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Römische Katholiken in Lateinamerika

Fowid-Notiz: In einem Vergleich von Umfragen aus den Jahren 2013/14 sowie 2024 stellt das PEW-Forschungszentrum fest: „Catholicism Has Declined in Latin America Over the Past Decade“. (Der Katholizismus ist in Lateinamerika in den letzten zehn Jahren zurückgegangen.) Das entspricht einem langfristigen Trend. Aber: Auch wenn die Anteile der religiös Ungebundenen („Nones“) steigt, bleibe der Glaube an Gott weiterhin in der gesamten Region sehr hoch.

Dazu trifft das PEW-Forschungszentrum folgende Feststellungen: „Der katholische Anteil an der Bevölkerung in mehreren lateinamerikanischen Ländern ist in den letzten zehn Jahren geschrumpft, während ein wachsender Anteil lateinamerikanischer Erwachsener religiös unabhängig ist und sich selbst als Atheisten, Agnostiker oder „nichts Besonderes“ beschreibt. […] Heute machen Katholiken in jedem dieser Länder 46 % bis 67 % der erwachsenen Bevölkerung aus, während der Anteil der Erwachsenen, die religiös nicht angeschlossen sind, zwischen 12 % und 33 % liegt.“

Diese Verringerungen der Anteile römisch-katholischer Kirchenmitglieder ist ein langfristiger Trend.

Die Ergebnisse der PEW-Umfragen entsprechen den referierten Befunden des Latinobarometers („Konfessionen in Lateinamerika, 1995-2024“) für den Zeitraum 1995-2024.

2013/14 „hatten Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru noch alle katholische Mehrheiten, wobei etwa sechs von zehn oder mehr Erwachsenen in jedem Land sich als katholisch identifizierten. Heute [2024] identifizieren sich etwa die Hälfte der Brasilianer und Chilenen als katholisch (jeweils 46 %), während Argentinien (58 %), Kolumbien (60 %), Mexiko (67 %) und Peru (67 %) deutlich kleinere katholische Mehrheiten haben als 2013/14.“

Es ist zudem auffallend, dass der Anteil der Veränderungen vorrangig ein Wechsel von römischen Katholiken zu den ‚Ungebundenen‘ ist.

Das zeigt sich in den Veränderungen zwischen der Religion der Kindheit und der heutigen Ansicht.
„Ein Grund für den Rückgang des Katholizismus und das Wachstum religiös nicht gebundener Bevölkerungen in Lateinamerika ist der religiöse Wechsel: ein Austritt aus dem Katholizismus durch Erwachsene, die in der Religion aufgewachsen sind, sich aber nicht mehr mit ihr identifizieren. In den sechs befragten lateinamerikanischen Ländern geben etwa zwei von zehn oder mehr Erwachsenen an, katholisch erzogen worden zu sein, aber inzwischen den Katholizismus verlassen zu haben.“

„Im Allgemeinen neigen Protestanten eher als Katholiken und „Ungebundene“ dazu, zu sagen, dass Religion in ihrem Leben sehr wichtig ist. So sagen dies beispielsweise in Chile 75 % der Protestanten, verglichen mit 48 % der Katholiken und 9 % der religiös nicht angeschlossenen Erwachsenen.“

Auf eine Besonderheit gehen die PEW-Umfragen detailliert ein: die Religiosität der Konfessionsfreien: „Wir verglichen religiös nicht zugehörige Menschen in Lateinamerika mit Christen in Europa an drei Kriterien: Glauben an Gott, Gebetshäufigkeit und ob Menschen Religion für sehr wichtig in ihrem Leben halten. Nach diesen Maßstäben sind „Nones“ in Lateinamerika im Durchschnitt etwa so religiös wie Christen in Europa.“

Die Hypothese, dass sich darin ein zunehmender Anti-Klerikalismus ausdrücken könnte – also ein möglicher Unterschied zwischen Kirche bzw. Religion -, wurde nicht geprüft.

(CF)