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Humanistische Hochzeiten und Scheidungsquoten in Schottland

Wie bereits in einer früheren fowid-Meldung berichtet, hat 2010 die Anzahl der humanistischen Trauungen die Zahl der katholischen Zeremonien übertroffen. Im Jahr 2015 gab es dann auch mehr humanistische Trauungen als die von der Kirche von Schottland. Dieser Trend hat sich weiter fortgesetzt und nun liegt auch eine Auswertung zu den Scheidungsquoten vor -  mit bemerkenswerten Ergebnissen für die Paare, die sich humanistisch getraut haben.

Wer in Schottland rechtsgültige Trauungen durchführen will, muss beim Registrar (Vorsitzenden) des General Register Office for Scotland einen entsprechenden Antrag stellen. Es besteht in Schottland die Möglichkeit einer „zivilen Hochzeitszeremonie“ und einer „religiösen Hochzeitszeremonie“. Die humanistischen Trauungen gehören allerdings nicht zu den „zivilen Hochzeiten“, sondern in den Bereich der Religious Marriage Ceremony:  „Religious or belief marriage ceremonies vary greatly, depending on the religion or belief involved. They include marriages by celebrants of many Christian denominations, and celebrants from other religions such as Jews, Muslims, Sikhs and Hindus. They also include celebrants from other belief systems, notably Humanists.”

Seit 2005 gehört Schottland zu den sechs Ländern/Regionen der Welt, in denen humanistische Hochzeitszeremonien den kirchlichen/religiösen Trauungen gleichgestellt sind. (Australien, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Schottland und Irland.) Jahr um Jahr steigt die Anzahl der humanistischen Hochzeitsfeiern, deren Ablauf nicht festgelegt ist, sondern sich hinsichtlich Örtlichkeit und Gestaltung ganz nach den Wünschen des Brautpaares richtet.

Musste die Humanist Society Scotland (HSS) 2015 noch die Zahlen des Mitbewerbers der Independece Humanist Ceremonies zu Hilfe nehmen, so hat die HSS 2017 aus eigener Kraft die Zahl der Eheschließungen als Spitzenreiter erreicht.

In einer Übersicht der Nationalen Zensusbehörde von 2007 bis 2017 über 51 verschiedenen Denominationen und die Anzahl der Trauungen, zeigt sich, dass die Zahl aller religiösen Trauungen zurückgeht oder, falls steigend, im Marginalen verbleibt, die Anzahl der humanistisch-weltanschaulichen Trauungen in diesem Segment aber stetig steigt.

Neben der Humanist Society Scotland (HSS), die seit 2005 eine Eheschließungslizenz hat, bestehen noch die Independent Humanist Ceremonies (seit 2014), die Humanist Fellowship of Scotland (seit 2014), die Scottish Humanist (2014) sowie die Caledonian Humanist Association (seit 2017).

Diese fünf humanistischen Organisationen haben 2017 zusammen 5.320 Eheschließungen zelebriert, die beiden größten religiösen Anbieter (die Church of Scotland und die römisch-katholische Kirche) bringen es auf 4.348 Trauungen.


Scheidungsquoten

Die British Humanists haben nun – ausschließlich für die Humanist Society Scotland, da die anderen vier Organisationen noch nicht lange genug aktiv sind – berichtet und dafür detailliert ausgerechnet und erläutert, wie es mit der Dauerhaftigkeit der Eheschließungen bei den großen Event-Anbietern aussieht.

Ehepaare in Schottland, die seit 2005 in einer humanistische Hochzeitsfeier getraut wurden, wurden im Vergleich zu anderen Formen der Eheschließungen:

  • 3-fach weniger geschieden als durch die römisch-katholische Kirche geschlossene Ehen
  • 2-fach weniger geschieden als durch die Kirche von Schottland getraute Ehen
  • Knapp 4-fach weniger geschieden als standesamtlich getraute Ehen.

Die Angaben basieren auf statistischen Daten der National Records of Scotland, die im März 2019 auf Antrag des britischen Humanistischen Verbandes nach dem Informationsfreiheitsgesetz herausgegeben wurden.

Die Daten decken alle Scheidungen im Zeitraum 2017-18 ab, die in zivile, humanistische, Church of Scotland, katholische und andere Arten von religiösen Ehen unterteilt sind. Durch den Vergleich dieser Zahlen mit den vorhandenen Statistiken über die Anzahl der Ehen ist es möglich, die Scheidungsrate für jede Gruppe zu berechnen.

Scheidungsquoten Schottland

In allen Fällen waren Paare, die eine Ehe mit einem humanistischem Ritual geschlossen hatten, am unwahrscheinlichsten geschieden - und das mit deutlichem Abstand. Insgesamt wurden in den letzten fünfzehn Jahren 0,25 Prozent der humanistischen Paare geschieden, verglichen mit 0,84 Prozent aller anderen Paare. Dieser große Unterschied bleibt unabhängig von der Dauer der Ehe bestehen.

Aus dem Annex im Briefing der Humanists UK (10. März 2019)

  • Ein Vertreter der evangelischen Kirche von Schottland (Church of Scotland) sagte bei Veröffentlichung der Scheidungsraten, dass die kirchlichen Eheschließungen auch persönlich und individuell durchgeführt würden. Die Art der Eheschließung würde keine Rolle bei der Scheidungsrate spielen und sei reine Spekulation, solange nicht der Einfluss aller Faktoren untersucht sei. In der Tat sind Variablen wie Wertebasis, Herkunft, Lebensstandard, Bildungsstand, Alter bei Eheschließung, vorherige Ehen, Kinder etc. zu testen, allerdings scheinen die Eheschließungsgruppen durchaus repräsentativ zu sein – mit Ausnahme möglicherweise bei den katholisch geschlossenen Eben bezüglich der Variabel „vorherige Ehen“.
  • Unzutreffend und irreführend, weil für die aus den statistischen Daten gezogene Schlussfolgerung der Eheschließungen seit 2005 unerheblich, ist die Reaktion eines Sprechers der schottischen Bischofskonferenz, der von der BBC zitiert wird, dass erst in 17 Jahren beurteilt werden könne, ob humanistischen Ehen länger halten als religiös geschlossene Ehen. („The average length of marriages in Scotland is around 30 years. Humanist marriages have been available for around 13 years. It will be at least 17 years before we can determine whether humanist marriages last any longer than religious marriages.“)

(LN, CF)