Freitodbegleitungen in Deutschland 2025

Die Anzahl der Freitodbegleitungen ist 2025 gegenüber dem Vorjahr gestiegen und beträgt 1.288 Personen. Das sind 0,1 Prozent aller Todesfälle in Deutschland. Im Vergleich zu den Anteilen in der Schweiz oder in den Niederlanden wären – bei einer parallelen Entwicklung - in Deutschland jährlich zwischen 24.000 und 58.000 Freitodbegleitungen zu erwarten.
1. Datenbasis
Drei Organisationen haben ihre Daten publiziert: die Deutsche Gesellschaft Humanes Sterben (DGHS), der Verein Sterbehilfe und Dignitas-Deutschland e.V..
Im Unterschied zur Schweiz, in der es eine offizielle Statistik zur Freitodbegleitung gibt („Assistierter Suizid und Suizid nach Alter, Periode 2019–2023“) ist das in der detaillierten Todesursachenstatistik in Deutschland nicht der Fall.
Es ist allerdings bekannt, dass es weitere Organisationen zur Sterbehilfe gibt, die – auch aufgrund eines Selbstschutzes - , kein Interesse an Transparenz haben. Das wird respektiert. Ebenso kann angenommen werden, dass Ärzte stillschweigend Freitodbegleitungen realisieren. Insofern ist es müßig über ‚Dunkelziffern‘ zu spekulieren oder Zahlen zu schätzen.
2. Freitodbegleitungen 2020 - 2025
Die Anzahl der Freitodbegleitungen hat sich 2025 gegenüber 2024 erhöht und beläuft sich auf 1.288 Personen (s. Tabelle 1).

Der Anstieg beruht vor allem auf der DGHS. Für die beiden anderen Organisationen ist es – gegenüber 2023 – eine Verringerung. In der Summe ist ein durchgehender Anstieg der Anzahl der Begleitungen.

Hinsichtlich der Dynamik des Anstiegs der Zahlen sind die Anteile in den Veränderungen stetig sinkend, auch bei der DGHS.

Nach den Zahlen der DGHS beläuft sich das Durchschnittsalter auf 80 Jahren bei den Frauen und 79 Jahren bei den Männern.

Der Anteil der Frauen beträgt 62 Prozent, der Anteil der Männer 38 Prozent (s. Tabelle 2)
Hinsichtlich der Hauptmotive für eine Freitodbegleitung sind es die Multimorbidität (32 Prozent) sowie die „Lebenssattheit“ (26 Prozent). (s. Tabelle 3)

3. Mitgliederentwicklung
Die Mitgliederentwicklung der DGHS und des Vereins Sterbehilfe kann auch als Indikator für die gesellschaftliche Akzeptanz der Freitodbegleitungen verstanden werden. (Tabelle 4.1.)

Auch wenn die Mitgliederzahlen sich in der Relation von rund 85:9:6 befinden (2025: DGHS 59.395 Mitglieder, Verein Sterbehilfe 6.427 Mitglieder, Dignitas Deutschland 4.418) zeigen die Veränderungen ein ähnliches Muster bei den beiden deutschen Organisationen und Unterschiede zu Dignitas Deutschland. (Tabelle 4.2.)
In den Jahren der politischen Diskussionen und des Bestehens der Strafbarkeit der „geschäftsmäßigen Sterbehilfe“ (ehemals § 217 StGB) – den Jahren 2010 – 2019 – verringern sich die bei der DGHS und dem Verein Sterbehilfe die Mitgliederzahlen. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgericht vom 26. Februar 2020 in dem die individuelle Freitodentscheidung als Grundrecht und Ausdruck der Menschenwürde bestimmt wird, steigen die Mitgliederzahlen.

Im Vergleich der beiden kleineren Organisation wird der Unterschied zwischen dem Verein Sterbehilfe und Dignitas Deutschland sichtbar. Die Mitgliederzahlen von Dignitas Deutschland – einer ‚Ausgliederung‘ der Dignitas in der Schweiz - steigen kontinuierlich.

Dieser Unterschied zeigt sich entsprechend bei den Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Während die Mitgliederzahlen von Dignitas Deutschland langsam und kontinuierlich steigen, hat der Verein Sterbehilfe – nach der ‚Delle‘ 2015-2019 – in den Jahren 2020 – 2025 einen Zuwachs von 664 auf 6.427 Mitglieder.

Beiden gemeinsam ist andererseits, dass die ‚Zuwachsraten‘ sich nach 2022 kontinuierlich verringern.
4. Vergleichszahlen
Mit Bezug auf die 2025 in Deutschland Verstorbenen (1.003.130 Personen) bedeuten diese 1.288 Freitodbegleitungen einen Anteil von 0,13 Prozent.
Bezieht man sich auf die Erfahrungen in der Schweiz, in Belgien oder in den Niederlanden, so beträgt der Anteil der Freitodbegleitungen (im Jahr 2024) dort 2,4 Prozent bzw. 3,6 Prozent sowie 5,8 Prozent der Verstorbenen. Auf Deutschland übertragen wäre das eine Anzahl von 24.000 bis 58.000 Freitodbegleitungen pro Jahr.
Carsten Frerk
Tabellen
(Im Anhang befindet sich eine auslesbare Excel-Datei)




