Kleinere Religionsgemeinschaften 2005 - 2024/2025

Eine Übersicht über die vergangenen 20 Jahre zeigt, dass die Entwicklungen bei den kleineren Religionsgemeinschaften - im Religionskreis der „Protestanten“ - zwar unterschiedlich sind, insgesamt aber dem Trend der Großkirchen zur Verringerung der Mitglieder folgen. Allerdings sind die Mitgliederzahlen nicht einfach zu ermitteln. Je kleiner, desto schwieriger.
1. Datenbasis
2. Kleinere „Protestanten“
3. Weitere kleinere Religionsgemeinschaften
4. Fazit der Veränderungen
1. Datenbasis
Die folgende Ausarbeitung befasst sich weitestgehend mit den kleineren Religionsgemeinschaften in Deutschland im Religionskreis der „Protestanten“. Für die „Orthodoxen“ und die „Muslime“ folgen eigene Ausarbeitungen.
Die „evangelischen Freikirchen“ waren in den Volkszählungen (Westdeutschlands) eine feste Kategorie: 1950 wurden 518.300 gezählt („einschließlich Angehöriger christlich orientierter Sondergemeinschaften“), 1961 waren es (ohne Sondergemeinschaften) 349.900 (=0,62 Prozent). 1987 sind es 388.235 (= 0,63 Prozent) und im Zensus 2011 insgesamt 714.360 (= 0,90 Prozent). Im Zensus 2022 wurden die Religionskategorien auf den Minimalkonsens von drei Kategorien reduziert (EKD-Evangelisch, Römisch-katholisch, Sonstige).
Für die Entwicklung kleinerer Religionsgemeinschaften liegen fowid-Auswertungen vor: „Kleinere Religionsgemeinschaften“ (u. a. zu den Mennoniten), „Entwicklungen in der Neuapostolischen Kirche“, „Pfingstler in Deutschland: der BFP“, „Evangelisch-methodistische Kirche, 2002-2022“ und „Mitglieder evangelischer Freikirchen“.
Versucht man sich einen aktuellen Überblick zu verschaffen, stößt man schnell auf eine Übersicht von Statista zu „Anzahl der Mitglieder ausgewählter Freikirchen, religiöser Sondergemeinschaften und neureligiöser Bewegungen in Deutschland von 2005 bis 2025“. Diese Übersicht ist allerdings inhaltlich ein Sammelsurium aus verschiedensten Religionen (u.a. Sikhs, Scientologen, Freireligiöse Freie Humanisten, Mormonen u.a.m.). Es werden 25 Organisationen aufgelistet, mit 13 verschiedenen Bezugsjahren aus den Jahren 2005 bis 2025. Es hätten auch zehn mehr oder weniger sein können. Eine Quelle dafür wird nicht einsehbar genannt.
Es ist keine ‚Momentaufnahme‘ eines oder weniger Jahre. Zudem wird nicht deutlich, welche Zahlenangaben auf bloßen Schätzungen beruhen und welche auf gezählte Mitglieder. Bei der Zahlenangabe mit ‚glatten Tausendern‘ handelt es sich durchweg um mehr oder weniger plausible Schätzungen.
Sie bilden eine Gesamtzahl von 1.402.294 Personen, was einem Bevölkerungsanteil von 1,68 Prozent entspricht, ist aber - aufgrund ihrer Beliebigkeit - als Datenbasis nicht qualifiziert.

Für die Daten der Jahre 2005-2024/25 sind die geordneten statistischen Daten auf REMID (Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst) die vorrangige Basis, vermutlich ebenfalls für die Statista-Übersicht. Die REMID-Daten sind die zuverlässigste Quelle für die Mitgliederzahlen von Religionsgemeinschaften in Deutschland, die von dem Bemühen getragen werden, auch kleinste Organisationen zu benennen. Dort finden sich auch Anmerkungen und Quellenangaben. Diese Zahlen wurden, soweit möglich, durch eigene fowid-Recherchen ergänzt. Um Zeitreihen der Veränderungen zu erhalten, wurden nur die Religionsgemeinschaften berücksichtigt, für die mindestens drei Zahlenangaben zu den Mitgliederzahlen vorliegen.
2. Kleinere „Protestanten“
Die Begrenzung der kleineren Religionsgemeinschaften auf die „Protestanten“ zeigt ein genaueres Bild über die Mitgliederzahlen in den Jahren 2022-2024.

Die Summe der dargestellten 15 Religionsgemeinschaften beläuft sich auf 818.958 Mitglieder (= 0,97 Prozent).
Die Übersichten zu diesen 15 kleineren Religionsgemeinschaften (s. Tabelle 1.1. bis 1.3. im Anschluss) erbringen Aufschluss über den zeitlichen Verlauf der Mitgliederentwicklung.
Hinsichtlich der Frage, ob sich die Mitgliederzahl verringert oder vergrößert – auch als Auffangbecken für die aus den EKD-Landeskirchen Ausgetretenen – ist die Antwort insgesamt eindeutig. Trotz aller unterschiedlichen Veränderungen von Minus und Plus ist der Saldo eine Verringerung.
Hinsichtlich der Mitgliederzahl verringern sich diese bei 10 der 15 Religionsgemeinschaften.

Auch hinsichtlich des Prozentsatzes der Veränderungen zeigt sich, dass die Höhe der Mitgliederzahl dabei keine Rolle spielt.

3. Weitere kleinere Religionsgemeinschaften
Hinsichtlich der Entwicklung weiterer kleinerer Religionsgemeinschaften in Deutschland (s. Tabelle 2) bleiben die Alt-Katholiken relativ stabil bei rund 15.000 Mitgliedern, die Jüdischen Gemeinden verringern sich von 2005-2024 um rund 18.000 Mitglieder, während die Jesiden ihre Anzahl (durch Zuwanderung) kontinuierlich erhöhen.
Zu den Orthodoxen und den Muslimen – die auch zu den kleineren Religionsgemeinschaften gehören – wird es eigene Ausarbeitungen geben.
4. Fazit der Veränderungen
Für die kleineren 15 Religionsgemeinschaften aus dem Religionsbereich „Protestanten“ ergibt sich aus den Verringerungen (Minus 122.674) versus Erhöhungen der Mitgliederzahl (Plus 53.897) einen Gesamtsaldo von Minus 68.777 Mitglieder. Bezogen auf die Ausgangszahlen (907.351 Mitglieder) ist das eine Verringerung um 7,6 Prozent und, bezogen auf rund 20 Jahre, eine jährliche Verringerung von durchschnittlich rund 0,4 Prozent.
Insofern lässt sich bei den „kleineren Protestanten“ – ebenso wie bei den Alt-Katholiken – kein Mitgliedergewinn durch die Austritte aus den beiden großen ‚Amtskirchen‘ feststellen.
Carsten Frerk
Tabellen
(Im Anhang befindet sic eine Excel-Datei mit den auslesbaren Daten.)



