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Frauen- und Männerorden in Österreich

Die Ordensgemeinschaften in Österreich sind traditionell aktiver und vermögender als die katholischen Diözesen. Woran es ihnen allerdings mangelt, das sind die ordenseigenen Mitarbeiter. Vor allem bei den Frauenorden ist die Verringerung der Zahl der Nonnen unaufhaltsam und erheblich, worin sich auch ein gesellschaftlicher Wandel darstellt.

Nach eigenen Angaben bestehen Ende 2015 in Österreich 192 Ordensgemeinschaften (105 Frauengemeinschaften und 87 Männergemeinschaften), mit 5.339 Ordensleuten (3.643 Frauen und 1.696 Männern). Die Ordensgemeinschaften betreiben 234 Ordensschulen (192 von Frauenorden getragen), an denen 49.941 Schülerinnen unterrichtet werden. Die Ordensgemeinschaften betreiben 25 österreichische Ordensspitäler mit mehr als 20.000 Mitarbeitern.

(Will man diese Zahlen mit dem katholischen Deutschland vergleichen, ergibt das Fünffache eine entsprechende Vergleichszahl.)

Was in der Selbstdarstellung nicht erwähnt wird, ist, dass die Ordensgemeinschaften – nach den Recherchen von Carsten Frerk und Christoph Baumgarten –  über einen Grund- und Forstbesitz von 98.000 Hektar verfügen, der einen Vermögenswert von mindestens 1,6 Milliarden Euro darstellt, und ein Kapitalvermögen, das sich auf rund 1,1 Milliarden Euro beläuft. Für das Sachvermögen (Kunstgegenstände, Bücher, etc.) werden zweistellige Milliardenbeträge geschätzt. Für die konfessionellen Ordensspitäler werden rund 1,8 Milliarden öffentliche Gelder eingesetzt.

Der Begriff „Klösterreich“ ist nicht nur ein medialer Begriff, um die Bedeutung der Orden für die Bundesrepublik Österreich zu beschreiben, sondern auch Teil des Marketingkonzeptes  und ein eigenes Referat der „Ordensgemeinschaften Österreich“.

Im Gegensatz zu diesem weltlichem Vermögen steht die Personalsituation der Ordensgemeinschaften, die sich vor allem für die Frauenorden als mittelfristig existenzgefährdend darstellt.

Seit 1970 hat sich die Zahl der Nonnen kontinuierlich verringert. Waren es 1970 noch 13.797, so sind es Ende 2015 noch 3.643 Frauen, die einer Ordensgemeinschaften angehören. Damit hat sich die Anzahl der Nonnen auf ein Viertel (26,4 Prozent) der Anzahl von 1970 verringert.

Die Männerorden profitieren von einem Zuwachs an Mitglieder in den 1980er Jahren und, bezogen auf 1980, hat sich ihre Anzahl ebenfalls verringert, wenn auch relativ geringer als bei den Frauenorden.

Die Altersverteilungen geben einen ersten Hinweis darauf, worin die Unterschiede zwischen den Nonnen und den Mönchen beruhen. Bei den Frauenorden haben die Nonnen, die älter als 75 Jahre sind, einen Anteil von über die Hälfte (54,7 Prozent) der Mitglieder und Dreiviertel der Nonnen (78 Prozent) sind älter als 65 Jahre. Bei den Männerorden haben die Mönche, die älter als 65 Jahre sind, einen Anteil von weniger als die Hälfte (45,2 Prozent)

Obwohl für die Männeroden keine Angaben zu den Tätigkeitsschwerpunkten der Orden vorliegen, kann man davon ausgehen, dass sie überwiegend in der Ordensverwaltung und in der Bewirtschaftung und Vermarktung der großen Stifte beschäftigt sind.

Bei den Frauenorden liegt der größte Teil der Tätigkeiten (41 Prozent) bei den Krankenorden, d. h. vorwiegend den Ordensschwestern in den Ordensspitälern, gefolgt von (23 Prozent) der Nonnen, die vorwiegend als Lehrerinnen tätig sind bzw. waren.

Diese Zuordnungen und ihre zeitlichen Veränderungen zeigen sich auch in den Altersverteilungen. Die beiden traditionell größten Tätigkeitsbereiche von Krankenorden und Schulorden haben einen Altersaufbau, der exemplarisch den Wandel des Selbstverständnisses von Frauen ausdrückt. Bis hin zu den Geburtsjahrgängen vor 1950 (also den in 2015 - 65 Jahre und älteren) wählen die Frauen, die bereit sind zölibatär zu leben und in eine Hierarchie des Gehorsams eingefügt zu sein, zu knapp der Hälfte die Krankenorden und ein knappes Viertel die Schulorden. In den jüngeren Altersgruppen entscheiden sich relativ immer weniger Frauen für einen dieser beiden Tätigkeitsschwerpunkte.

Bei den anderen drei Ordensgemeinschaften ist der Trend umgekehrt – wenn auch auf einem niedrigeren Niveau. Die kontemplativen Klausurorden finden den größten Zuspruch bei den Jüngeren (34 Prozent aller bis 40-Jährigen), gefolgt von der Arbeit in Orden im karitativen und sozialen Bereich (25 Prozent).

 (CF)