Berlin: Religions- und Weltanschauungsunterricht 1996-2026

In den vergangenen 30 Jahren – 1996 – 2026 – haben sich die Tendenzen der Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterricht an allgemeinbildenden Schulen in Berlin als stabil gezeigt: Für die Humanistische Lebenskunde haben sich die Teilnehmerzahlen stetig weiter erhöht, der christliche Religionsunterricht verliert an Teilnehmern – sowohl evangelisch wie römisch-katholisch.
Von Carsten Frerk.
Vorbemerkung
Datengrundlage
Entwicklung 1996/97 bis 2025/26
Daten im Schuljahr 2025/26
Vorbemerkung
Die nachstehenden Teilnehmerzahlen am Religions- und Weltanschauungsunterricht sind kein Abbild der Konfessionen in Berlin. Es sind – als Ausdruck der Freiwilligkeit, d. h. ohne staatliche Beteiligung -, Übersichten über die Organisationen, die aufgrund eines eigenen Anspruchs weltanschauliche/religiöse Unterrichtsangebote realisieren/anbieten und wie viele Schüler daran freiwillig teilnehmen. Es folgt auch der Logik: Was nicht angeboten wird, kann auch nicht ausgewählt werden. Das Angebot beruht entsprechend auf dem Engagement der Trägerorganisationen des Unterrichtsangebot (Christliche Kirchen, Humanistischer Verband, Islamische Föderation, u. a. m.) ‚eigene‘ Lehrerinnen und Lehrer auszubilden, den Unterricht zu organisieren, etc. und eine Mindestzahl von teilnehmenden Schülern zu erreichen.
Staatlicher Unterricht, der durchaus als weltanschaulich betrachtet werden kann – wie Ethikunterricht, AGs politische Philosophie, etc. – ist dem Neutralitätsprinzip verpflichtet und wird entsprechend nicht zu einem spezifischen Weltanschauungsunterricht gezählt.
Datengrundlage
Die Daten sind Teil der Zählungen der Schulstatistik (hier: 2025/26) durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie nach Beginn des jeweiligen Schuljahres. Die Ergebnisse der Auszählungen zur „Teilnahme am freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterricht an allgemeinbildenden öffentlichen und privaten Schulen“ wurden auf Anfrage übermittelt. Bis 2020 waren die Daten allgemein zugänglich (2010/11 bis 2017/18).
Entwicklung 1996/97 bis 2025/26
Seit dem Schuljahr 1996/97 bis zum Schuljahr 2025/26 gibt es vier gleichbleibende Tendenzen: 1. Der evangelische Religionsunterricht verliert kontinuierlich an teilnehmenden Schülerinnen und Schülern. 2. Die humanistische Lebenskunde verzeichnet Jahr um Jahr kontinuierlich mehr teilnehmende Schüler. 3. Der katholische Religionsunterricht zeigt in den Teilnehmerzahlen eine langjährige Konstanz, seit 2018 kommen aber weniger Schülerinnen und Schüler in den Unterricht. 4. Die von der Teilnehmerzahl kleineren Angebote bleiben klein, auch wenn sie – wie der Islamische Religionsunterricht – ein größeres Angebot/Nachfrage haben könnten. (s. Tabelle 1 im Anschluss)

Der Anteil aller Schülerinnen und Schüler, die freiwillig (oder auf Wunsch der Eltern) am Religions- oder Weltanschauungsunterricht teilnehmen ist seit 1996/97 (34 Prozent) bis zum Beginn der 2010er Jahre (52 Prozent) angestiegen und verringert sich seitdem wieder. (s. Tabellen 2)

Daten im Schuljahr 2025/2026
Im aktuellen Schuljahr nehmen 41,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Religions-/Weltanschauungsunterricht teil, mit den beiden großen Gruppen: Humanistische Lebenskunde (18,4) und Evangelischer Religionsunterricht (16,1 Prozent).

Bezieht man die Teilnehmerzahlen nur auf den Religions-/Weltanschauungsunterricht, so werden die beiden ‚Marktführer‘ noch deutlicher: 44 Prozent (= 74.424) besuchen die Humanistische Lebenskunde und 39 Prozent (= 65.062) den evangelischen Religionsunterricht. 17.087 Schülerinnen und Schüler nehmen am katholischen Religionsunterricht teil und 6.476 am islamischen Religionsunterricht.

Im Vergleich der Anteile der Angebote, die von den Kindern (bzw. ihren Eltern) ausgewählt werden, wird der Aspekt einer stetigen Säkularisierung deutlich. Die Anteile der religiösen Angebote (evangelisch und katholisch) verringern sich kontinuierlich bzw. steigen auf niedrigem Niveau marginal (islamisch), während die Anteile des säkularen Angebots (humanistische Lebenskunde) kontinuierlich ansteigen.

In der Verteilung auf die vier ‚Jahrgangsstufen‘ (1-4, 5-6, 7-10 und 11-13) zeigen sich die Unterschiede, dass die Humanistische Lebenskunde in der jüngsten Jahrgangstufe (1-4) von der Mehrheit nachgefragt wird (55 Prozent der Schülerinnen und Schüler), sich in der zweiten Jahrgangsstufe (5-6) diese Anteile verringern (42 Prozent) und in den beiden älteren Jahrgangsstufen nicht mehr nachgefragt/angeboten wird – der Ethikunterricht für alle ist die bruchlose Fortsetzung.

Bezogen auf die Anzahl der erreichten Schülerinnen und Schülerinnen werden diese Unterschiede noch deutlicher. (s. Tabelle 4)

Die ‚Schwerpunktsetzung‘ des Religions-/Lebenskundeunterrichts zeigt sich zum einen in dem 85 Prozent-Anteil der Jahrgangsstufen 1-6 (1-4 = 62 Prozent + 5+6 =23 Prozent) und zum anderen in der Verteilung des Lebenskundeunterrichts, der zu 99 Prozent in diesen Jahrgangsstufen realisiert wird – bis dann der Ethikunterricht für alle einsetzt.
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Tabellen:
(Die in den Tabellen und Grafiken enthaltenen Daten befinden sich als auslesbare Daten in der Excel-Datei im Anhang).





