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Kirchliches Leben Evangelische Landeskirche Anhalt 1990 - 2017

Bei den vier statistisch erfassten Zahlen zu den Äußerungen des kirchlichen Lebens (Taufen, Konfirmationen, Trauungen) lagen die Zahlen für die Landeskirche Anhalts vor 27 Jahren bei den zukunftsweisenden Aspekten beinahe hälftig unter dem EKD-Durchschnitt.

Der relative Anstieg der Taufen und Konfirmationen ab dem Jahr 1992 ist nur vermeintlich. Da sich in diesem und den folgenden Jahren die Mitgliederzahlen um ein Drittel verringert hat, sind die relativen Werte nur durch Veränderung dieser Bezugsgröße gestiegen.

In den Jahren seit 1998 stiegen die relativen Werte der Taufen und der Trauungen leicht an. Die Taufzahlen nähern sich den durchschnittlichen Werten der EKD insgesamt an. Die Trauungen sind ab 2007 sogar etwas über den deutschen Durchschnitt gestiegen. Dies lässt darauf schließen, dass junge Paare diesem Ereignis einen bedeutenderen äußeren Rahmen geben wollen und dabei auf Traditionen zurückgreifen, die in den vorigen Jahrzehnten nicht so eine große Rolle spielten (weißes Brautkleid mit Schleier, Kutsche, Kirchenglocken und Trauungs-Zeremonie).

Die Bestattungen liegen weit über den gesamtdeutschen Zahlen, was auf eine relativ alte Bevölkerungsstruktur innerhalb der Kirche schließen lässt.

Nachdem bei den Zahlen der Konfirmationen Anfang der 1990er Jahre ein Anstieg zu verzeichnen war, schwankten die Zahlen bis 2004 auf etwa gleichem Niveau, um dann zum Ende des Jahrzehnts weiter abzusinken. Inzwischen hat sich die Zahl in den letzten Jahren bei etwa 4-5 Konfirmanden pro 1000 eingependelt. Das „Tief” bei den Taufen ab 1993 macht sich natürlich auch etwa 14 Jahre später bei den Konfirmationen bemerkbar.

Die Mitgliederzahlen in der Landeskirche Anhalt sinken durchschnittlich jährlich um 3,8 Prozent. Dabei blieb die große „Austrittswelle” Anfang der 1990er Jahre unberücksichtigt. Die Austrittszahlen hatten sich in den letzten 10 Jahren bei ca. 130-200 pro Jahr eingependelt. 2014 stieg die Zahl erheblich an - auf über das Doppelte. Demgegenüber stehen Aufnahmen und Übertritte von anderen Religionsgemeinschaften seit 2006 von ca. 100 Menschen pro Jahr. Während sich im Jahr 2010 diese Zahlen fast ausglichen, ist 2014 die Differenz wieder wesentlich größer geworden. Der Bestattungsüberschuss gegenüber den Taufen beträgt pro Jahr etwa zwei Drittel.

Bei den zukunftsweisenden Ereignissen Taufe, Konfirmation und Trauung sind in den letzten 24 Jahren sehr unterschiedliche Entwicklungen zu verzeichnen. Die Anzahl der Taufen ist am Anfang der 1990er Jahre gestiegen, sank in den darauffolgenden Jahren wieder und hat sich in den letzten Jahren bei ca. 5 Taufen je 1000 Mitglieder eingependelt. Eine ähnliche Entwicklung ist bei der Anzahl der Konfirmationen zu sehen. Bemerkenswerter Weise ist aber nicht der gleiche Anstieg der Taufen von 1992 mit 14jähriger Zeitdifferenz zu den Konfirmationen zu sehen, was man annehmen möchte. D. h. das nicht zwangsläufig die Getauften auch zur Konfirmation gehen. Möglicherweise ist dies aber auch eine Folge von Wegzug und Abwanderung. Bei den Trauungen ist über zwanzig Jahre hinweg ein stetiger Zuwachs zu sehen, jedoch sind hier in den letzten Jahren Schwankungen zwischen den Jahren (z. B. signifikanter Anstieg zwischen 2007 und 2010) zu verzeichnen, die derzeit auf keinen eindeutigen Trend hinweisen.

Grafik
Tabelle absolut
Tabelle relativ

Anmerkung:

Bis 2010 konnte man vermuten, dass die Mitgliederverluste größtenteils durch Wegzug entstanden sind. Bei Betrachtung der Bevölkerungsstatistik des Bundeslandes Sachsen Anhalt scheint sich dies bis 2010 zu bestätigen. Jedoch sind bei relativ gleichbleibender Differenz der Geborenen zu Verstorbenen ab 2000 die Zuwanderungen gegenüber dem Fortzug gestiegen. Der Gesamtsaldo der Bevölkerung ist im Jahr 2015 sogar ins Positive gestiegen. Für den sprunghaften Anstieg der Austrittszahlen im Jahr 2014 ist vermutlich die Änderung im Steuergesetz bezüglich der Einbehaltung der Kirchensteuern durch die Banken verantwortlich. Die bisher Unentschlossenen oder aus Gewohnheit in der Kirche gebliebenen könnten dies als Anlass benutzt haben, endgültig der Kirche den Rücken zu kehren. Zudem dürfte auch die vermeintliche Verquickung zwischen Banken und Kirche einige unangenehm berührt und zum Austritt bewegt haben. Kirchen werfen zwar den Banken und Sparkassen vor, sie hätten ihre Kunden zum Austritt animiert, aber dafür gibt es bisher keine Belege.

Grafik Bevölkerung
tabelle Bevölkerung

(aktualisiert 2019- SFE)