammen aus ALLBUS 2023. Der ALLBUS-Wert wurde zunächst mit dem Standard-Personengewicht berechnet und anschließend per Raking nach Alter und Geschlecht an die Struktur der Mensa-Weltanschauungsstudie angeglichen. Einige Items sind nicht wortgleich, sondern inhaltlich angenähert. Die Ergebnisse beschreiben daher eine ausgewählte Befragungsgruppe und dienen nicht als repräsentative Schätzung der obersten ~2% der Intelligenzverteilung oder alle Mensa-Mitglieder.

Eine ausführlichere methodische und statistische Darstellung der Studie findet sich nach Publikation in: Wolfram, T. / Plinke, P. / Schmidt-Salomon, M. / Baudson, T. G. (In Vorbereitung): Worldview Differentiation in a High-IQ Association Sample: Religion, Spirituality, Science, and Humanism among German Mensa-Linked Adults.