Kindertageseinrichtungen 1994 – 2022

1994 belief sich der Anteil der Kirchenmitglieder in Deutschland auf 69 Prozent der Bevölkerung. 2025 beträgt er noch 44 Prozent. Dieser Rückgang der Mitgliederzahlen hat zu keiner entsprechenden Verringerung der Anzahl der Kindertageseinrichtungen der Kirchen geführt. 1994 waren die Kirchen Träger von 37 Prozent der Kitas, 2025 sind es 32 Prozent – bei steigender Anzahl der Kitas.
1. Datenbasis
2. Insgesamt und Trägergruppen
3. BAGFW
4. Kitas nach Anzahl, Kindern und Personal
5. Bundesländer
6. Unter-3-Jährige
7. Fazit
1. Datenbasis
Diese Ausarbeitung ist die Aktualisierung der Recherche zu „Caritas und Diakonie“ und des fowid-Artikels „Kindertagesstätten öffentlicher und freier Träger 2017“. Datenbasis sind die Daten des Statistischen Bundesamtes, auf denen auch die detaillierten Aufbereitungen und Analysen der Publikation von Norina Wallußek, Melanie Böwing-Schmalenbrock, Christiane Meiner-Teubner beruhen: „Kitas im Trägervergleich. Eine vergleichende Analyse mit Fokus auf Kitas der katholischen Kirche/Caritas, EKD/Diakonie, AWO und des DRK“.
2. Insgesamt und Trägergruppen
Im betrachteten Zeitraum von 1994 – 2022, rund dreißig Jahre, hat sich die Anzahl der Kindertageseinrichtungen stetig erhöht: Von rund 47.000 auf 59.000 Kitas. (s. Tabelle 1 im Anschluss des Textes.)

Innerhalb der drei Trägergruppen (Staat / Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) / Sonstigen Trägern) hat sich die Anzahl bei den staatlichen Kitas verringert, bei den beiden anderen Trägergruppen erhöht.

Obwohl sich die Zahl der Kitas der Diakonie von 7.700 auf 9.300 erhöht hat und die Anzahl der Kitas der Caritas (mit rund 9.500) gleich bleibt, verringert sich der Anteil der konfessionellen Träger von 37 auf 32 Prozent. 2025 organisieren drei etwa gleich große Gruppen den Angebotsmarkt der Kitas: der Staat mit 33 Prozent der Einrichtungen, die beiden Kirchen mit 32 Prozent und alle anderen Träger mit 35 Prozent.
3. BAGFW
Innerhalb der größten Trägergruppe – der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), die rund die Hälfte der Einrichtungen (48 Prozent) betreibt – sind Caritas und Diakonie die beiden größten Organisationen.

Eine wachsende Konkurrenz innerhalb der BAGFW sind die Träger, die sich im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) zusammengeschlossen haben.

Durch diese Konkurrenz hat sich der Anteil der konfessionellen Träger innerhalb der BAGFW von seinerzeit 82 Prozent auf zwei Drittel (65 Prozent) verringert (s. Tabelle 2).

4. Kitas nach Anzahl, Kindern und Personal
Hinsichtlich der drei Aspekte Anzahl der Kitas, Anzahl der Kinder und des Personals (s. Tabellen 1, 3 und 4) zeigt sich bei den freien Trägern ein ähnliches Muster: die Kitas der Evangelischen Kirchen erhöhen die Anzahl der Einrichtungen und der betreuten Kinder, die katholische Kirche bleibt bei ihrem Bestand, bei der Zahl des Personals haben beide Kirchen steigende Zahlen. Im Unterschied dazu haben die kleineren freien Träger – auf einem deutlich geringerem Niveau – höhere Zuwachsraten, so dass Prozentanteile der Kirchen sich leicht reduzieren.



An der Personalentwicklung sei es noch einmal verdeutlicht, dass Caritas und Diakonie in den Anteilen etwas verlieren und bei den kleineren freien Trägern die „Sonstigen“ (Elterninitiativen, freie Gruppe, u.a.) deutlich zunehmen.

5. Bundesländer
Die Zahlengabe von jeweils rund 16 Prozent der beiden konfessionellen Träger, zusammen 32 Prozent der Kitas, hat mit Bezug auf die Bundesländer eine große Spannweite (s. Tabelle 5). Sie reicht von 53 Prozent kirchlicher Kita-Träger (42 römisch-katholisch, 11 Prozent EKD-Evangelisch) im Saarland, 45 Prozent in Bayern, 42 Prozent in Rheinland-Pfalz, 41 Prozent in Nordrhein-Westfalen und 37 Prozent in Baden-Württemberg bis Berlin, Brandenburg und Sachsen mit jeweils 11 Prozent kirchlicher Träger.

6. Unter-3-Jährige
Seit 2013 besteht ein Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr.
Alle Trägergruppen haben darauf reagiert und die Plätze für die Altersgruppe der ein- bis Unter-dreijährigen Kinder erhöht, insbesondere die kirchlichen Träger (s. Tabelle 6)

Setzt man diese Veränderung in die Zuwachsraten von 2006 auf 2022 um, so betrug der Zuwachs insgesamt 178 Prozent. Die Diakonie (267 Prozent) und die Caritas (312 Prozent) übertreffen diese Werte bei weiten (zusammen 287 Prozent).

Damit erreichen sie auch in dieser Altersgruppe den ‚kirchentypischen‘ Anteil von rund 30 Prozent (28,4 %). Passgenau dazu veröffentlichte die EKD: „Kinder in die Mitte! Evangelische Kindertageseinrichtungen: Bildung von Anfang an.“
7. Fazit
Als ein Fazit der Entwicklung der vergangenen dreißig Jahre (1994-2022) lässt sich feststellen, dass sich die Präsenz der beiden Kirchen – am Beispiel der Anzahl von Kitas – nicht bemerkenswert verändert hat. Die Anzahl der Kitas der EKD haben sich parallel zum Trend positiv verändert, die der Caritas haben sich geringfügig verringert (s. Tabelle 7).

Die hohen Zuwachsarten der kleineren freien Träger bewegt sich auf einem so niedrigen Niveau der Bestandszahlen, dass die Marktposition der kirchlichen Kitas – zumindest in den mittleren und südlichen Bundesländern Westdeutschlands – nicht berührt wird.
Angesichts der Tatsache, dass die Kirchen in den vergangenen rund dreißig Jahren 19,4 Mio. Mitglieder verloren haben, dass inzwischen stabile Bevölkerungsmehrheiten meinen, dass der Lebensbereich Kirche „unwichtig“ sei und das Vertrauen in die Kirchen deutschlandweit auf ein niedriges Niveau gesunken ist, hätte man eigentlich erwarten können, dass das Angebot an kirchlichen Kitas zurückgegangen ist. Diese Annahme findet in den empirischen Daten jedoch keine Bestätigung.
Carsten Frerk.
Tabellen
(Im Anhang befindet sich eine Excel-Datei mit den auslesbaren Daten für die Grafiken und Tabellen.)








